Handball
Sind die deutschen Frauen noch ein Medaillenkandidat?
Zum Glück neigt Henk Groener nicht dazu, Dinge persönlich zu nehmen, denn sonst hätte der Trainer der Nationalmannschaft beleidigt sein können. Wegen einer Corona-Infektion hatte der Niederländer nicht nur die komplette Vorbereitung auf die EM in Dänemark verpasst, sondern musste auch den 22:19-Sieg seiner Mannschaft im Auftaktspiel gegen Rumänien zu Hause von der Couch aus verfolgen. Als Groener nach einem negativen Corona-Test endlich zu seiner Mannschaft nachreisen konnte, erlebte die ein historisches Debakel. Nie zuvor verloren die deutschen Frauen bei einer EM so hoch wie beim 23:42 gegen Norwegen.
Keine Abrechnung von Groener
„Es war eine Handball-Lektion, die wir heute bekommen haben“, sagte der Bundestrainer nach dem frustrierenden Erlebnis in Kolding. Der 60-Jährige wirkte erstaunlich ruhig und aufgeräumt, als er über das Erlebte sprach. Sicher, Norwegen ist Rekord-Europameister und gehört auch in Dänemark zu den Anwärtern auf den Titel – aber eine solche Leistung mit dem daraus resultierenden Ergebnis war nicht vorherzusehen. Groener, der auch nach Siegen ruhig und analytisch ist, hatte kein Interesse daran, öffentlich mit seinem Team abzurechnen. „Wir haben es zu keiner Phase des Spiels geschafft, Norwegen in den Griff zu kriegen. Dann ist so ein Ergebnis auch gerecht“, sagte der Bundestrainer in aller Deutlichkeit, formulierte seine Sätze aber nicht vorwurfsvoll. Ob dieser Umgang mit der Niederlage richtig ist, wird der weitere Turnierverlauf zeigen müssen.
Immerhin reicht trotz des Debakels gegen die Norwegerinnen schon ein Remis im abschließenden Gruppenspiel gegen Polen am Montag (18.15 Uhr), um sich für die Hauptrunde zu qualifizieren. Sollte Rumänien gegen Norwegen verlieren, wären die Deutschen selbst bei einer Niederlage mit zwei Treffern Unterschied gegen die bislang punktlosen Polinnen weiter.
Uninspiriert und fahrig
Eine Niederlage gegen Norwegen ist an sich kein Grund, sich um eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft zu sorgen, doch die Art und Weise des Auftritts gegen eine Topnation gab doch zu denken. Im Grunde waren die Deutschen von der ersten Minute an chancenlos, auch wenn sie bis zum 8:11 in der 13. Minute den Anschluss noch einigermaßen halten konnten. Doch dieser Zwischenstand täuschte über die Kräfteverhältnisse auf dem Feld hinweg. In der Deckung fand die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) kein Mittel gegen das schnelle Spiel der Skandinavierinnen und im Angriff wirkte der Vortrag uninspiriert und fahrig – und damit eben nicht wie das Spiel einer Mannschaft, die Ambitionen hat, das Halbfinale zu erreichen.
Groener war trotzdem pragmatisch. „Das ist für uns eine gute Lektion, wir müssen uns jetzt wieder aufbauen“, sagte der Bundestrainer.