1. FC KAISERSLAUTERN
Späte Entscheidung für den SC Freiburg – FCK-Profis enttäuscht, aber auch stolz
Ritsu Doan riss Fans und Spieler des 1. FC Kaiserslautern aus ihren Sommertagsträumen. Mit einem Freistoßtor in der 111. Minute erzielte der Flügelstürmer im Fritz-Walter-Stadion den 2:1 (1:1, 0:1)-Siegtreffer für den favorisierten SC Freiburg. Der Bundesligist und DFB-Pokalfinalist der Vorsaison setzte sich beim lange klar besseren Zweitliga-Aufsteiger in der Verlängerung durch.
Sein Traumtor wird Marlon Ritter trotzdem noch lange in Erinnerung bleiben. Mit seinem Distanzschuss aus fast 50 Metern aus dem Mittelkreis heraus überwand er SC-Torwart Mark Flekken. Der niederländische Schlussmann in Diensten der Freiburger stand zu weit vor seinem Kasten und nahm ein Sonnenbad vor dem 16-Meter-Raum im östlichen Teil des Fritz-Walter-Stadions. Der Tipp, dass der Nationalkeeper sehr gerne sehr weit vor seinem Tor steht, kam von Andreas Clauß, dem FCK-Torwarttrainer. Entsprechend galt ihm der Dank der nach Ritters 1:0 (33.) völlig verdient jubelnden Lauterer, die nach der Führung auf Clauß zustürmten.
„Wir waren einfach eklig“
Kaiserslauterns Chefcoach Dirk Schuster und Kunstschütze Ritter beschrieben die kleinen Dossiers über jeden gegnerischen Spieler – bei Flekken war das Zu-weit-vor-dem-Tor-stehen ein markanter Punkt. Den nutzte Ritter, der auf seinen Coup gar nicht mehr explizit eingehen wollte. „Ich bin sehr enttäuscht. Über 120 Minuten haben wir sehr gut dagegengehalten, waren einfach eklig. Jetzt stehen wir hier und haben die nächste Runde nicht erreicht“, sagte er. „Heute vielleicht noch nicht, aber morgen oder übermorgen können wir trotzdem stolz sein auf die Leistung, die wir abgerufen haben.“
Bitter für den FCK und glücklich für den lange schlappen Favoriten, dass Joker Roland Sallai zum 1:1 ausglich (81.). Die Szene nach einer schnell ausgeführten SC-Ecke ärgerte Schuster sehr. „Da haben wir uns angestellt, als ob wir aus Ober-Amateurhausen kommen, obwohl ich da allen Amateurvereinen unrecht tue. Das ist brutal ärgerlich.“
Es war das dritte Gegentor der Lauterer in Serie, das nach einer Ecke fiel. Auch beim 2:2 in Kiel hatte der Gastgeber zwei Standards genutzt. FCK-Trainer Schuster vertraute erneut auf den 21 Jahre jungen Julian Niehues. Trotz seines unglücklichen Auftritts in Kiel, als er bei den Gegentoren nicht gut aussah, durfte der Defensivspieler wieder von Beginn an auflaufen. Niehues, der den Fehlern eine gute Trainingswoche folgen ließ, legte auch gegen Freiburg aggressiv-engagiert los, zeigte, dass er nun nicht mehr zu weit weg von seinen Gegnern sein mag.
FCK „voll auf Sendung“
Das Spiel war noch keine Minute alt, da hatte Niehues schon Gelb. Einen der sehr seltenen Angriffsansätze des Europa-League-Starters vor der Pause machte Niehues ebenfalls durch sein Engagement früh zunichte, grätschte einen Schussversuch ab (19.). Eine Szene, die sinnbildlich für die erste Halbzeit stand: Der FCK war wesentlich engagierter, voll „auf Sendung“, der Zweitligist war da auch spielerisch besser.
Dass Ritter einmal mehr einen guten Tag erwischte, zeigte er schon früh. Der gut gefüllte „Betze“ vibrierte bereits in der fünften Minute, als Ritter an der Seitenlinie zwei extrafeine Dribblings hinlegte. Der FCK lief früh an, zeigte sich spiel- und kombinationsfreudig. Die Freiburger, noch ohne Pflichtspiel in dieser Saison, ließen bei Temperaturen von mehr als 30 Grad lange Rhythmus und Biss vermissen. Flügelstürmer Doan, Acht-Millionen-Euro-Einkauf von der PSV Eindhoven und Ex-Bielefelder, war früh schon der emsigste SCler.
Nach enttäuschender erster Hälfte wird SC stärker
Die Freiburger kamen wesentlich aggressiver, spritziger und lauffreudiger aus der Kabine. Durch Sturm-Neuzugang Michael Gregoritsch hatten sie auch ihre erste echte Chance (52.). Joker Nils Petersen kam einen Schritt zu spät (76.). Dann hatte auf der Gegenseite viermal in Serie Terrence Boyd nach Kontern die Gelegenheit (77. bis 82.).
Ihm fehlte aber auch angesichts der Hitze und der fortgeschrittenen Spielzeit die Energie, um das 2:0 zu erzielen. So glich Sallai aus, und Doan nahm in der Verlängerung Maß – die Entscheidung.
So spielten sie
1. FC Kaiserslautern: Luthe (Note 3,5) - Durm (4), Kraus (2), Tomiak (2,5), Zuck (3) - Niehues (3,5; 67. Ciftci 4), Ritter (1,5) - Zimmer (3; 73. Hercher 3,5), Wunderlich (2,5; 73. Bünning 4), Hanslik (3; 67. Redondo 3,5) - Boyd (3; 83. Lobinger 4)
SC Freiburg: Flekken - Kübler (13. Sildillia), Ginter, Lienhart, Günter - Eggestein, Höfler - Doan (115. Weißhaupt), Jeong (46. Sallai), Grifo (89. Kyereh) - Gregoritsch (73. Petersen)
Tore: 1:0 Ritter (33.), 1:1 Sallai (82.), 1:2 Doan (111.) - Gelbe Karten: Niehues, Wunderlich, Lobinger, Zuck, Ritter - Lienhardt, Höfler, Kyereh - Beste Spieler: Ritter, Kraus - Ginter, Eggestein, Doan - Zuschauer: 38.317 - Schiedsrichter: Jablonski (Bremen).



