Handball
SC Magdeburg bei der Klub-WM: Gut für den Geldbeutel
Na klar, es wurde gejubelt. Als Christian O’Sullivan den Pokal entgegennahm und kurz darauf in die Höhe streckte, gab es von den Kollegen den handelsüblichen Freudenschrei. Gleichzeitig war aber ersichtlich, dass die Emotionen kontrolliert nach außen drangen. Ganz anders noch als ein paar Monate zuvor, als die Spieler des SC Magdeburg das Finale der European League gegen die Berliner Füchse siegreich beendeten. Der Erfolg im Europapokal war die Eintrittskarte zum IHF Super Globe, in dessen Endspiel die Magdeburger am Samstag den amtierenden Champions-League-Gewinner FC Barcelona schlugen. 33:28 setzten sich die Bördeländer unerwartet deutlich durch. Der Titel lässt sich wunderbar „verkaufen“, schließlich ist der SCM jetzt ganz offiziell die beste Handball-Vereinsmannschaft der Welt. Auf dem Briefbogen des Traditionsvereins werden die Meisterschaft von 2001 und der Champions-League-Triumph ein Jahr später trotzdem weiter oben aufgeführt sein.
Wiegert ist stolz auf sein Team
Bennet Wiegert dachte in den Momenten des Sieges in der Arena in Dschidda nicht an Briefpapier oder an die Einordnung des Erfolges in der Klubhistorie. „Das ist das Größte, was man im Vereinshandball gewinnen kann. Auch wenn in Deutschland die Wertschätzung für diesen Wettbewerb nicht so da ist. Die Begrifflichkeit ist nicht so gegeben“, sagte der Magdeburger Trainer. Der 39-Jährige ist stolz auf seine Spieler, die sich in Saudi-Arabien zunächst gegen Sydney University aus Australien und Al Duhail (Katar) schadlos hielten, ehe sie im Halbfinale gegen Aalborg Handbold, dem aufstrebenden Klub aus Dänemark, siegten. Der Triumph über Barcelona, den größten Verein in der Handball-Welt, ist durchaus ein Achtungserfolg für den SCM, dennoch schoss Wiegert mit seiner Aussage ein Stück über das Ziel hinaus.
400.000 Dollar Prämie als Motivationshilfe
Bei der seit 2010 regelmäßig ausgetragenen Klub-Weltmeisterschaft geht es für die europäischen Teilnehmer um zwei Dinge: Erstens sollen die eigenen Spieler gesund bleiben, und zweitens soll so viel Geld wie möglich kassiert werden. Die Belastung der Topspieler im Handball ist ohnehin zu hoch, und der Termin der Klub-WM passt überhaupt nicht in den europäischen Wettkampfkalender, so dass es eine besondere Form der Motivation braucht, um die Klubs zu ermuntern, für ein paar Tage nach Saudi-Arabien zu fliegen.
Ob sich die Anstrengungen in den kommenden Wochen im Liga-Alltag negativ bemerkbar machen, wird sich erst noch erweisen müssen. Gelohnt hat sich die Reise für die Magdeburger aber durchaus. Es gab etwas Ruhm für den Klub, vor allem gab es aber einen großen Geldregen. 400.000 US-Dollar gibt es für den Sieger der Veranstaltung, was für den SCM in etwa der Größenordnung eines Trikotsponsor-Partners entspricht. Der Aufwand machte sich auf dem Vereinskonto bezahlt.
In der Liga soll Platz eins verteidigt werden
Es gab aber nicht nur positive Botschaften am Roten Meer. In Magdeburg hoffen die Verantwortlichen darauf, dass sich die Knöchelverletzung von Spielmacher Philipp Weber, zugezogen im Endspiel gegen Barcelona, als nicht schwerwiegend erweist. Der Traditionsklub hat in der laufenden Spielzeit noch größere Ziele als den Gewinn der Klub-WM. In der Liga ist die Wiegert-Sieben noch ohne Punktverlust, Tabellenführer und träumt davon, den THW Kiel zu einem ernsthaften Kampf um die Meisterschaft herausfordern zu können. Die Magdeburger sind bislang die Mannschaft mit der besten Perspektive, dem Titelverteidiger Paroli bieten zu können.
Der IHF Super Globe soll auf dem Weg dahin nur eine Zwischenetappe sein. Der Jubel der SCM-Cracks bei einem Sieg über die Kieler in der Bundesliga, so viel ist sicher, wäre deutlich euphorischer als der nach dem Triumph in Saudi-Arabien gegen den FC Barcelona.