Sport Stilbruch statt Stilwandel
KARLSRUHE. Kosta Runjaic hätte ein Trostpflaster gehabt: Wenigstens nach Ballbesitz (60:40 Prozent) war der 1. FC Kaiserslautern besser. Aber Statistik holt keine Punkte. So ist der FCK nach dem desillusionierenden 0:2 im Zweitliga-Derby beim Karlsruher SC dem Tiefpunkt nahe.
, Runjaics Nachfolger als Übungsleiter der Roten Teufel, setzt statt auf 4-2-3-1 am liebsten auf 4-4-2, auf Balleroberung, aggressive Zweikampfführung, schnelles Umschalten über die Flügel. Zumindest eine der beiden Spitzen soll im Sturmzentrum erreichbar sein. So wie sich der FCK am Samstag präsentierte, war nichts davon erkennbar: Stilbruch statt Stilwandel! Die Mannschaftsaufstellungen werden im Wildpark von einem Trauerhaus präsentiert. Am Ende des Lauterer Trauerspiels sprach im Kreis der Verlierer, zu denen sich der verletzte und schmerzlich vermisste Jean Zimmer gesellt hatte, der Kapitän. Er sprach lange, laut und gestenreich. „Wir hatten es einfach nicht verdient, wir waren einfach schlecht“, bekannte Daniel Halfar später. „Der Grundinhalt der Ansprache bleibt aber intern“, sagte der Kapitän. „Wenn es scheiße läuft, du Fehlpässe spielst, nicht in die Zweikämpfe kommst, dann läuft es irgendwann so wie heute bei uns“, sagte Halfar, der am rechten Flügel nichts zu bewegen vermochte. „Eine Erkenntnis ist, dass es ohne Daniel zentral nicht geht“, resümierte Fünfstück gestern. Sein Plan, den KSC über die Flügel zu knacken, scheiterte an den Schwächen seiner Mannschaft. Das begann bei den Außenverteidigern Patrick Ziegler und Chris Löwe, das setzte sich auf den Außenbahnen bei Halfar und Marcel Gaus fort. Das FCK-Spiel hatte keine Struktur. So stümperte Markus Karl, durch ein böses Foul Dominic Peitz’ früh lädiert, im defensiven Mittelfeld neben dem offensiv wirkungslosen, defensiv schwachen Ruben Jenssen. Wäre der KSC besser, als er derzeit ist, hätte er ein halbes Dutzend Tore machen können. So blieb es beim 2:0 durch Dimitrij Nazarovs fragwürdigen Elfmetertreffer, nachdem „Jimmy“ Hoffer im Textiltest mit Sascha Mockenhaupt cleverer beim Hinfallen war (45. +1), und Grischa Prömels Sonntagsschuss (48.). Die Einladung zum 0:2 kam durch einen Fehlpass Stipe Vucurs. „Ich habe den Ball dann zweimal abgeblockt, bei dem Schuss komme ich nicht mehr dran“, erklärte Vucur. Dass er physisch abwesend war, weil er abdrehte und Nazarov für dessen Versuch, einen Elfmeter zu schinden, die Leviten las, sah auch sein Trainer als Ursache des 0:2. Noch dazu: Erneut fielen einige unbelehrbare FCK-Fans auswärts mit gefährlichem und vereinsschädigendem Verhalten auf. Kurz vor dem Anpfiff zündeten sie Feuerwerkskörper, von denen einige auf der Gegentribüne landeten – direkt neben arglosen Stadionbesuchern. Drei Wochen nach Ablauf der Bewährung wegen pyrotechnischer Vergehen seines Anhangs kommt nun wieder eine empfindliche Geldstrafe auf den FCK zu. Morgen (20.30 Uhr) gastieren die Lauterer im DFB-Pokal als Außenseiter beim VfL Bochum. Das Spiel eins nach Runjaic hatte der FCK dort 2:1 gewonnen. „Wir haben gar keine Zeit, lange am Boden liegen zu bleiben“, sagte Coach Fünfstück. Das 0:2 beim KSC – mehr als eine Niederlage. So empfand das auch Torhüter Marius Müller: „Der Stolz, die Ehre – ich sehe solche Derbys vielleicht strenger, weil ich eigentlich schon mein Leben lang beim FCK bin und diese Derbys schon in der Jugend erlebt habe. Man darf solche Spiele zumindest nicht auf diese Art und Weise verlieren!“ Gestern Abend war Training, heute Mittag fährt die Mannschaft, möglicherweise erstmals wieder mit Michael Schulze, gen Westen und trainiert dann in Wattenscheid.
