FCK
Vor der Jahreshauptversammlung: Wichtige Wahlen und etliche Endspiele
Immerhin: Wenn der 1. FC Kaiserslautern am Samstag (14 Uhr) in der Dritten Liga den SV Meppen empfängt, dann wird der Ball auf einem neuen Grün rollen. Am Abend zuvor geht es ab 18 Uhr nicht auf dem Rasen rund: Aber wie die Roten Teufel sportlich dringend Siege im Abstiegskampf brauchen, so benötigen sie auch auf Vereinsebene unbedingt richtige Entscheidungen. Die Mitglieder werden bei der Jahreshauptversammlung des FCK e. V. vor allem einen neuen Aufsichtsrat wählen. Ein Gremium, in dem in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit Chaos herrschte, das schon lange nicht mehr über die komplette Amtszeit von drei Jahren beisammen blieb.
Regionale Investoren halten FCK am Leben
Geschlossenheit, an einem Strang ziehen – das ist für die Zukunft des Traditionsklubs aber unabdingbar. Die Profifußball-Kapitalgesellschaft konnte sich 2020 mittels des Insolvenzverfahrens von 24 Millionen Euro Schulden befreien – auf Kosten der Gläubiger, auch treuer Fans, die dem Klub Geld liehen. Die fünf altbekannten regionalen Investoren halten den Klub mit vorerst 11 Millionen Euro am Leben. Ihre Saar-Pfalz-Invest GmbH erwirbt dafür rund 33 Prozent des genehmigten Aktienkapitals der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA. Die Investoren haben damit faktisch einen gewissen Einfluss, bekommen vereinbarungsgemäß einen Sitz im Beirat der Gesellschaft. 6,67 Millionen Euro sind schon geflossen, die beiden übrigen Raten sind im März und Juli fällig.
Verein steht weiter mit dem Rücken zur Wand
Doch der Verein, der FCK e. V., steht weiter mit dem Rücken zur Wand. Mitte Januar berichtete Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Keßler im RHEINPFALZ-Gespräch, dass von den am 12. Dezember verkündeten 6,8 Millionen Euro Vereinsschulden nach zwischenzeitlichen Tilgungen noch mehr als fünf Millionen Euro zurückzuzahlen sind. Aktualisierte Zahlen sollen nun zunächst die Mitglieder erfahren – bei der Jahreshauptversammlung. Keßler sprach im Januar von einem Zahlungsplan – die nächsten Monate betreffend bis hin zur Fälligkeit der Betze-Anleihe II im August 2022. Die Mitglieder werden interessiert verfolgen, wie dieser aussehen soll.
Neben den finanziellen Baustellen gibt es die sportlichen. Zuletzt wurden bei der Entlassung von Trainer Jeff Saibene und der Suche nach dessen Nachfolger Fragen laut, wie stark Beiratsmitglieder ins operative Geschäft eingreifen. „Diese Cheftrainersuche wird nicht mehr in der Hand von Boris Notzon liegen“, sagte Beiratsvorsitzender Markus Merk damals der RHEINPFALZ.
„Wenn wir eingreifen müssen, sind wir dazu verpflichtet“
Bei der Vorstellung des neuen Trainers Marco Antwerpen saßen weder Sportdirektor Notzon noch Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt auf dem Podium – stattdessen Merk und Aufsichtsratsmitglied Fritz Fuchs. „Wir sind ein Gremium, das überwiegend dazu da ist, beratend für die Geschäftsführung da zu sein, die Geschäftsführung zu unterstützen. Aber wenn wir sehen, es geht um unseren FCK und wir dann feststellen, dass wir in unserer professionellen sportlichen Analyse eingreifen müssen, dann sind wir dazu im Sinne unseres Vereins verpflichtet“, sagte Merk bei Antwerpens Vorstellung. Dass auch die Investoren bei der Trainersuche eingebunden waren, hatte der Beiratsvorsitzende zudem bestätigt: „Das sind unsere Partner.“
Der Vertrag von Notzon läuft im Sommer aus, wie es mit ihm weitergeht, ist unklar. Am 1. März soll Ex-FCK-Profi Thomas Hengen als Geschäftsführer Sport auf dem Betzenberg starten. Es war mal wieder einiges los im abgelaufenen Jubiläumsjahr auf dem „Betze“.
Rund 3000 Mitglieder werden am Freitag gespannt vor den Bildschirmen sitzen. In Zeiten, in denen alles anders ist, geht auch der FCK bei seiner Jahreshauptversammlung neue Wege. Danach muss mit Geschlossenheit an der Zukunft des Klubs gearbeitet werden. Nur um jene geht es in diesen Tagen – sportlich und wirtschaftlich.
Zur Sache: Die wichtigsten FCK-Gremien
Die Mitgliederversammlung (sprich Jahreshauptversammlung) ist nach Artikel 9 der Satzung des 1. FC Kaiserslautern e. V. das oberste Vereinsorgan. Die wahlberechtigten Mitglieder wählen bei der Versammlung den Aufsichtsrat, den Ehrenrat und die Rechnungsprüfer.
Direkt in den Aufsichtsrat werden für drei Jahre die fünf Kandidaten gewählt, die bei der Jahreshauptversammlung die meisten Stimmen bekommen. Die folgenden drei Bewerber sind Ersatzkandidaten respektive Nachrücker. Die Wahl findet gemäß Artikel 13 als Listenwahl statt; jeder Wahlberechtigte darf nur fünf Kandidaten wählen. Gemäß Artikel 13, Absatz 3 kann der Aufsichtsrat bis zu zwei zusätzliche Mitglieder bestellen – mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit des gewählten Gremiums. So hatte das „Team Keßler/Merk“ 2019 „seinen“ inzwischen wieder zurückgetretenen Ex-Profi Martin Wagner nachberufen. Der Aufsichtsrat wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden (zurzeit Rainer Keßler) samt Stellvertreter (Markus Merk).
Der Aufsichtsrat beruft den Vereinsvorstand: den Vorsitzenden (zurzeit Wolfgang Erfurt) und bis zu vier weitere Vorstandsmitglieder.
Der Aufsichtsrat des FCK e. V., der Konzernmutter, stellt stets die Stimmenmehrheit im mächtigen fünfköpfigen Beirat der für den Profifußball zuständigen FCK Management GmbH. Zurzeit ist der Aufsichtsrat noch personengleich mit dem Beirat (derzeit ist Markus Merk dessen Vorsitzender; Merk ist gemäß der Gremienvereinbarung Sprecher des Beirates wie auch des Aufsichtsrates; Stellvertreter: Rainer Keßler). Bis zu zwei Beiratssitze können an Investoren gehen, die jeweils mindestens 20 Prozent des genehmigten Kapitals an der FCK KGaA erwerben. Der Beirat beruft den/die FCK-Geschäftsführer.
Der Aufsichtsrat der FCK GmbH & Co. KGaA wird von den Aktionären des FCK gewählt.osp/ssl
