Blickpunkt Bundesliga
VfB Stuttgart zwischen Liga-Tristesse und Pokalfinale: Die Hauptstadt voller Schwaben
Der Oberbürgermeister von Schwäbisch Hall hat sich in den vergangenen Jahren sehr für die Integration von Geflüchteten eingesetzt. Um Menschen aus allen Herren Ländern zu verdeutlichen, welche Werte in ihrer neuen schwäbischen Heimat wirklich zählen, hat er die passenden Worte gefunden: „Alles, was sich bewegt, grüßen. Alles, was sich nicht bewegt, putzen.“ Die Leute aus Afghanistan und Syrien sollen fleißig mitgeschrieben haben.
Gebracht hat ihnen das nichts, denn nicht nur beim ortsansässigen VfB-Stuttgart-Fanclub „Alt Hall“ kommt derzeit keiner dazu, die traditionelle Kehrwoche ordnungsgemäß zu auszuführen. Und gegrüßt wird schon gar niemand. Allein schon deshalb nicht, weil man ja niemanden trifft, wenn man den ganzen Tag vorm Computer sitzt, um das zu ergattern, was des Schwaben Herz derzeit als einziges begehrt: Eine Karte fürs Pokalfinale am 24. Mai. 24.719 Tickets gingen nach Stuttgart, genauso viele wanderten zum Finalgegner Arminia Bielefeld. Doch während beim Drittligisten jeder Dauerkarteninhaber ein Ticket ergattern kann und auch die noch Chancen haben, die sich – clever, clever – zwischen 31. März und dem 10. April (18 Uhr) der Arminia angeschlossen haben, herrscht in Stuttgart Wehklagen. Alle Tickets weg, die meisten der 160.000 Interessierten haben Absagen erhalten. 135.281 genauer gesagt, das muss man sich mal vorstellen.
20 Punkte weniger als vergangene Saison
Wo die doch zu gerne dabei gewesen wären, wenn der VfB in vielleicht nur 90 Minuten etwas schafft, von dem jede schwäbische Hausfrau träumt: in eineinhalb Stunden die ganze Bude blitzeblank aussehen zu lassen, obwohl die zuvor doch einen ziemlich bedenklichen Eindruck erweckt hatte: Sollte der VfB Pokalsieger werden, was bei allem Respekt vor den wackeren Ostwestfalen keine riesige Sensation wäre.
Und schon wäre mit einem Mal vergessen, dass die Bundesligasaison zuvor nicht ganz so prächtig lief. 40 Punkte hat der VfB nach 28 Spieltagen erst gesammelt und liegt auf Platz neun. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison war man Dritter und hatte 20 Punkte mehr. Schuld an der schwachen Punktausbeute ist vor allem die Phase zwischen Ende Januar und Ende Februar, als man nicht nur gegen die Bayern verlor, sondern auch gegen Gladbach, Wolfsburg und Mainz.
Noch erstaunlicher: Selbst im Heimspiel in Sinsheim, als 17.000 VfB-Fans ihr Team gegen Hoffenheim unterstützen, ließ man einen Punkt. Sehr zur Freude der 57 Hoffenheimer Ultras und des Tribünenpublikums, das völlig euphorisiert zweimal in die Hände klatschte und dann nach Hause fuhr. Wobei: Noch sind ja 18 Punkte zu vergeben, das internationale Geschäft muss man also noch lange nicht abschreiben. Zumal die kommenden Gegner – Bremen am Sonntag, dann Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli und Augsburg – allesamt einen etwas schwächeren Kader als der FC Bayern haben.
Buchung mit Stornierungsoption
Und wenn es am letzten Spieltag nach Leipzig geht, muss man sich eh keine Sorgen um den VfB machen. Den Dosen-Klub haben sie schließlich schon vergangene Woche 3:1 im Pokal-Halbfinale weggefiedelt. Auch wenn das fast 120.000 VfB-Fans jetzt längst nicht mehr so freut wie am vergangenen Dienstag, als sie noch guter Dinge waren, selbst ein Ticket zu ergattern.
Dass sie es nicht bekamen, ist indes eine prima Nachricht für Hauptstadt-Touristen: Während derzeit die schäbigste Absteige in Berlin 200 Euro kostet, dürften die Preise in den kommenden Tagen fallen. Zehntausende VfB-Fans haben sich Unterkünfte mit Stornierungsoption gesichert. Die werden jetzt frei für Touris, die an einem Wochenende mal ganz Berlin so erleben wollen wie der Prenzlauer Berg jeden Tag ist: voller Schwaben.
Tipps der Redaktion
VfL Wolfsburg - RB Leipzig 2:1
Bayer Leverkusen - Union Berlin 3:0
TSG Hoffenheim - 1. FSV Mainz 05 0:1
Borussia M’Gladbach - SC Freiburg 2:2
VfL Bochum - FC Augsburg 0:3
Holstein Kiel - FC St. Pauli 1:1
Bayern München - Bor. Dortmund 5:1
VfB Stuttgart - SV Werder Bremen 3:1
Eintr. Frankfurt - 1. FC Heidenheim 1:0