Handball
Rhein-Neckar Löwen auch in Wetzlar nicht zu stoppen
Mit einem sagenhaften 9:0-Lauf schrumpften die Löwen den Elan der Gastgeber beträchtlich. Für Wetzlar, mit dem neuen kroatischen Trainer Hrvoje Horvat, lief es zunächst prächtig. 6:3 stand es nach zehn Minuten, aber dann. Dann legten die Löwen los.
Sie konnten auf die bewährte Rezeptur der vergangenen Wochen zurückgreifen. Im Angriff riss Juri Knorr das Spiel an sich und erwies sich als sehr treffsicher. Im Tor begann Joel Birlehm, der seiner Gala im Spiel gegen Frisch Auf Göppingen gleich die nächste folgen ließ. Dass die Löwen sich bis zum Ende der ersten Halbzeit absetzen konnten, lag an dem Keeper. Vor ihm arbeitete seine Abwehr leidenschaftlich. Wetzlar kam kaum durch mit seinen Angriffsbemühungen. In der Not versuchte es Spielmacher Jonas Schelker mit zwei Kempa-Trick-Versuchen, aber auch da erwies sich Joel Birlehm als Spielverderber. Birlehm gewann vor der Pause das Duell gegen seinen Nationalmannschaftskameraden Till Klimpke, Am Freitag gibt Bundestrainer Alfred Gislason seinen Kader für die Weltmeisterschaft im Januar in Polen und Schweden bekannt, früh hat er sich auf Andreas Wolff und eben Till Klimpke festgelegt ...
Plötzlich wieder spannend
Alles lief nach Plan. Und dann wurde es doch noch ein bisschen spannend. In der 43. Minute schoss Juri Knorr einen Siebenmeter – und traf den Kopf von Till Klimpke. Die Schiedsrichter zückten die Rote Karte, der neunmalige Torschütze Knorr hatte ausgespielt. „Ich habe mir die Szene noch nicht angeschaut, vielleicht treffe ich ihn ein bisschen am Kopf“, sagte Knorr.
Wichtig war, dass die Löwen danach gleich zwei Ballgewinne hatten. Auf näher als auf vier Tore kam Wetzlar nicht mehr heran. „Es war vielleicht ein kleiner emotionaler Aufwecker, den wir gebraucht haben. Die Jungs haben es super gemacht, wir hatten eine hohe Stabilität, wir haben lange Angriffe gespielt. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass es nicht doch noch hätte kippen könnte“, meinte Trainer Sebastian Hinze. Juri Knorr fand: „Wir haben unseren Stiefel runtergespielt. Vielleicht hätten wir früher zumachen können.“
Kohlbacher überragend
Am Ende bildeten Lukas Nilsson, Olle Forsell Schefvert und Albin Lagergren den Rückraum, Nilsson und Lagergren waren während der Woche krank. „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Es war ganz komisch, als Gegner in der Halle zu stehen“, meinte Olle Forsell Schefvert, bis vergangenen Sommer bei der HSG am Ball. Mit Jannik Kohlbacher war da ein weiterer früherer Akteur von Wetzlar, der das Spiel prägte. Der Kreisläufer war kaum zu stoppen, das machte Coach Horvat als schwerwiegendes Versäumnis aus. „Ich hatte eine tolle Zeit in Wetzlar. Nach der Anfangsphase haben wir es gut gemacht“, befand der fünfmalige Torschütze. Die wundersame Reise der Löwen geht auch im Winter weiter.
Hendrik Wagner, zuvor bei den Eulen Ludwigshafen, agierte im Innenblock , kam auch im Angriff zum Einsatz. Bei seinem ersten Wurf traf er gleich, danach scheiterte er zweimal und musste Lenny Rubin wieder den Vortritt überlassen. „Die Löwen waren die bessere Mannschaft“, betonte Rubin. Wetzlar war im Angriff zu unkoordiniert, machte viele Fehler. Der Mannschaft mangelt es an Selbstvertrauen. Patrick Groetzki nutzte die Unsicherheit, passte auf, wurde so zweimal zum Balldieb.
Und jetzt Melsungen
Durch die Niederlage des THW Kiel bei der SG Flensburg-Handewitt ist es an der Tabellenspitze noch enger geworden. Die Löwen gehen als Tabellendritter in das Heimspiel am zweiten Weihnachtsfeiertag (16 Uhr) gegen den Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen, die letzte Partie des Jahres. Am Mittwoch (19.30 Uhr) steht nun zunächst das DHB-Pokal-Achtelfinale bei der MT Melsungen an.