Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Reaktionen zum Tod von Franz Beckenbauer – auch vom FCK

Franz Beckenbauer im WM-Finale 1990 in Rom.
Franz Beckenbauer im WM-Finale 1990 in Rom.

Der Fußball trauert. Auf den Tod Franz Beckenbauers reagieren viele Stars geschockt. Reaktionen gibt es auch vom 1. FC Kaiserslautern. Wegbegleiter Gernot Rohr erinnert sich an ein besonderes Präsent.

Franz Beckenbauer starb bereits am Sonntag im Alter von 78 Jahren, wie die Familie am Montag mitteilte. Auch weltweit gehörte Beckenbauer zu den Allergrößten im Fußball, er wurde Weltmeister als Spieler und Trainer, holte die WM 2006 nach Deutschland, wenngleich dubiose Millionenzahlungen für einen späten Beigeschmack sorgten.

„Ich bin unendlich traurig, die Nachricht seines Todes nimmt mich sehr mit“, sagte DFB-Direktor Rudi Völler, der als Spieler unter Beckenbauer 1990 Weltmeister geworden war. „Ich betrachte es als eines der großen Privilegien meines Lebens, Franz Beckenbauer gekannt und erlebt zu haben“, fügte Völler an.

„In tiefer Trauer teilen wir mit, dass mein Mann und unser Vater Franz Beckenbauer am gestrigen Sonntag im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen ist“, teilte die Familie mit. Einen Nachruf finden Sie hier.

Kanzler und Bundespräsident kondolieren

Demütige Worte fand Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). „Franz Beckenbauer war einer der größten Fußballer in Deutschland und für viele ,der Kaiser’ – auch, weil er über Generationen für den deutschen Fußball begeistert hat“, schrieb Scholz am Montag beim Kurznachrichtendienst X, früher Twitter: „Er wird uns fehlen.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wohl niemand hat den deutschen Fußball so stark geprägt wie Franz Beckenbauer. Er war eine Ausnahmeerscheinung, das Wort Libero in seiner ganzen Bedeutung scheint für ihn erfunden zu sein.“

Franz Beckenbauer - der Stolz des FC Bayern München.
Franz Beckenbauer - der Stolz des FC Bayern München.

„Franz Beckenbauer ist die größte Persönlichkeit, die der FC Bayern jemals hatte“, betonte Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß. „Einer der großartigsten Fußballer der Vereinsgeschichte des FC Bayern hat uns leider verlassen“, äußerte Bayern-Star Thomas Müller. „Der Schock sitzt tief, obwohl ich wusste, dass es Franz nicht gut ging“, sagte Lothar Matthäus, der zuletzt immer wieder Sorgen um den „Kaiser“ hatte: „Franz war eine herausragende Persönlichkeit nicht nur im Fußball, und er genoss weltweite Anerkennung.“ Matthäus war 1990 Kapitän der Mannschaft, die unter Teamchef Beckenbauer die WM gewonnen hatte.

„Schwebte über den Rasen“

Bernd Neuendorf bezeichnete Beckenbauers Tod als „echte Zäsur“. Dieser habe mit seiner Leichtigkeit, seiner Eleganz und seiner Übersicht „auf dem Spielfeld Maßstäbe gesetzt“, erklärte der DFB-Präsident. Bundestrainer Julian Nagelsmann meinte: „Für mich war Franz Beckenbauer der beste Fußballer der deutschen Geschichte.“ Er schwärmte: „Seine Interpretation der Rolle des Liberos hat das Spiel verändert, diese Rolle und seine Freundschaft mit dem Ball haben ihn zum freien Mann werden lassen. Franz Beckenbauer konnte über den Rasen schweben, als Fußballer und später auch als Trainer war er erhaben, er stand über den Dingen.“ Uefa-Präsident Aleksander Ceferin schrieb: „Seine unvergleichliche Vielseitigkeit, seine eleganten Übergänge zwischen Verteidigung und Mittelfeld, seine tadellose Ballkontrolle und sein visionärer Stil haben die Art und Weise, wie Fußball gespielt wurde, in seiner Ära neu geprägt.“

Thomas Hengens Erinnerungen

„Eine der größten Ikonen des deutschen Fußballs hat uns verlassen“, sagte Thomas Hengen, Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, der RHEINPFALZ im Trainingslager des Zweitligisten in Belek: „Man hat leider in der letzten Zeit nicht mehr viel von Franz Beckenbauer gehört und dadurch mitbekommen, dass es ihm nicht mehr ganz so gut geht. Trotzdem ist das jetzt eine traurige Nachricht.“

Hengen erzählte: „Meine erste Erinnerung als Kind war, als er als Teamchef mit Deutschland 1990 Weltmeister wurde. Ein paar Jahre später, in der Saison 1993/94, haben wir mit dem FCK gegen die Bayern 4:0 gewonnen. Franz Beckenbauer war gerade als Trainer eingestiegen und sehr sauer. Das hat er im Kabinengang auch mitgeteilt. Wie es bei Franz Beckenbauer aber meistens war, wenn er etwas angefasst hat: Am Ende der Saison hatte er die Bayern zur Meisterschaft geführt.“

Hans-Joachim Watzke, Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball-Liga und Geschäftsführer von Borussia Dortmund, erzählte von einer „Ganzkörper-Gänsehaut, als er mir nach unserer deutschen Meisterschaft 2010/2011 das Du angeboten hat“. Watzke weiter: „Franz Beckenbauer war definitiv der größte deutsche Fußballer aller Zeiten und obendrein einer der tollsten Menschen, den ich je kennengelernt habe.“

Messi teilt seine Trauer

Selbst Superstar Lionel Messi teilte seine Trauer. Der argentinische Weltmeister stellte auf Instagram ein Schwarz-Weiß-Foto von Beckenbauer aus dessen Zeit als Nationalspieler.

Als junger Spieler hatte einst der gebürtige Mannheimer Gernot Rohr (70) Beckenbauer bei Bayern München kennengelernt: „Ich durfte zweieinhalb Jahre an seiner Seite etwas mitmachen.“

Gernot Rohr (rechts) im Bayern-Training gemeinsam mit Franz Beckenbauer.
Gernot Rohr (rechts) im Bayern-Training gemeinsam mit Franz Beckenbauer.

Später trafen sich beide als Trainer wieder, zum Beispiel im Uefa-Cup-Finale 1996, das Beckenbauer mit dem FC Bayern gegen Rohrs Klub Girondins Bordeaux gewann. Der Wahl-Franzose Rohr erzählte am Montagabend der RHEINPFALZ: „Ich durfte ihm vor vielen Jahren mal ein schönes Geschenk machen, denn er liebte Bordeaux und vor allem den Wein. Ich fand für ihn einen Wein seines Geburtsjahres 1945. Das war eine tolle Sache, den hat er sehr genossen.“

x