Fussball
Nagelsmann zum FC Bayern: Am richtigen Platz
Es war ja nicht mehr die Frage, ob es passiert, sondern nur noch wann. Aber im Vergleich zu den Diskussionen um Hansi Flick in den vergangenen Wochen ging die Verpflichtung von Julian Nagelsmann ziemlich fix und geräuschlos über die Bühne. Der FC Bayern hatte allerdings auch nicht mehr viel Zeit, denn die nächste Saison muss jetzt geplant werden. Mit dem neuen Trainer, nicht mit dem alten. Die Ära Flick ist nun also in ein paar Wochen Geschichte, der Vertrag wurde, so verkündeten es die Bayern, „wunschgemäß“ zum 30. Juni aufgelöst. Sein Nachfolger erhält einen Fünfjahresvertrag in München.
Flick frei für den DFB
Jetzt kann es auch in Sachen Bundestrainer und Hansi Flick ganz schnell gehen. Mit der Vertragsauflösung beim FC Bayern ist der Wunschkandidat für die Nachfolge von Joachim Löw frei für eine Rückkehr zum Deutschen Fußball-Bund. „Dass Hansi beim DFB eine riesige Wertschätzung genießt, ist ja keine Überraschung mehr“, hatte Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff erklärt. „Wir können bestätigen, dass wir vor diesem Hintergrund nun auch Gespräche mit Hansi Flick und den Verantwortlichen des FC Bayern führen werden“, teilte der DFB nun am Dienstag auf Anfrage der „dpa“ mit.
Nagelsmann hat schon ein Haus in München
Dass Nagelsmann irgendwann beim FC Bayern landen würde, war fast logisch seit seinem beachtlichen Aufstieg vom Nachwuchs- zum Cheftrainer in Hoffenheim. Er ist in der Nähe von München aufgewachsen, hat hier Fußball gespielt, allerdings für den Lokalrivalen TSV 1860, seine Schwiegereltern wohnen nicht weit vom Vereinsgelände der Bayern entfernt. Auch deshalb hat die Familie Nagelsmann bereits ein Haus in München gebaut und die Stadt als Lebensmittelpunkt ausgewählt.
Schon vor ein paar Jahren einmal hatte Julian Nagelsmann wissen lassen, dass ihn ein Engagement beim Rekordmeister glücklich machen würde. Nagelsmann ging ein Jahr später aber erst einmal nach Leipzig, um noch ein wenig Erfahrung zu sammeln. Er bewies beim ambitionierten Klub aus Sachsen, dass er auch die nächste Stufe kann: Eine Mannschaft auf noch höherem Niveau als bei Hoffenheim zu entwickeln. In seinem ersten Jahr führte er Leipzig ins Champions-League-Halbfinale und auf Platz drei in der Bundesliga. In dieser Saison ging es national noch eine Stufe weiter nach oben, die Sachsen werden die Saison wohl als Zweiter hinter den Bayern beenden.
Im Raum stehen 25 Millionen Euro Ablöse
Gegenüber Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff sprach Nagelsmann nun von einem „Lebenstraum“. Dieser „starke Wunsch von Julian“ habe dazu geführt, „dass wir nach intensiven Gesprächen entschieden haben, die Tür zu öffnen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden“ – sprich die Bayern Ablöse bezahlen. Im Raum stehen 25 Millionen Euro. Nagelsmann versichert zwar, RB „schweren Herzens“ zu verlassen, aber „ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich der Trainerposten beim FC Bayern München reizt und ich diesen Job gerne annehmen würde, wenn sich diese vielleicht einmalige Gelegenheit ergeben sollte“.
Der Schritt wird riesig sein
Die Herausforderung für Nagelsmann ist nicht gerade klein. In München sind die Ansprüche enorm. Er muss weniger als auf seinen beiden vorangegangenen Stationen eine Mannschaft entwickeln als vielmehr moderieren, einen Draht sowohl zu Stars wie Robert Lewandowski als auch zu Talenten wie Jamal Musiala aufbauen. Der Schritt von einem begabten Trainer mit eigener Handschrift hin zu einem Welttrainer, der an Titeln gemessen wird, ist riesig.
Flick bezeichnete seine beiden Jahre bei den Bayern mit den vermutlich am Saisonende sieben Titeln inklusive der Champions League als „unvergesslich“. Es sei „eine herausragende Zeit“ gewesen.
Seine Zukunft liegt vermutlich beim DFB, Nagelsmann wird fortan an Flicks Erfolgen gemessen. Der setzt auf Ballbesitz, auf einen dominanten Spielstil – und auf einen guten Zugang zur Mannschaft. Es sind schon mal gute Voraussetzungen, um beim FC Bayern zu bestehen.