1. FC KAISERSLAUTERN RHEINPFALZ Plus Artikel Nach der Niederlage gegen Paderborn: Freitag kein Freutag

Matthias Jöllenbeck betrachtet sich die kniffligste Szene der Partie am Monitor. Folgen: Rot statt Gelb für Hendrick Zuck, Frei-
Matthias Jöllenbeck betrachtet sich die kniffligste Szene der Partie am Monitor. Folgen: Rot statt Gelb für Hendrick Zuck, Frei- statt Strafstoß.

Der 1. FC Kaiserslautern hadert nach der Niederlage gegen den SC Paderborn mit einer Entscheidung von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck, aber auch mit eigenen Mängeln.

Dirk Schuster fühlte sich „beschissen“. Und das gleich auf zweierlei Art und Weise. Beschissen im Sinne von betrübt, weil seine Elf gegen den offensivstarken SC Paderborn bis auf wenige Ausnahmen gut verteidigte, abermals belegte, dass sie in der Zweiten Liga konkurrenzfähig ist, mit dem 0:1 aber die erste Niederlage der Spielzeit quittierte. Beschissen im Sinne von benachteiligt, weil Referee Matthias Jöllenbeck eine sehr bedeutende Szene zuungunsten des 1. FC Kaiserslautern entschied.

Dirk Schuster schützt Hendrick Zuck, der soeben die Rote Karte gesehen hat. Rechts: Geschäftsführer Thomas Hengen.
Dirk Schuster schützt Hendrick Zuck, der soeben die Rote Karte gesehen hat. Rechts: Geschäftsführer Thomas Hengen.

Nach 48 Spielminuten sprintete der enorm schnelle Sirlord Conteh in Richtung des Strafraums, flankiert von Hendrick Zuck. Der Linksverteidiger der Roten Teufel zog Conteh deutlich sichtbar am Trikot, Conteh fiel, Jöllenbeck deutete auf den Elfmeterpunkt und zückte für Zuck die Gelbe Karte. Video-Assistent-Referee Franz Bokop im Kölner Keller flüsterte Jöllenbeck allerdings die Botschaft ins Ohr, sich die Szene doch bitte noch einmal anzusehen. Jöllenbeck schritt zum Monitor vor die Südtribüne. Auf dem Weg zurück griff er sich bereits an die Gesäßtasche. Zuck mag das kommende Unheil geahnt haben. Und tatsächlich, er sah den roten Karton.

Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck stand beim Spiel des FCK gegen Paderborn im Blickpunkt.
Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck stand beim Spiel des FCK gegen Paderborn im Blickpunkt.

Das Foul hatte vor der Strafraumgemarkung stattgefunden, es gab Frei- statt Strafstoß. Zucks Vergehen wurde demzufolge als Notbremse geahndet und entsprechend bestraft. So weit, so regelkonform. Die Geister schieden sich nun an der Frage, ob Conteh zuerst zu unlauteren Mitteln gegriffen hatte. „Für mich ist es keine Rote Karte, für mich ist es vorher ein Foul. Der Spieler sagt zum Schiri vor mir auf dem Platz: Ich ziehe ihn vorher, danach zieht er mich“, berichtete FCK-Kapitän Jean Zimmer.

Kraus kommt zu spät

Dirk Schuster bekundete allerdings auch, seine Elf habe sich „ein bisschen selbst beschissen“. Damit meinte der Cheftrainer die Entstehung des 0:1 in der 82. Minute. In Erik Durm und Boris Tomiak gaben gleich zwei Spieler des FCK dem Paderborner Richmond Tachie Geleitschutz, statt ihn in seinem Tatendrang zu bremsen. Tachie flankte auf dem rechten Flügel kurz vor der Torauslinie nach innen, Julian Justvan schoss den Ball frei stehend per Dropkick Richtung Gehäuse. Schlussmann Andreas Luthe reagierte reflexartig, vermochte aber nicht entscheidend nach außen zu klären. So staubte Felix Platte ab.

Auch Terrence Boyd hatte am Freitag kein Glück.
Auch Terrence Boyd hatte am Freitag kein Glück.

Kevin Kraus kam zu spät. „Ein Abpraller, darauf lauern die Stürmer, das ist sehr unangenehm für einen Abwehrspieler, weil du nur reagieren kannst“, sagte der Defensivchef des FCK. Kraus feierte am Freitag seinen 30. Geburtstag. Das Wiegenfest war ihm nicht allein wegen der Niederlage gründlich verhagelt. Im ersten Abschnitt musste er nach einem Zusammenprall lange behandelt werden, nach der Pause bekam er einen Schuss von Ron Schallenberg auf der Linie an den Kopf. „Der Kiefer tut ganz schön weh“, sagte Kraus und berichtete von einem Knacken. Nach dem Röntgen am Samstag konnte der Klub Entwarnung geben: Es ist nichts gebrochen.

Auf der Position des Innenverteidigers sind die Roten Teufel immer noch dünn besetzt. Lars Bünning kam in den vier Ligaspielen noch gar nicht zum Einsatz, er blickt allein auf 46 Pokalminuten gegen den SC Freiburg. Maximilian Hippe spielt in Dirk Schusters Überlegungen offenbar keine Rolle, er stand auch am Freitag nicht im Kader.

Hikemt Ciftci und Kevin Kraus nach dem Spiel.
Hikemt Ciftci und Kevin Kraus nach dem Spiel.

Verstärkungen nötig?

Zudem stellt sich die Frage, ob Marlon Ritter allein über eine ganze Runde hinweg den kreativen Part im zentralen Mittelfeld übernehmen kann oder dringend Unterstützung braucht. Es spricht einiges dafür, dass Schuster im Auswärtsspiel am kommenden Sonntag bei der SpVgg Greuther Fürth Hikmet Cifti an Ritters Seite aufbieten wird. Julian Niehues löst seine Defensivaufgaben als zweiter Sechser sehr ordentlich, allerdings erlaubt er sich immer wieder Fehlpässe. Nicht umsonst hofft Schuster seit Wochen auf weitere Verstärkungen für die Achse seiner Mannschaft. Die Offensive scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen. Gegen den SC Paderborn lahmte das Angriffsspiel jedoch. Es fehlte an einem konstruktiven Aufbau. Die gefährlichsten Momente für den Gast entsprangen einer Ecke, infolge derer Boris Tomiak an die Latte köpfte, und einem individuellen Fehler, den Terrence Boyd nicht nutzen konnte, weil er zu früh abschloss. „Ein, zwei gute Chancen hatten wir, die müssen wir machen, wenn wir punkten wollen“, sagte Jean Zimmer.

„Wir nehmen diese Punkte extrem dankbar mit“, sagte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok nach dem Spiel.
»Wir nehmen diese Punkte extrem dankbar mit«, sagte Paderborns Trainer Lukas Kwasniok nach dem Spiel.

Alle wichtigen Analyseparameter sprachen am Freitag gegen den FCK. Torschüsse 7:17, Ballbesitz 38:62 Prozent, Zweikampfquote 42:58. Auffallend schlecht war vor allem die bei nur 70 Prozent liegende Passquote. Daraus folgend wirkte der Sieg des neuen Spitzenreiters aus Ostwestfalen verdient. Insgesamt sei der SC Paderborn die bessere Mannschaft gewesen, das müsse man akzeptieren, resümierte Andreas Luthe. Der Paderborner Trainer Lukas Kwasniok sagte: „Es war extrem intensiv, emotional, anstrengend, schwierig. Wir nehmen diese Punkte extrem dankbar mit.“

Kwasniok hätte sich bei der kniffligsten Szene der Partie gewünscht, es hätte Elfmeter und Gelb gegeben. Schuster hatte auch einen Wunsch: dass Jöllenbeck die Sekunden vor Zucks Foul genauer betrachtet ...

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