Katar-WM RHEINPFALZ Plus Artikel Völler und Neuendorf im Sportausschuss: Wo ist der Kaffee?

Zumindest einer fühlte sich nicht so wirklich wohl im Sportausschuss: Rudi Völler sowie Polit-Profi und DFB-Chef Bernd Neuendorf
Zumindest einer fühlte sich nicht so wirklich wohl im Sportausschuss: Rudi Völler sowie Polit-Profi und DFB-Chef Bernd Neuendorf.

Was ist bei der Fußball-WM in Katar schief gelaufen? Das wollte die Politik von DFB-Chef Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler wissen. Eine Betrachtung.

Immer wieder legt Rudi Völler seine rechte Hand auf den Arm von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Ganz so, als wolle er den Chef vor allem eines fragen: Bernd, warum müssen wir eigentlich hier sein? Der neue Sportdirektor, der die Nationalmannschaft und den Deutschen Fußball-Bund stimmungstechnisch in Richtung Heim-EM 2024 führen soll, wirkt fast ein wenig genervt im parlamentarischen Rund des Bundestag-Sportausschusses. Allzu förmlich geht es hier zu, man könne sich ja auch später noch austauschen, findet Völler, dann aber bitte in lockerer Umgebung. Denn: „Gibt ja nicht mal Kaffee hier.“

Dabei war die Plauderstunde eher als Verhör vorgesehen. Wieso sind Manuel Neuer und Co. bei der WM in Katar bereits in der Vorrunde ausgeschieden? Und wie konnte es passieren, dass das sportliche Desaster auch noch von einem sportpolitischen Durcheinander rund um die One-Love-Kapitänsbinde begleitet wurde? Die Politik wollte das Turnier aufarbeiten, Neuendorf und Völler stellten sich – auch wenn der neue Sportdirektor vor gut zwei Monaten noch gar nicht in der Verantwortung stand.

Volles Haus im Hohen Haus

Der Auftritt der Beiden hat das, was die Nationalmannschaft nicht mehr immer hinbekommt: ein volles Haus. Auf dem Zuschauerbalkon ist kein Platz mehr frei und auch so mancher Abgeordneter verfällt an diesem Nachmittag im Hohen Haus in die Fan-Rolle. Der Ausschussvorsitzende Frank Ullrich, früher Biathlon-Bundestrainer und nun für die SPD im Bundestag, findet es „sensationell“, dass es Völler zur Sitzung geschafft habe. Publikumsliebling Völler steht gerne für Selfies zur Verfügung – und fordert den Schulterschluss von Sport, Politik und Medien. „Das Wir-Gefühl ist das Wichtigste“, sagt der 63-Jährige.

Die nüchternen Ausführungen des Polit-Profis Neuendorf zur WM in Katar bringen derweil keine neuen Erkenntnisse, sondern führen vielmehr zur Frage, warum eine weitere Rechtfertigung nötig ist. Was machen die Ausschussmitglieder mit den neuerlichen Einblicken in die Geschehnisse während des Turniers? „Es hatte schon eine gewisse Dramatik“, sagt Neuendorf über das Machtwort der Fifa und deren Verbot der One-Love-Binde, die Kapitän Neuer tragen wollte. Dass Innenministerin Nancy Faeser sie hingegen beim Spiel gegen Japan auf der Tribüne getragen habe, sei ihre eigene Entscheidung gewesen. „Jeder, der die Binde haben oder sehen wollte, hat eine bekommen“, sagt Neuendorf.

Innenministerin Nancy Faeser mit One-Love-Binde beim WM-Spiel gegen Japan.
Innenministerin Nancy Faeser mit One-Love-Binde beim WM-Spiel gegen Japan.

Vielleicht geht es auch einfach darum, ein bisschen zu poltern. „Unglücklich und in Teilen blamabel“, findet der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer den deutschen Gesamtauftritt in Katar. Aber: „Die Windschutzscheibe ist größer als der Rückspiegel.“ Doch auch in der Zukunft ziehen für Völler dunkle Wolken auf. „Vier, fünf, sechs Jahre haben wir noch eine wunderbare Mannschaft“, sagt der Sportdirektor, danach sehe es ein bisschen düster aus mit Nachwuchs und Talenten. Andererseits: So schlecht, wie die deutsche Nationalmannschaft immer gemacht wird, sei sie gar nicht, sagt Völler. Das gelte auch für die WM in Katar: „Die einzige Statistik, die richtig negativ war, ist die, dass wir ausgeschieden sind.“ Wenn Völler das sagt, will man fast ignorieren, dass er die wichtigste Statistik ist.

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