Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Pokalfinale der Frauen: Abwechslung sieht anders aus

Von wegen Routine: Almuth Schult brüllt ihre Freude über ihren letzten Triumph mit Wolfsburg hinaus.
Von wegen Routine: Almuth Schult brüllt ihre Freude über ihren letzten Triumph mit Wolfsburg hinaus.

Der nächste Pokalsieg der Frauen des VfL Wolfsburg, der achte in Folge. Klingt nach Routine, und trotzdem spülte die Nachbereitung des 4:0-Erfolgs gegen Turbine Potsdam noch interessante Themen an die Oberfläche. Ein Ausflug von Torfrau Almuth Schult sorgte sogar für Diskussionen.

Die beiden Trainer hatten ihre Kommentare zum deutlichen Pokalerfolg der Wolfsburgerinnen längst abgegeben, als eine gute Stunde nach Abpfiff auch Almuth Schult auf dem Podium Platz nahm. In der linken Hand hielt die Torhüterin des VfL eine Flasche Bier, entschuldigte sich mit dem Hinweis auf ein paar verdrückte Pizzastücke in der Siegerinnenkabine für ihre Verspätung – und rekapitulierte dann den jüngsten Cup-Triumph des Teams vom Mittellandkanal. Mit dem 4:0 gegen Turbine Potsdam hatte Wolfsburg den nationalen Pokal gerade zum achten Mal en bloc gewonnen. Abwechslung sieht anders aus – aus ihrer Warte genoss Schult neben dem Bier aber lieber erst mal den Likör, den die Teamkollegin Alexandra Popp immer von ihrem Stamm-Italiener mit zum Cup-Finale nach Köln bringt.

Der Geschmack von Meloncello

„Pokalfinale – das ist für uns mit dem Geschmack von Meloncello verbunden“, summte die 31-jährige Schult, die nach der EM in England im August zu Angel City in die US-Profiliga wechselt. Als Kickerin nirgendwohin mehr wechseln wird Isabel Kerschowski (34). Die gebürtige Ost-Berlinerin wurde nach dem letzten Spiel ihrer Karriere von vielen ihrer früheren Wolfsburgerinnen Mitspielerinnen innig geherzt – und resümierte danach betrübt: „Ich bin der Meinung, die Niederlage ist um zwei Tore zu hoch ausgefallen.“

Das Leistungsgefälle zwischen den von Tommy Stroot trainierten Double-Gewinnerinnen aus Niedersachsen und dem Liga-Vierten aus Potsdam war allerdings frappierend. „Wir haben eine gute Saison gespielt, für unsere Möglichkeiten das Maximale herausgeholt“, befand Turbine-Coach Sofian Chahed und führte zur Verdeutlichung an: „Wenn man sieht, wer bei Wolfsburg auf der Bank saß oder gar nicht mehr im Kader war – diese Spielerinnen hätten wir alle mit Kusshand genommen.“

Schulth entschuldigt sich

Weniger erfreut zeigte sich der 39-Jährige über den Ausflug von Almuth Schult vor das Tor von Turbine, drei Minuten vor Schluss, beim Stand von 4:0. „Respekt vor ihrer Karriere, was sie alles gerissen hat. Ich würde mir aber wünschen, dass sie den Ausflug zum Schluss nicht macht. Das zollt von Respekt, das gehört im Fußball dazu, dass man dann einfach im Tor bleibt“, rümpfte Chahed die Nase über die Aktion der 64-maligen Nationalspielerin. „Tut mir leid, wenn das bei Potsdam falsch rübergekommen ist“, entschuldigte sich Schult und berichtete von einem „fantastischen Seitfallziehertor“, das ihr zuletzt im Training geglückt sei. Die Hochstimmung im Team nach dem Gewinn der Meisterschaft am 8. Mai habe in den letzten zwei Wochen zu dem Gedanken geführt, nun etwas Besonderes machen zu wollen, erklärte Schult – die ihren Ausflug letztlich vorzeitig abgebrochen hatte. „Das Timing“, sagte sie, „hat nicht gepasst.“

Darüber, was die Konkurrenz in der Liga alles optimieren könnte, um Dauer-Pokalsieger und Abonnementsmeister Wolfsburg (sieben Titel in den letzten neun Jahren) künftig irgendwie das Wasser reichen zu können, machte sich Schult anschließend auch noch ein paar Gedanken.

Dabei lobte die Torfrau das Geschick des Sportlichen Leiters Ralf Kellermann bei der Kaderplanung als „große Kunst“. Ganz besonders gilt das für die soeben beendete Saison, die der VfL, unter anderem angesichts eines komplett neuen Trainerteams, als eine Spielzeit des Umbruchs apostrophiert hatte. Dementsprechend beleuchtete Schult vor ihrer Rückkehr zur internen Pokalfeier auch noch eben die kontinuierlich gewachsene DNA der weit enteilten Wölfinnen und betonte: „Der VfL zeichnet sich seit Jahren durch einen unglaublichen Ehrgeiz aus.“ Und nicht zu vergessen: „Wir sind seit Jahren das fitteste Team der Liga.“

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