Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Sebastian Heymann spielt sich in den Vordergrund

Sebastian Heymann.
Sebastian Heymann.

Natürlich lässt sich Handball-Bundestrainer Alfred Gislason nicht in die Karten schauen. Aber es spricht viel dafür, dass Sebastian Heymann neben Julius Kühn der Halblinke ist, der mit der deutschen Auswahl zu den Olympischen Spielen in Tokio darf.

Hat sich ein Sportler schwer verletzt, dann sprechen Trainer oft davon, gerade auch, um den Verletzten zu trösten und aufzubauen, dass sie sicher sind, der Pechvogel komme ganz bestimmt noch stärker zurück.

Bei Sebastian Heymann ist das der Fall.

Der Rückraumspieler von Frisch Auf Göppingen zog sich im Oktober 2019 im Spiel gegen die Eulen Ludwigshafen einen Kreuzbandriss zu, fehlte fast ein Jahr, feierte im September des vergangenen Jahres gegen die Eulen sein Comeback und gehört seitdem zu den auffälligsten Akteuren der Bundesliga. Frisch Auf Göppingen nimmt als Fünfter Kurs Richtung European League – auch wegen des Shootingstars, der seit Jahren als größtes deutsches Talent gilt.

Heymann: Spiele meine beste Saison

„Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entwicklung. Hätte man das vorher zu mir gesagt, hätte ich das sehr gerne unterschrieben. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so früh so viele Spielanteile bekomme und auch so schnell zu meiner Leistung zurück finde. Ich spiele meines Erachtens bislang meine beste Bundesliga-Saison“, erklärte Heymann. Tokio hat er auf dem Schirm. „Im Hinterkopf hat man es natürlich immer, aber zunächst liegt der Fokus auf den zwei wichtigen EM-Qualifikationsspielen, da hat jeder die Möglichkeit, sich zu zeigen. Unterm Strich geht es darum, als Mannschaft zwei gute Spiele abzuliefern“, erläuterte der 23-Jährige. Seine Konkurrenten für das persönliche Ticket zu den Olympischen Spielen sind Fabian Böhm, Paul Drux und Lukas Stutzke.

Kein klassischer Schütze

Heymann, kein klassischer Scharfschütze, sondern auch ein Spieler, der klug den Kreisläufer in Szene zu setzen weiß und auch noch im Innenblock verteidigen kann, ist längst in das Blickfeld größerer Vereine als Frisch Auf Göppingen geraten. Er hat noch einen bis zum 30. Juni 2020 gültigen Vertrag bei Frisch Auf. „Es gibt schon Gespräche, auch mit anderen Vereinen, die schon Interesse angemeldet haben. Aber aktuell liegt der Fokus für mich wirklich nur auf Göppingen. Wir spielen eine sehr gute Saison und wollen sie gut zu Ende bringen“, sagte Heymann am Mittwoch auf RHEINPFALZ-Anfrage während einer digitalen Pressekonferenz am Rande des Trainingslagers in Frankfurt.

Heymann hat die Schritte während seines Comebacks mit Bedacht gewählt. So verzichtete er freiwillig auf die Weltmeisterschaft in Ägypten, weil er sich noch nicht hundertprozentig bereit für das Turnier sah. In Berlin bei der Olympia-Qualifikation war er dann aber dabei. Seit Wochenbeginn läuft der Lehrgang in Frankfurt, alle Spieler erhielten von Alfred Gislason zum Start kurze Videos, auf denen ausgewählte Szenen von Berlin zu sehen waren. „Ich soll mich mehr auf meine Stärken verlassen, ich soll mich mehr trauen“, sagte Heymann. Wird bestimmt erledigt ...

Zur Sache

Bundestrainer Alfred Gislason strich für das EM-Qualifikationsspiel heute (16.10 Uhr) in Bosnien-Herzegowina Silvio Heinevetter, Tobias Reichmann, Fabian Böhm, Sebastian Firnhaber und Jannik Kohlbacher aus dem Kader. Die fünf Spieler sind am Sonntag in Stuttgart gegen Estland dabei. Dafür fehlen dann Andreas Wolff, Patrick Wiencek, Johannes Golla, Timo Kastening und Steffen Weinhold. Kapitän bei beiden Spielen ist Philipp Weber.

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