Fussball
Pokalhit gegen Bayern auf der Kippe: Saarbrücken hegt die Hoffnung auf zwei blaue Wunder
Die Drähte glühen, während Wolkenmassen weitere Nässe in den Südwesten Deutschlands transportieren: Eilends anberaumte Treffen und Telefonate haben keine Klarheit gebracht. Betriebsamkeit hatte eingesetzt, nachdem am Sonntag die Drittliga-Partie des 1. FC Saarbrücken gegen Dynamo Dresden buchstäblich abgesoffen war. Nach der Halbzeitpause des sogenannten Fußballspiels war erst gar nicht wieder angepfiffen worden.
Am Montag waren sogleich Funktionäre vom Saar-Fußballverband sowie die Männer vom Amt angerückt: Beim städtischen Amt für Stadtgrün und Friedhöfe (!) ist die Verantwortung für die Wiese im Ludwigspark angesiedelt – nicht verwunderlich, da das Stadion ja der Stadt gehört. Die hat es offenkundig bis heute nicht geschafft, den einst für 16 Millionen Euro kalkulierten Stadionbau mit einem tauglichen Spielfeld auszustatten. Robuster als der Rasen scheint die imaginäre Kletterwand; an irgendetwas müssen ja die Kosten auf die schwindelerregende Höhe von 50 Millionen emporgeklettert sein ...
Kaum war das neugestaltete Stadion im Sommer 2020 erstmals von Ankermieter FCS bespielt worden, gab’s schon bald Probleme. Erste Wasserlachen hatten sich blicken lassen, im folgenden Winter hatte die Rasenheizung nicht funktioniert. Mit der Lieferfirma sind Gefechte geführt worden; man hat sich in der Arena angeschnauzt und die Fehde dann vor Gericht ausgetragen. Der Auftragnehmer hatte Besserung gelobt. Ausfälle wegen Eis und Schnee gab es seit Februar 2021 zwar nicht mehr. Dafür hat sich die Spielstätte nun als gut geeignet etwa für Wasserball erwiesen – und so droht, dass die Pokalpartie gegen Bayern München abgesagt werden muss.
Das stinkt nun allen ganz gewaltig, vorneweg dem Verein, der für die verbleibenden sechs Partien bis zur Winterpause keinerlei Planungssicherheit hat. Auch den Münchnern dürfte kaum behagen, dass die Dienstreise ins Saarland noch in der Schwebe liegt. Fällt sie flach, muss ja ein weiterer Termin in den vollen Kalender gequetscht werden. Und das gilt für beide: Der FCS muss ja erneut gegen Dresden ran.
Die Partie steht unter keinem guten Stern. Pannen (Hackerangriff) und Ärger gab es bereits bei der Ticketvergabe. Das Stadion hätte sich vielfach füllen lassen, so viele Wünsche wurden laut. In den offiziellen Vorverkauf hat es keine Karte mehr geschafft, knapp 16.000 waren weg, als Stammgäste, Mitglieder, Fanklubs versorgt waren. Sie alle hoffen leise, der Rekordmeister möge bei den Blau-Schwarzen ein blaues Wunder erleben. Noch vorm möglichen Anpfiff blüht derweil die Hoffnung auf ein weiteres Wunder.
Blauer Himmel? Nächtliche Genesung der Drainage? Es sei Wasser abgeflossen, man bohre Löcher und helfe nach, hieß es. Na denn. Klar ist: Ein zweiter Abbruch wäre eine böse Blamage.