Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Titelkampf in der Bundesliga: Den Bayern gilt Dank

Will 2022/23 Meister mit den Bayern werden: Thomas Tuchel.
Will 2022/23 Meister mit den Bayern werden: Thomas Tuchel.

Die Meisterschaftsentscheidung in der Fußball-Bundesliga ist spannend wie lange nicht. Das liegt am FC Bayern allein.

Bei der Borussia träumen sie weiter von der Meisterschaft und haben seit Samstag die Gewissheit, dass sich die Fußballer des FC Schalke nicht werden ins Goldene Buch der Stadt Dortmund eintragen müssen. Das sind zwei gute Nachrichten rund um den Borsigplatz. Der Erzrivale hat dem BVB keine Schützenhilfe geleistet. Das war auch nicht realistisch, weshalb die Fallhöhe für den Dortmunder Oberbürgermeister gering war, der S04 die große Ehre in Aussicht stellte, sollte er in München gewinnen.

So schlecht war der FCB zuletzt 2012

Die Bayern machten kurzen Prozess, siegten 6:0 und bleiben Tabellenführer. Die Borussia folgt mit einem Zähler Rückstand, was für Spannung an den beiden noch ausstehenden Spieltagen sorgen wird. Ach Bundesliga, was ist das schön – und was ist das ungewöhnlich. Dank für dieses Saisonfinale gilt in allererster Linie dem FC Bayern, denn er hat den knappen Entscheid herbeigeführt, weil er die Gesetze des Kapitalismus durchbrochen hat.

Es ist schon eine Weile her, dass die Münchner letztmals nach 32 Spieltagen eine (aus ihrer Sicht) derart maue Punktausbeute erreichten. Vor elf Jahren war das, in der Spielzeit 2011/12. Damals hechelten die Bayern chancenlos der Borussia hinterher, hatten nach 32 Partien 67 Punkte gesammelt und mussten den Dortmundern beim Feiern zuschauen, die mit 75 Zählern uneinholbar vorne lagen. In den Jahren danach feierte nur noch der FCB, weil er zum gleichen Zeitpunkt der Saison immer schon deutlich mehr als 70 Punkte eingesammelt hatte.

Forderte die Bayern 2015/16 heraus: Thomas Tuchel.
Forderte die Bayern 2015/16 heraus: Thomas Tuchel.

Nur noch einmal, in der Saison 2015/16, war die Meisterschaft nach 32 Spielen noch nicht entschieden. Damals hatten die Münchner 82 Punkte, die Dortmunder 77 Zähler. Borussen-Trainer war zu jenem Zeitpunkt Thomas Tuchel – also eben jener Mann, der jetzt die Münchner Stars anleitet. Doch selbst er kam den Münchnern nicht so nahe wie Erdin Terzic jetzt, was aber – wie gesagt – daran liegt, dass die Bayern unterdurchschnittlich punkten (68) und Terzics Borussia (67) deshalb noch von der Schale träumen kann.

Finanzieller Vorsprung ist schwindelerregend

So etwas ist rein unternehmerisch gar nicht mehr vorgesehen, nach den Gesetzen des Kapitalismus dürfte es sogar gar nicht passieren. Zu groß ist der wirtschaftliche Vorteil der FC Bayern München AG vor der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA und allen anderen Konkurrenten. Dazu ein Beleg aus der Saison 2020/21, neuere Zahlen liegen öffentlich einsehbar nicht vor. Die Bayern hatten in jener Spielzeit ein Umsatzvolumen beim Personal in Höhe von 373,4 Millionen Euro, die Dortmunder gaben 215,7 Millionen Euro für ihr Personal aus. Das sind Zahlen in schwindelerregender Höhe, aber sie machen den Vorsprung der Münchner deutlich, der sich in den zurückliegenden zehn Jahren in der Tabelle ablesen ließ. Der Abstand der Münchner als Krösus zur Nummer zwei aus Dortmund ist größer als der Vorsprung der Borussen zum 1. FC Köln (76,3 Millionen), dem 14. der Personalumsatz-Tabelle.

Fußballfans sollten genießen

Die Stärksten werden immer stärker, die Schwachen werden immer schwächer – das ist eine Folge des Kapitalismus. Übertragen auf die Bundesliga: Die Bayern werden Meister, und die anderen strampeln sich vergeblich. Dass es in dieser Saison anders kommen kann, liegt an den Münchnern. Nicht etwa die Borussia aus Dortmund fordert den Meister mit überdurchschnittlich vielen gewonnen Punkten heraus, sondern das unterdurchschnittliche Abschneiden der Bayern sorgt für Spannung.

Fußballfans sollten das genießen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass es im nächsten Jahr wieder anders kommt, ist erschreckend hoch.

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