Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Festtage und gute Perspektiven auf der Bahn

Von links: Luca Spiegel, Alessa Pröpster und Henric Hackmann
Von links: Luca Spiegel, Alessa Pröpster und Henric Hackmann

Wie so oft stehen nach Olympischen Spielen ein Generationswechsel und ein Neuaufbau für den nächsten Vier-Jahres-Zyklus an. Im deutschen Bahnradsport spielen Athleten und Trainer aus der Region eine dominierende Rolle.

Frank Ziegler (64), in Gera geboren und 1990 als Trainer nach Kaiserslautern gekommen, wird von einem schönen Traum verfolgt: „Mit Luca Spiegel, Henric Hackmann und Alessa Pröpster 2028 nach Los Angeles reisen und sie dort auch fahren sehen.“ Er will dafür sogar seinen Ruhestand ein paar Monate nach hinten verschieben.

Das Trio aus der Wohngemeinschaft neben dem Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern, wo die Athleten ihr Abitur machten und wo sie mit motivierender Hilfe von Olympiasiegerin Miriam Welte sportlich erfolgreich wurden, hat bei den deutschen Bahnrad-Meisterschaften in Berlin vier Titel und vier Silbermedaillen gewonnen. „Hacki“ Hackmann sicherte sich am Sonntag den Keirin-Titel.

Es fehlte nur ein Wimpernschlag

Die rheinland-pfälzischen Festtage hat Sprint-Bundestrainer Jan van Eijden, der nach Paris den Neuaufbau bei den Sprinterinnen und Sprintern zu forcieren hat, aufmerksam verfolgt. „Natürlich hätten wir in Paris gerne Gold gewonnen. Das war der Anspruch, aber wir müssen anerkennen, dass die anderen minimal schneller waren“, blickt er zurück. Im Teamsprint der Damen lediglich um 29 Tausendstelsekunden. Also nicht mal um einen Wimpernschlag. Er betont aber, dass seine Schützlinge allesamt Bestzeiten fuhren, Silber und Bronze holten: „Das ist eine Riesenleistung“.

Weil Emma Hinze und Pauline Grabosch Körper und Geist eine Pause gönnen und zudem bei der Bundeswehr Lehrgänge absolvieren müssen, eröffnet sich für Alessa Pröpster die Chance, bei einem Großereignis starten zu können. Sie sehnt die WM in Ballerup im Oktober herbei, dazu kommt die noch jüngere Clara Schneider aus Cottbus, der sich Pröpster am Sonntag in zwei Sprintläufen beugen musste. „Wenn die Beiden den Anschluss finden wollen, müssen sie sich international präsentieren können“, sagt van Eijden. Dass Pröpster vor und in Paris als Ersatzfrau alle Maßnahmen mitmachte, war dem Bundestrainer wichtig: „Sie hat diese schwierige Rolle super ausgefüllt und viel gelernt.“

Spiegel entwickelt sich super

Hochachtung zollt er Luca Spiegel. „Er hat sich mit seinem großen Talent super entwickelt, arbeitet sehr akkurat, ist ein selbstbewusster junger Mann, der viele Sachen hinterfragt“, hebt van Eijden hervor. So habe Spiegel in Paris die Telefonnummer eines Journalisten gewünscht und diesen freundlich angerufen. Etwas, was nicht alltäglich ist. „Unsere Leistungen wurden niedergemacht und mit denen von Jens Fiedler und Michael Hübner verglichen. Das ist 30 Jahre her, es war eine andere Zeit. Aber mir ging das richtig gegen den Strich“, begründete Spiegel den Anruf. Er mag es nicht, wenn „Reporter immer nur das Negative sehen wollen“, sagte er: „Wir sind die beste Zeit im Teamsprint seit Jahren und ich bin deutschen Rekord gefahren. Aber es wurde nur das Negative gesehen.“

Jetzt folgt die WM

Gleichwohl weiß Spiegel auch, dass er mit seinen 9,4 Sekunden über 200 Meter „nur“ Platz 15 belegte, nur um wenige Tausendstelsekunden langsamer als der Dritte – und er weiß, dass er erst 20 ist. Henric Hackmann ist nur ein Jahr älter. Der Kirchheimer mit der Wahnsinns-Sprinterfigur ist aus einem großen Tief nach oben durchgestartet. „Hut ab vor ihm“, zollt van Eijden (48) großen Respekt. Spiegel und Hackmann haben das WM-Ticket sicher.

Der Bundestrainer aus Kaiserslautern, der der Neutralität verpflichtet ist, stammt aus dem gleichen Stall von Frank Ziegler, war schon 1995 Weltmeister mit Fiedler und Hübner und weiß: „An der Eliteschule in Kaiserslautern wird eine große Plattform geboten, um sich schulisch und sportlich verwirklichen zu können. Dafür braucht es ein breites gutes Umfeld, wie es das Bahnradteam Rheinland-Pfalz bietet. Das erkenne ich als Bundestrainer an“, sagt er und fügt an, er sei damals ohne Unterstützung mit dem Zug zu Lehrgängen gefahren.

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