Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Späte Tore in Osnabrück schocken 1. FC Saarbrücken

Stille im Ludwigspark: Nach dem Abpfiff registrieren die Spieler des 1. FC Saarbrücken enttäuscht, dass sie den Aufstieg in die
Stille im Ludwigspark: Nach dem Abpfiff registrieren die Spieler des 1. FC Saarbrücken enttäuscht, dass sie den Aufstieg in die Zweite Liga verpasst haben.

Freudentränen bei Meister Elversberg, bittere Tränen der Enttäuschung in Saarbrücken. Quasi in letzter Sekunde ist in der Dritten Liga der Aufstiegstraum des 1. FCS geplatzt – trotz eines 2:1 gegen Viktoria Köln.

Jubelarien verstummen und weichen bedrückender Stille: Wie schnell doch die Stimmung umschlagen kann. Von einer Sekunde auf die andere ist’s am Samstagnachmittag im Saarbrücker Ludwigspark ruhig. Die Spieler in Blau-Schwarz sinken zu Boden, vergraben ihr Gesicht wahlweise in Armbeuge oder Rasen. Kurz zuvor hatte das Publikum noch getobt. Doch der 2:1 (2:1)-Sieg der Saarländer über Viktoria Köln ist plötzlich Makulatur. Weil Dortmund an diesem denkwürdigen Samstag gleich doppelt versagt, dem VfL Osnabrück gegen die zweite Mannschaft der Borussia in der Nachspielzeit noch Ausgleich und Siegtreffer glücken, bleibt dem 1. FC Saarbrücken das Ticket Richtung Zweite Bundesliga verwehrt.

Wehen gegen Bielefeld oder Nürnberg

Zeitgleich hat die SV Elversberg ihr Meisterstück gemacht. Die SVE, schon zuvor aufgrund des Torverhältnisses praktisch als Aufsteiger feststehend, gewann beim FC Ingolstadt mit 2:1. Den Saarländern folgt Osnabrück. Der SV Wehen Wiesbaden, der gegen den Halleschen FC mit 1:0 gewann, geht in die Relegation und erfährt am Sonntag, ob es wie erwartet ein Duell mit Arminia Bielefeld gibt oder der Gegner 1. FC Nürnberg heißt.

Der SV Elversberg ist das Kunststück gelungen, als Aufsteiger zum Meistertitel zu marschieren. Durch den Sieg in Ingolstadt hat „die Elv“ den SC Freiburg II distanziert. Dem neuen Vizemeister hat ein 2:0-Sieg über Meppen nicht gereicht. Der Aufstieg bleibt den Freiburgern als Reserveteam eines Proficlubs verwehrt.

Bittere Quittung

Dass indes die Elversberger künftig zweitklassig kicken und sich unter anderem mit dem 1. FC Kaiserslautern messen, war schon am vergangenen Sonntag klar. Weil der Saar-Nachbar aus Saarbrücken in Duisburg versagt hatte und zwei Punkte liegenließ. Dafür gab’s für das Bundesliga-Gründungsmitglied am letzten Spieltag die bittere Quittung.

Die Stille im Ludwigspark währte eine gute Viertelstunde, ehe denn doch wieder Jubel aufbrandete. Die Fans feierten ihre Mannschaft, die sich – wie versprochen – in der letzten Partie noch mal reingehängt hatte. Keine Minute war absolviert, als Marcel Gaus die Weichen frühzeitig auf Sieg stellte – so schien es zumindest. Stürmer Marvin Cuni war über die rechte Flanke nach vorn geprescht und hatte dem vors Kölner Tor geeilten Linksverteidiger vorzüglich serviert.

Gaus und Rabihic treffen

Gaus traf, und das Stadion glich einem Tollhaus. Die Anfeuerungsrufe verstummten fortan das gesamte Spiel über nicht mehr. Auch nicht, als die Viktoria überraschend zum Ausgleich kam. David Lennart Philipp nutzte einen Aussetzer der FCS-Abwehr (19.). Doch schon fünf Minuten später war die Saarbrücker Welt wieder in Ordnung. Kasim Rabihic traf per Distanzschuss (24.).

Fortan passierte nicht mehr allzu viel. Das Spiel plätscherte dahin, doch ließ die Viktoria immer wieder Gefahr aufblitzen. Gegen Ende wollten die Saarbrücker den Sieg über die Zeit schaukeln – was auch gelang. Auch, weil Keeper Daniel Batz, Mann der Saison beim FCS und zum Spieler der Liga gewählt – bei der letzten Kölner Chance in der Nachspielzeit hervorragend reagierte. Ums Haar hätte die Viktoria noch ausgeglichen – Durchschnaufen bei Spielern und Anhang, die just in diesem Moment noch voll der Gewissheit waren, Grünes Licht für die Relegationsspiele zu haben und das Saisonziel Aufstieg womöglich noch zu erreichen.

Zwei VfL-Tore in Nachspielzeit

Das Minimalziel blieb greifbar, obwohl in Osnabrück der einst auch für Elversberg stürmende Ba-Muaka Simakala in der vierten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich markierte. Der Traum platzte erst, als Jannes Wulff zwei Minuten später mit dem 2:1 noch einen draufsetzte und die Partie drehte.

Der erwartete Platzsturm, für den im Erfolgsfall ebenfalls Grünes Licht signalisiert worden war, blieb nicht aus. Fiel aber äußerst verhalten aus. Batz kauerte in seinem Kasten und weinte, aus der „Virage Est“, der Fan-Ostkurve, waren die Treuesten herabgestiegen, um auch ihren Besten zu trösten. Erhobenen Hauptes schlenderte Trainer und Manager Rüdiger Ziehl über den Rasen, um Zuspruch in schweren Minuten zu leisten. Völlig geknickte Spieler hatten sich eine halbe Stunde nach dem Abpfiff wieder soweit aufgerichtet, dass sie sich auf einer eilends aufgebauten Bühne doch noch feiern lassen konnten. Kein Mensch schien dem Team gram, dass im Ludwigspark eine weitere Saison lang nur Drittliga-Fußball geboten wird. Anhänger sicherten sich Grashälmchen als Andenken, andere fertigten von ihren an der Torlatte hängend Kindern Handy-Fotos an. Weil Dresden zwar ebenfalls gewann (2:1 gegen Absteiger Oldenburg), punktgleich ist, aber den Rückstand in der Tordifferenz nicht wettmachen konnte, bleibt dem FCS als Fünftem ein Startplatz in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde.

Damit gerät das Endspiel um den Saarlandpokal am Samstag, 3. Juni (Anstoß 16.15 Uhr), zu einer Partie mit überwiegend statistischem Wert. Beide Finalgegner sind im DFB-Pokal dabei – Genger des FCS in dessen „Wohnzimmer“ Ludwigspark ist die SV Elversberg.

SV Waldhof: Versöhnlicher Abschluss

Der SV Waldhof hat einen versöhnlichen Saisonabschluss geschafft. Gegen den MSV Duisburg siegten die Mannheimer 3:1 (2:0). Die Tore erzielten Dominik Martinovic (7.), Thomas Pledl (18.) und Berkan Taz (72.), Aziz Bouhaddouz verkürzte für die Duisburger (86.). Im Mittelpunkt standen Marc Schnatterer und Marco Höger. Die Routiniers beendeten vor 9414 Zuschauern ihre Karriere. Als sie gemeinsam in der 59. Minute ausgewechselt wurden, gab es großen Applaus.

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