Fußball
Niclas Füllkrug und die Nationalmannschaft: Ein guter Auftakt
Viele wollten die Geschichte noch ein bisschen schwungvoller gestalten. Niclas Füllkrug, der zweifache Torschütze für die deutsche Nationalmannschaft gegen Peru, sollte noch etwas torhungriger werden, noch etwas mehr Gier vermitteln – aber dem war nicht so. Als es in der zweiten Halbzeit nach einem Videoentscheid der Schiedsrichter einen Elfmeter für die deutsche Elf gab, schnappte sich Füllkrug den Ball, um ihm kurz darauf nach einem kleinen verbalen Austausch an Kai Havertz weiterzugeben. Der Kollege schoss den Strafstoß, verwertete ihn aber nicht.
Nur den Ball geholt
Ob denn Füllkrug lieber hätte schießen wollen, wurde er anschließend gefragt. Schließlich ist er im Klub bei Werder Bremen ein sicherer Schütze aus elf Metern und die Aussicht auf einen dritten Treffer müsse doch groß gewesen sein. Das wäre noch ein wenig spannender zu berichten gewesen. „Nein, nein“, relativierte der Stürmer: „Ich habe den Ball nur für Kai geholt, er war heute als Schütze Nummer eins eingetragen.“ Füllkrug reagierte auf die Fragen der Journalisten genauso gelassen wie er auf dem Feld Bälle ins Tor schießt, wenn sie vor seinen Füßen landen.
Füllkrug war im Grunde der einzige deutsche Spieler, der persönlich von der Weltmeisterschaft in Katar profitierte. Er reiste als Nobody an den Persischen Golf und kehrte als Hoffnungsträger zurück. Gegen Spanien und Costa Rica traf der Stürmer während des Turniers. Nach dem Ausscheiden nach der Gruppenphase wurde munter darüber diskutiert, ob es hätte abgewendet werden können, wenn Flick den „Neuner“ eben doch mal von Anfang an und nicht erst im Laufe der Spiele auf den Platz beordert hätte.
Fürs Erste unverzichtbar
Mit seinen Toren beim 2:0-Sieg gegen Peru hat sich der Angreifer aus Bremen fürs Erste unverzichtbar für das deutsche Team und Bundestrainer Hansi Flick gemacht, weil er mit seinen Treffern zwei Dinge deutlich machte. Innerhalb des Strafraums – neudeutsch: Box – verfügt der 30-Jährige über beachtliche Qualitäten, und er ist in der Lage, das Formhoch über die Wochen vor und während der Weltmeisterschaft hinaus zu konservieren. In fünf Länderspielen hat Füllkrug fünf Tore geschossen. Gegen Peru hatte es Füllkrug erstmals in seiner kurzen DFB-Karriere in die Startformation geschafft und direkt mit einer guten (Tor)Leistung überzeugt.
Auch, aber beileibe nicht nur durch ihn, ist der deutschen Nationalmannschaft ein guter Start ins Jahr 2023 gelungen, der ja durch die Vorkommnisse in Katar ein bisschen wichtiger als ohnehin war. Es geht für Bundestrainer Flick und seine Belegschaft darum, Vertrauen bei den Menschen zurückzuerlangen und gleichzeitig so etwas wie Euphorie für die Heim-Europameisterschaft in knapp 15 Monaten zu schüren. „Die Richtung stimmt“, sagte Kapitän Joshua Kimmich nach dem ungefährdeten Sieg gegen spielfreudige, aber in der Offensive doch sehr harmlosen Südamerikaner. „Es geht in die richtige Richtung“, sagte auch Füllkrug. Nachdem Flick ebenfalls von einer „guten Richtung“ gesprochen hatte, war die Botschaft des Abends in Stein gemeißelt.
Belgien ein anderer Gradmesser
Die Fans in der Mainzer Arena waren sicher nicht beseelt, aber doch mehrheitlich zufrieden nach Hause gegangen, und jetzt geht es darum, dass die Menschen am Dienstagabend in Köln ebenso zufrieden nach Hause gehen können. Im zweiten Testspiel im März steht mit Belgien allerdings ein Gegner auf der anderen Seite, der die Deutschen vor mehr Probleme stellen sollte. Die Belgier befinden sich, ähnlich wie die deutsche Elf, in einer Art Umbruch nach einer WM-Enttäuschung. Sie werden aber deutlich mehr individuelle Klasse auf dem Platz haben und mit Domenico Tedesco einen motivierten Trainer am Rand.
„Jetzt müssen wir gegen Belgien den Weg fortsetzen“, sagte Füllkrug in der ihm eigenen Gelassenheit. Es ist davon auszugehen, dass er die Chance bekommt, mit Toren dabei zu helfen.
