Sport-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Nations League und den Emotionen rund um den FCK

Sie verpassten das Finale der Nations League: die Belgier um Michy Batshuayi.
Sie verpassten das Finale der Nations League: die Belgier um Michy Batshuayi.

Es ist gut, dass die erhitzte Debatte um eine Reform des internationalen Wettkampfkalenders und damit um eine Fußball-Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus an Schwung verloren hat. Beendet ist sie deshalb keineswegs, entschieden ist der Streit ebenso wenig, auch wenn die Europäer glauben, mit dem klaren Widerspruch einen entscheidenden Schritt gegen die Gedankenspiele der Fifa gemacht zu haben. In jedem Fall hilft es, dass sich die Gemüter auf beiden Seiten abkühlen können, ehe noch einmal über das Thema gesprochen werden muss – schließlich gibt es weiterhin unterschiedliche Interessen in der großen Welt des Fußballs.

Gerade läuft das Finalturnier der Uefa Nations League, am Sonntag treffen im Endspiel Spanien und Frankreich aufeinander. Haben Sie es mitbekommen? Wer stand noch mal neben den Finalisten im Halbfinale? Vor zwei Jahren gab es die erste Auflage des Wettbewerbs. Ich interessiere mich echt für Fußball, aber ich wusste nicht mehr, wer die Premiere gewann. Sie? Es war Portugal, siegreich im Endspiel gegen die Niederlande.

Spanien, Frankreich, Portugal, Niederlande – das sind allesamt große Fußballnationen, die die Fantasie des Anhängers anregen. Frankreich ist amtierender Weltmeister, gewann vor drei Jahren das Turnier durch ein 4:2 gegen Kroatien. Spanien und die Niederlande standen sich 2010 im WM-Finale in Südafrika gegenüber, Spanien siegte 1:0 in der Verlängerung durch ein Tor von Andrés Iniesta, Arjen Robben vergab auf tragische Weise zwei Großchancen. Das ist alles immer noch präsent, die Torschützen des Endspiels in der Nations League werde ich aber schnell vergessen, wenn ich sie mir überhaupt einpräge.

Wenn ich mir Gedanken über den Geldvermehrungswettbewerb der Uefa mache, sollte für die Geldvermehrungsüberlegung der Fifa, die WM im Zwei-Jahres-Rhythmus zu veranstalten, kein Denkverbot ausgesprochen werden – aus sportlicher Sicht.

Was dem FCK mehr schadet als nützt

Drei Siege, 10:0 Tore zuletzt in der Liga: Jubelstimmung und Aufstiegsfantasien rund um den Betzenberg. Ein überraschendes Aus im südwestdeutschen Fußball-Verbandspokal in Mechtersheim: Frust, Wut und Beleidigungen gegen die eigenen Spieler. Es liegen nur ein paar Tage zwischen den beiden emotionalen Extremausschlägen beim 1. FC Kaiserslautern.Weil der Klub vielen Menschen sehr viel bedeutet, reagieren sie im Erfolg wie im Misserfolg außergewöhnlich. Liebe und Hass haben den gleichen Ursprung. Bei den Roten Teufel lässt sich eine enorme emotionale Kraft entfalten. Die Anhänger sorgen für extremen Rücken-, oder eben für bremsenden Gegenwind.

Das Umfeld eines Traditionsvereins bietet Chancen und birgt Risiken. Entscheidend für das Vorankommen eines Klubs ist aber, dass sich die Entscheider in ihrem Handeln autark von den äußeren Einflüssen machen. Genau das war in der Vergangenheit nicht so. Mehr noch, die Entscheider selbst sind emotional gefangen, wenn sie sachlich handeln sollen.

Langfristig positiv entwickeln kann sich der 1. FC Kaiserslautern nur, wenn es die für ihn Verantwortlichen schaffen, die eigenen Emotionen konsequent beiseitezuschieben. Positive wie negative Erlebnisse sind im (Profi-)Sport an der Tagesordnung, oft wechseln sie sich ab. Nur wer sich in seinem Handeln davon nicht beeinflussen lässt, ist für eine Aufgabe bei einem Fußball-Traditionsverein geeignet.

Kolumnist Michael Wilkening.
Kolumnist Michael Wilkening.
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