Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Unverdächtige Olympische Spiele

Endlich wieder unbeschwerte Spiele auf Eis und Schnee – das Versprechen aus Norditalien, das tatsächlich erfüllt werden könnte.
Endlich wieder unbeschwerte Spiele auf Eis und Schnee – das Versprechen aus Norditalien, das tatsächlich erfüllt werden könnte.

Die Olympischen Winterspiele in Norditalien haben gute Chancen, unbeschwert und heiter zu werden. Denn sie sind weder steril noch allzu sehr politisch belastet.

Willkommen in Norditalien. Die Olympischen Winterspiele sind wieder dort angelangt, wo sie – neben Skandinavien – am besten aufgehoben sind: in einer traditionellen Wintersportregion mit der entsprechenden Begeisterung für alles, was sich sportlich auf Schnee und Eis austragen lässt. Mailand, Cortina d’Ampezzo und die anderen Veranstaltungsorte haben allemal mehr Charme als Sotschi, Pyeongchang oder gar Peking, wohin sich der Kampf um die Medaillen in der jüngsten Vergangenheit verirrt hat.

Und: Vor allem laufen die am Freitag beginnenden Spiele nicht Gefahr, dass sie politisch vereinnahmt werden, wie dies zuletzt immer wieder passiert ist. „Milano-Cortina“ – übrigens die ersten Olympischen Spiele mit zwei offiziellen Gastgeberstädten – hat gute Chancen, so richtig frei zu sein.

IOC-Präsidentin befeuert Russen-Debatte

Doch ist das tatsächlich so? Unmittelbar vor dem Start ist die Diskussion wieder aufgeflammt, ob denn russische Athleten in nächster Zukunft wieder unter ihrer Landesflagge starten dürfen. Befeuert hat diese Diskussion ausgerechnet Kirsty Coventry, die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees und Nachfolgerin des Deutschen Thomas Bach. Sport solle als neutraler Ort bewahrt werden, „an dem jeder Athlet frei antreten kann, ohne durch die Politik behindert zu werden“, sagte die 42-Jährige am Dienstag in ihrer ersten präsidialen Rede vor einer IOC-Versammlung.

Man muss kein Prophet sein, um nach diesen Worten vorherzusagen, dass sie die Rückkehr der Russen auf die internationale Sportbühne bald vorantreiben wird. Egal, wie viele Bomben Putin auf die Ukraine wirft. Die antike Tradition, wonach während der Olympischen Spiele die Waffen ruhen, ist ohnedies schon lange Makulatur.

Sport und Politik können nie ganz getrennt sein

Allerdings: Wie blauäugig ist es zu postulieren, Sport und Politik sollten gefälligst getrennt gehalten werden? Die Realität sieht anders aus: Der Amateursport hätte ohne staatliche Hilfen keine Chancen, Großveranstaltungen wären ohne Unterstützung aus der Politik gar nicht finanzierbar. Die Abhängigkeit des Sports von der Politik ist unübersehbar.

Vor allem aber wissen wir spätestens seit 1936, seit Nazi-Deutschland und den Spielen in Berlin, dass der Sport und sein Sahnehäubchen Olympia immer wieder von der Politik vereinnahmt werden. Sportliche Großveranstaltungen – und über Olympia geht nun einmal nichts – wecken politische Begehrlichkeiten, sind fast immer auch Mittel zum Zweck. Sei es, um ein ramponiertes weltpolitisches Image aufzubessern; sei es, um von Missständen im eigenen Land abzulenken; sei es, um die vermeintliche Überlegenheit des eigenen Systems durch eine Medaillenflut untermauern zu wollen.

Italien ist zumindest unverdächtig, mit der Ausrichtung der Spiele tiefgreifende politische Ziele zu verfolgen. Das macht den Blick nach Norditalien zweifelsfrei unbeschwerter als zuletzt nach Peking oder Sotschi. Selbst wenn Donald Trump bei seiner dümmlichen Idee bleibt, tatsächlich Mitglieder seiner berüchtigt-brutalen Einwanderungsbehörde ICE über den Ozean zu schicken, um angeblich die US-Athleten zu schützen.

Wirklich nachhaltig? Eher nicht!

„Milano-Cortina“ lohnt aber aus einem anderen Grund ein genaueres Hinsehen über den Sport hinaus. Die Veranstalter haben die nachhaltigsten Spiele überhaupt versprochen. Also solche, bei denen nicht Milliarden in neue Sportanlagen gesteckt werden, die anschließend keiner mehr brauchen kann – und bei denen auf die Natur Rücksicht genommen werden soll. Doch angesichts von Investitionen über mehr als drei Milliarden Euro, angesichts der vielen Kilometern zwischen den verschiedenen Austragungsorten wird dieses Versprechen wohl nicht in Erfüllung gehen.

Erfreuen wir uns also einfach nur an tollen Wettkämpfen.

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