Handball
Stadt hat kein Geld für Neubau: Eberthalle wird auch für die Eulen saniert
Die Friedrich-Ebert-Halle ist die Heimat des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen. Seit den 1990er-Jahren spielt der Verein in der architektonisch außergewöhnlichen Halle. Unter anderem Messen, Kulturveranstaltungen finden dort auch noch statt.
Doch das Gebäude ist fast 60 Jahre alt – und ein Sanierungsfall. Die Eberthalle ist im städtischen Besitz. Die einzigartige Hallendach-Konstruktion steht unter Denkmalschutz. Am Montag entscheidet der Stadtrat, ob und wie die Eberthalle saniert wird. Bis zu 84 Millionen Euro könnte das kosten, lautet eine Schätzung.
Keinen Investor gefunden
Der zwischenzeitlich diskutierte Neubau einer Mehrzweckhalle in Ludwigshafen ist seit dieser Woche vom Tisch. Diese Möglichkeit wurde in den vergangenen Monaten geprüft. Die neue Stadthalle in Heidelberg, der SNP Dome, galt als Vorbild. Verschiedene Standorte wurden in Ludwigshafen diskutiert. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck, die gleichzeitig Sportdezernentin ist, hatte sogar selbst einen Standort vorgeschlagen. Es schien alles auf eine neue Halle hinauszulaufen. Denn auch die Mehrheit der neun Stadtratsfraktionen hatte sich in einer RHEINPFALZ-Umfrage für den Bau einer neuen Halle und gegen den Abriss der Eberthalle ausgesprochen.
Die plötzliche Kehrtwende hat einen einfachen Grund: Die Stadt hat schlichtweg kein Geld, um eine neue Halle zu bauen. Außerdem habe sich kein Investor gefunden, der das Projekt verwirklicht und die Folgekosten getragen hätte, begründet Steinruck. Und: Es sei sehr schwierig, einen geeigneten Standort für einen Neubau im Stadtgebiet zu finden.
Neue Erfordernisse der Liga
Aber: Die Handball-Bundesliga (HBL) hat aber einen neuen Vermarktungsvertrag mit dem ehemaligen Chef der Deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert, abgeschlossen. Seifert ist an der Streaming-Plattform S Nation Media beteiligt. Die überträgt ab der Saison 2023/24 alle Spiele der Bundes- und Zweiten Liga.
Nun passt die HBL die Anforderungen an die Bundesligisten an.Dabei geht es unter anderem um die Zuschauerkapazität, gewisse Standards bei den Kabinen, der Ausstattung für die Medien, für die Business-Partner sowie den VIP-Bereich. Die alte Eberthalle erfüllt kaum einen dieser Punkte. „Für uns Eulen ist es wichtig, dass wir am Ende eine bundesligataugliche Spielstätte haben“, sagt Geschäftsführerin Lisa Heßler.
Eulen können damit leben
Die Eulen haben deshalb einen Neubau favorisiert. Denn mit einem größeren Fassungsvermögen hätte der Klub auch mehr Geld eingenommen. „Das Ticketing macht 20 Prozent des Etats bei den Eulen aus. Es ist daher ein Unterschied, ob wir 2250 oder 3000 Karten verkaufen“, sagt Heßler. In einem Neubau hätten auch Logen integriert werden können. Denn Anfragen und Interesse sind laut Heßler von den Sponsoren da. „Es geht am Ende auch darum, dass wir als Klub wirtschaftlich überleben können. Es geht darum, Arbeitsplätze zu sichern und Gehälter zu zahlen. Es geht nicht um den Spaßfaktor, da hängt viel mehr dahinter“, sagt Heßler. Die Stadtspitze hat diese Woche für eine Komplettsanierung und den Umbau der Eberthalle geworben – dabei sollen auch die Wünsche der Eulen berücksichtigt werden, versprach die OB.
Mit einer sanierten und modernisierten Eberthalle kann die 32-Jährige Eulen-Geschäftsführerin daher auch gut leben. „Wir wollen ja nicht weg. Die Eberthalle ist ein Teil der DNA der Eulen.“ Der Zeitplan der Sanierung ist noch nicht erstellt. Noch steht nicht fest, ob der Umbau während der Spielpause erfolgt oder während der Runde. Wie lange dauert die Sanierung? Wann steht die Finanzierung? Müssen die Eulen möglicherweise in eine andere Halle ausweichen? Können während eines Umbaus Zuschauer in die Halle? Wird die Eberthalle so modernisiert, dass sie bei eventuellen Anpassungen der HBL weiter bundesligatauglich ist? Was ist, wenn dies nicht der Fall ist? Ist dann der Bundesliga-Standort Ludwigshafen gestorben? Derzeit sind noch viele Fragen offen.