Fussball
Trotz Miroslav Klose – keine Luftschlösser in Vorarlberg
Altach, ein 7000-Seelen-Ort im Vorarlberg, südlich vom Bodensee. Bis Bregenz sind es 21 Kilometer, bis Konstanz 70 Kilometer. Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören die katholische Pfarrkirche Altach, das ehemalige Gasthaus Rössle und der Rheintalhof. Im Jahr 2017 startete der Silvesterlauf zum 20. Mal. Am 20. Mai wurde in Altach ab 21 Uhr groß gefeiert, denn im letzten Saisonspiel gegen WSG Tirol schaffte der ortsansässige Cashpoint SCR Altach durch einen 2:1-Sieg in der Relegationsrunde den Klassenverbleib.
Der Weg war frei
Der Weg war frei für Miroslav Klose. Der Weg war frei, weil Trainer Ludovic Magnin von einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch machte und zum FC Lausanne-Sport in die Zweite Schweizer Liga wechselte. „Ich darf da arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagte Miroslav Klose am Montag bei seiner offiziellen Vorstellung im SCR-Trainingscamp. Vergangene Woche, so erzählte der frühere Top-Stürmer, wurde er im Urlaub kontaktiert, einer seiner ersten Gedanken war: „Ich muss mit dem Werner an einer Tisch.“
Werner, das ist Werner Grabherr, der Sportliche Leiter. Am vergangenen Dienstag saßen die Herrschaften erstmals zusammen – und wurden alsbald einig. Klose hatte, so berichtete er, gleich ein super Gefühl. „Das brauche ich“, unterstrich er.
Es gibt viele Parallelen
„Auf den ersten Blick schien das nicht zu passen. Miroslav Klose und der SCR Altach, das schien abstrus. Auf den zweiten Blick gibt es aber viele Parallelen. Miroslav Klose ist ein ehrlicher, bodenständiger, harter Arbeiter“, sagte Geschäftsführer Christoph Längle: „Ich habe die tiefe Überzeugung gewonnen, dass unsere Werte-Welt identisch ist.“
Längle registrierte, wen wundert’s, seit Freitag eine große Euphorie. „Mit Miro wird der Klub sicher ein Stück größer werden.“ Er versprach: „Wir werden trotzdem jetzt nicht mit Luftschlössern beginnen.“ Die Mannschaft muss nun nicht zwangsläufig in die Top Sechs, verdeutlichte Längle. Der SCR Altach spielt mit Unterbrechungen schon seit zwölf Jahren in der Bundesliga.
Klose setzt sich unter Druck
Miroslav Klose war nach seinem Ausscheiden beim FC Bayern München im vergangenen Jahr vor allem aus gesundheitlichen Gründen noch ohne Trainerjob. Gerüchte gab es um ein Interesse von Fortuna Düsseldorf, und auch nach der Entlassung von Marco Antwerpen beim 1. FC Kaiserslautern fiel sein Name. Nun erfolgt also sein erstes Engagement im Profi-Bereich. „Ich setzte mich sehr unter Druck. Ich will den Klub auf die nächste Stufe bringen“, betonte Klose, wohl wissend, dass dies ein Prozess ist. Harte Arbeit vorausgesetzt. Klose will sich erst einen Einblick verschaffen, dann intern ein Saisonziel festlegen. Er verlangt Herz und Leidenschaft von seinen Spielern. An seiner Seite steht Slaven Skeledzic, mit dem er bei den B-Junioren des FC Bayern schon zusammenarbeitete.
Apropos: Klose pries gestern seinen früheren Chef Hansi Flick. „Er ist ein fantastischer Trainer. So viel Zeit haben wir nicht, um all seine Vorzüge zu beschreiben“, meinte Klose. Gleichwohl: Von Hansi Flick hat sich Miroslav Klose einiges abgeschaut. Und das will er nun umsetzen. Über die Reaktionen in Deutschland haben ihn seine Söhne informiert. Miroslav Klose setzt in Sachen soziale Medien ausschließlich auf Whatsapp.
Keine Auskunft
„Die Tinte ist rocken“, trompete der Klub am Sonntagmittag stolz und froh. Eine österreichische Journalistin hätte gerne Informationen zu Vertragsinhalten gehabt, beispielsweise zur Vertragslaufzeit. Da gab es ein klares „No“ vom neuen Trainer des SCR Altach. „Aber danke, dass Sie gefragt haben.“
Zur Person
Was für eine Laufbahn. Der Höhepunkt von Miroslav Kloses Karriere liegt sicherlich im Jahr 2014. Damals wurde der heutige 44-Jährige mit der Nationalmannschaft Weltmeister und mit seinem insgesamt 16. Tor zum WM-Rekordtorschützen, ausgerechnet beim 7:1 gegen Brasilien. Der Brasilianer Ronaldo, 15 Tore, musste auf der Tribüne tatenlos zusehen. Miroslav Klose ist zudem der einzige Spieler, der in vier WM-Halbfinal-Spielen eingesetzt wurde. Kloses Namen wird für immer mit dem 1. FC Kaiserslautern verbunden sein, dort schaffte er seinen Durchbruch. 2004 wechselte der Angreifer zu Werder Bremen, von 2007 bis 2011 spielte Klose beim FC Bayern München. Seine letzte Station im Vereinsfußball war Lazio Rom, dort blieb er bis 2016. Er war beim FC Bayern Junioren-Trainer und Assistenzcoach. öpf