Turnen RHEINPFALZ Plus Artikel Pauline Schäfer-Betz gewinnt in Berlin den nationalen Titel am Schwebebalken

Pauline Schäfer-Betz bei ihrer Finalkür auf dem Schwebebalken.
Pauline Schäfer-Betz bei ihrer Finalkür auf dem Schwebebalken.

Pauline Schäfer-Betz hat bei den deutschen Meisterschaften in Berlin nachdrücklich bewiesen, dass sie hierzulande die unumstrittene Königin des Schwebebalkens ist. Vor einem halben Jahr sah es danach nicht aus.

Während im Finale eine Konkurrentin nach der anderen von dem zehn Zentimeter schmalen Grat absteigen musste, balancierte die WM-Zweite von Kitakyushu souverän durch ihr schwieriges Programm. Einen größeren Wackler konnte die Chemnitzerin zwar nicht vermeiden, nach dem freien Rad kämpfte sie heftig gegen die nach unten lockende Schwerkraft. Doch die 25-jährige Kunstturnerin trug schließlich den Sieg davon und turnte ihre Übung elegant zu Ende.

Die herben Abzüge in der Schwierigkeit, die Schäfer in der Qualifikation noch so geärgert hatten, musste sie nicht erneut hinnehmen. 5,80 Zähler waren ihr Ausgangswert in der Entscheidung; bei der ersten Performance war es ein ganzer Punkt weniger gewesen. Trainer Kay-Uwe Temme war sehr zufrieden. „Die Übung war wichtig“, betonte er. Noch lieber wären dem Fachmann zwar zwei so gute Vorträge während der vier Tage in der Max-Schmeling-Halle gewesen, denn auf internationalem Niveau hätte Schäfer den Medaillenkampf gar nicht mehr erreicht. Doch angesichts der Probleme während der Vorbereitung und der beruhigenden Tatsache, dass zur EM im August in München noch etwas Zeit ist, konnte das diesmal genügen.

Starke Schmerzen

Fast ein halbes Jahr lang plagte Schäfer sich mit großen Schulterproblemen. Das Öffnen des Winkels auf 180 Grad und mehr, das Voraussetzung für viele Elemente ist, bereitete auf einer Seite Schmerzen. „Sie trainiert erst seit 14 Tagen wieder Boden“, sagt Temme. Am Stufenbarren und am Sprung ist noch immer wenig bis gar nichts möglich, weshalb sie in der Hauptstadt auch nur an zwei Geräten antrat. Maximal drei werden es bei der zweiten Qualifikation für EM am 12. Juli in Frankfurt sein. „Wir müssen die Belastung genau steuern“, betont Temme.

Die beiden sind ein starkes Team geworden. WM-Silber 2021, ein erster Sieg bei einem World-Challenge-Cup vor Kurzem und jetzt der deutsche Meistertitel sprechen dafür. Doch Temme weiß, dass die Wochen und Monate, die jetzt kommen, schwerer werden. „Freude und Spaß sind mir im Training wichtig“, sagt er. Und zu Beginn einer Zusammenarbeit sei das leicht umzusetzen. Doch wenn man erst mal was zusammen erreicht habe, dann sei auch wieder Druck zu spüren. „Die nächsten eineinhalb Jahre“, der Weg zu den Olympischen Spielen in Paris, werde lang.

EM-Medaille fehlt noch

Schäfer selbst war glücklich und erleichtert, dass sie sich den Titel, der ihr als selbstbewusster Beherrscherin des Balkens gebührt, auch wirklich gesichert hatte. „Step by Step“ soll es jetzt weiter und voran gehen, sagt die frühere Weltmeisterin, die auch in diesem Jahr in Liverpool noch glänzen will. Doch während sie bereits einen ganzen WM-Medaillensatz besitzt, hat sie noch kein Edelmetall von einer EM in ihrer Sammlung. Das soll und könnte sich in diesem Sommer ändern.

Mehr zum Thema
x