Leichtathletik
Sebastian Groß gelingt bei Pfalzmeisterschaften der Spagat
Die TSG Deidesheim zählt nicht zu den Leichtathletikvereinen in der Pfalz, die Jahr für Jahr eine Vielzahl von Titeln bei Pfalzmeisterschaften holen wie etwa das LAZ Zweibrücken, der ABC Ludwigshafen oder der TV Nußdorf. Aber seit Sebastian Groß vom 1. FC Kaiserslautern wieder zu seinem Heimatverein zurückkehrte, wächst in Deidesheim eine Gruppe von jungen Talenten heran, die sich national in den Top Ten platzieren. Die 4x100-m-Staffel mit Simon Oehl, Hendrik Lindemann, Linus Valnion und dem Germersheimer Constantin Reiß zum Beispiel hatte im Vorjahr Bronze bei den deutschen Meisterschaften der U18 geholt.
Groß zählt zu den jungen Nachwuchstrainern in der Pfalz, die noch in oder kurz nach der eigenen Karriere Verantwortung übernehmen und das weitergeben wollen, was sie selbst erfahren haben, weil sie vom Leistungssport als eine wesentliche gesellschaftliche Komponente überzeugt sind. Genau so kann der Generationswechsel auch in der pfälzischen Leichtathletik gelingen.
Laufbahn noch nicht abgeschlossen
Der promovierte Biotechnologe, der seit drei Jahren als Laborleiter bei der BASF arbeitet, ist aber selbst noch nicht fertig mit seiner Laufbahn. Wie oft ist er in den vergangenen 15 Jahren über die 60 Meter Zweiter oder Dritter geworden, jetzt aber feierte er in Ludwigshafen etwas, was ihm im Freien mehrfach gelang: seinen ersten Pfalzmeistertitel in der Halle. Und das mit 33 Jahren. Groß siegte in 7,27 Sekunden. „Es gab sicherlich schon ein höheres Niveau in der Pfalz, aber mit 7,27 haben auch schon andere gewonnen. Die Zeit ist richtig gut, für mich sowieso“, sagte er. Denn er hat seit einiger Zeit seinen Fokus verlagert, weg vom eigenen Sprinttraining und der eigenen Leidenschaft, hin zum Trainerdasein. Vier- bis fünfmal in der Woche formt er die Talente, die ihm so viel Spaß bereiten. Sebastian Groß strahlt große Ruhe aus, gesteht aber ein, wie schwierig es sei, an solch einem Tag sich selbst vorzubereiten und zeitgleich andere zu coachen. Er sagte frei heraus: „Der Trainerjob macht mir mehr Spaß“. Zumal mit Erfolgen, wie sie Linus Valnion in starken 51,61 Sekunden über 400 Meter oder Simon Oehl in 7,38 Sekunden über 60 Meter und 23,72 Sekunden über 200 Meter feierten.
Samuel Werner erfolgreichster Athlet
Der 24 Jahre alte Samuel Werner musste sich Sebastian Groß im Sprint in 7,33 Sekunden geschlagen geben, ging aber dennoch als erfolgreichster Athlet aus den Meisterschaften. Der Saarländer aus Merzig siegte über die 200 Meter (22,88 Sekunden) und über die Hürden (8,87). „Es sind persönliche Bestleistungen, aber es ist nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte“, sagte der Zehnkämpfer, dessen Vorliebe die Sprints sind. Im Herbst 2022 war er nach Kaiserslautern gekommen, um Elektrotechnik an der TU zu studieren, schloss sich dem 1. FCK und der Trainingsgruppe von Liliana Hofer (53) an, die unter ihrem Mädchennamen Bira in Rumänien gute Erfolge feierte, dort bereits als Nationaltrainerin arbeitete. „Seit ich bei ihr trainiere, ist mein Selbstbewusstsein sehr gestiegen. Es ist eine tolle Gruppe“, sagte Samuel Werner.
Im Frauensprint liefen zwei ganze Junge vorneweg. Über 60 Meter stand Tanja Zubrod auf dem höchsten Treppchen, die Sprinterin vom TSV Speyer, die in diesem Jahr 19 wird. Betreut wird sie von Lena Grünnagel, die wie Sebastian Groß einen Verein wiederbelebt, nämlich den TSV Speyer. Am Montag schreibt Tanja Zubrod am Hans-Purrmann-Gymnasium ihr Abitur in Sozialkunde. Und was machte sie zwischen Vor - und Endlauf, zwischen Siegerehrung und dem Staffelsilber in der Startgemeinschaft Rhein-Pfalz? Sie beruhigte trotz Kopfschmerzen ihr Gewissen am iPad. Der letzte Schliff fürs Abi …. Nach 8,08 Sekunden im Vorlauf besiegte sie in 8,11 Sekunden die ein Jahr jüngere Ronja Wulfert (LTV Bad Dürkheim, 8,35 Sekunden), die über 200 Meter zu ihrem Pfalzmeistertitel kam.