Panorama «Generation Porno»: Was Kinder wissen und Eltern nicht ahnen

TV-Ausblick - ZDF - «Generation Porno»
Um pornografische Inhalte zu sehen, müssen Kinder im Internet nicht unbedingt gezielt danach suchen.

Kinder können online auf Pornografie stoßen, anzügliche Nachrichten oder Nacktbilder bekommen. Eine ZDF-Dokumentation zeigt eine Welt, von der Eltern oft nichts wissen. Wie sollen sie reagieren?

Mainz (dpa) - Was passiert im Kinderzimmer? Dass Eltern diese Frage nicht immer beantworten können, ist normal, wenn der Nachwuchs größer wird. Doch was bedeutet es, wenn die Antworten der Kinder und Jugendlichen auf diese Frage so lauten:

Mit zwölf habe ich meine ersten Pornos gesehen - manchmal echt eklige Sachen. Ich habe den ganzen Tag Energy-Drinks getrunken und mir immer heftigere Stellungen angeguckt. Irgendwelche Männer haben mir Nachrichten geschrieben «Hey Süße....» - und mir dann Dickpics geschickt.

Noch nie so leicht, auf sexualisierte Inhalte zuzugreifen

Wie allgegenwärtig Pornografie durch das Internet ist und wie wenig Eltern davon mitbekommen, das zeigt eine neue ZDF-Dokumentation: «Generation Porno – Was unsere Kinder online sehen» von Hannah Hartwich und Marc Schlömer.

Das Thema hat Brisanz, denn nie war es so leicht für Kinder und Jugendliche, auf sexualisierte Inhalte zuzugreifen. Smartphone und Social-Media-Profile machen sie allzeit verfügbar.

Dabei müssen die Minderjährigen oft nicht einmal selbst auf die Suche gehen. Nicht selten kommen sexuell aufgeladene Emojis, zweideutige Nachrichten und pornografische Bilder einfach zu ihnen - über Klassenchats oder Direktnachrichten in Sozialen Netzwerken.

Mehr als die Hälfte schon mit Pornos in Kontakt gekommen

Eine repräsentative Umfrage der Landesanstalt für Medien NRW zeigt laut der Dokumentation: Über die Hälfte aller 14- bis 17-Jährigen (56 Prozent) und fast ein Drittel aller 11- bis 13-Jährigen (32 Prozent) sind schon einmal mit Pornos in Kontakt gekommen.

Ihre Eltern wissen davon häufig nichts - und die meisten Väter und Mütter erahnen die Realität ihrer Kinder im Internet nicht einmal. Denn ihre eigene Kindheit haben sie offline erlebt, ihnen fehlt die Erfahrung.

Eric Dieden ist Kriminalhauptkommissar in Köln und aktiv in Social-Media-Prävention. «Wenn Sexualpraktiken im Bereich der härteren Gangart für Elfjährige schon ein Thema werden, dann muss einem klar sein, dass hier eine Verrohung entsteht», sagt er in der Dokumentation und warnt: «Wir bekommen dann auch sehr schnell ein sehr großes Problem mit dem Frauenbild.»

Aufklärung: «Fantasyfilme für Erwachsene, keine Anleitung für Sex»

Was also tun? Kinder und Jugendliche aufklären und sie befähigen, die Dinge einzuschätzen. «Ganz oft geht es nicht darum, ins Detail zu gehen, wenn wir mit Kindern über Pornos reden», erklärt Sexualpädagogin Madita Oeming. Man müsse klarmachen: Es seien Actionfilme, keine Gebrauchsanweisung für Sex.

75 Prozent der Kinder und Jugendlichen halten Pornos laut der Studie aus NRW für realistisch - nur ein Viertel für unrealistisch. Hier müsse man gegensteuern, sagt Oeming. «Viel wichtiger ist das übergeordnete Wissen und zu erklären: Wenn dir Pornos im Internet begegnen, sind das Fantasyfilme für Erwachsene und keine Anleitung für Sex, den du später haben wirst.»

Schnell sind auch eigene Nacktbilder verschickt

Letztlich geht es nicht nur um Pornografie: Schnell sind eigene Nacktfotos oder -videos gemacht und mit dem Freund oder der Freundin geteilt - und genauso schnell weiterverbreitet über einen Schulchat oder ein Social-Media-Profil. Diese Gefahr ist den wenigsten bisher bewusst.

Es ist eine Dokumentation, in der viele Menschen mit ihren Blickwinkeln zu Wort kommen. Die verstört, aber auch die Augen öffnet. Und die zeigt, dass der einzige Ausweg ist, mit Kindern und Jugendlichen über Sexuelles im Internet zu sprechen und sie so kompetent wie möglich zu machen. Gut, wenn sich Schulen in der Verantwortung sehen - noch besser, wenn Eltern es auch tun.

Das ZDF zeigt «Generation Porno – Was unsere Kinder online sehen» am Dienstagabend (2. Juni) um 20.15 Uhr in einer 45 Minuten langen TV-Fassung. Online gibt es drei Teile von je 30 Minuten Länge - im Streamingportal des Senders.

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