Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem 4:0 gegen Finnland: Deutsche Mannschaft mit Rückenwind zur WM

Stärken auf den Platz bringen: Joshua Kimmich.
Stärken auf den Platz bringen: Joshua Kimmich.

Die deutsche Nationalmannschaft bleibt auch im achten Spiel hintereinander ungeschlagen. Mit dem Erfolg im Test gegen Finnland sammelt sie vor der WM Selbstvertrauen.

Die Deniz-Undav-Geschichte geht weiter. Es ist längst ein unterhaltsamer Fortsetzungsroman. In der am Sonntag nicht ausverkaufen Mainzer Arena stand der Mittelstürmer des VfB Stuttgart schon wieder im Blickpunkt.

Aber Moment mal. Was bisher geschah.

Im Winter noch schien Deniz Undav sogar ein Wackelkandidat mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann verteilte dann bereits Rollen und sah den treffsicheren Angreifer nur als Ersatz, als Joker. Die Geschichte gewann am 30. März an Brisanz. In Stuttgart saß der Stuttgarter im Testspiel gegen Ghana erst einmal auf der Ersatzbank. Die Zuschauer feierten ihren lokalen Top-Spieler und forderten ihn mit Sprechchören. Undav kam, spielte und traf. In der 88. Minute erzielte er den 2:1-Siegtreffer. Und musste dann hinterher hören, er, Undav, habe bis zu dem Tor kein gutes Spiel gemacht. Das war jedenfalls die Ansage von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der Coach telefonierte einen Tag später mit dem Stürmer und entschuldigte sich bei ihm, auch auf Anraten seiner Frau Lena Wurzenberger. Für den coolen Undav war die Sache damit erledigt.

Auf einmal in der Anfangself

Am Sonntag nun tauchte Undav dann urplötzlich in der Stammformation auf. Der Mittelstürmer Nummer drei, der Mann hinter Kai Havertz und Nick Woltemade, startete in der Partie gegen Finnland. Es hatte den Anschein, als wäre das alles dann doch ein bisschen viel gewesen, denn Undav vergab in der siebten und in der 28. Minute zwei gute Möglichkeiten. Aber dann. In der 34. Minute köpfte Undav die deutsche Mannschaft in Führung, in der 48. Minute legte er per Grätsche Florian Wirtz den Ball zum 2:0 vor – und das 3:0 markierte er wieder selbst nach einem klasse Pass von Lennart Karl. Jamal Musiala sorgte schließlich für den 4:0-Endstand. Am Montagmorgen ging es inoffiziell noch einmal gegen Finnland. Das Trainingsspiel über 2x25 Minuten am Frankfurter DFB-Campus verschaffte auch den Reservisten sowie den am Sonntag wenig eingesetzten Akteuren Spielpraxis. Undav durfte sich ausruhen und freute sich mit dem VfB über seine Vertragsverlängerung bis 2029. „Wenn du hier bei der Nationalmannschaft Tore machst, gibt dir das einfach nur mehr Selbstvertrauen. Jetzt heißt es, einfach weitermachen, den Moment genießen und dann gucken, was passiert“, sagte der Mann des Abends.

Er wurde kurz danach vorsichtshalber ausgewechselt, Undav hatte ja am vorvergangenen Wochenende noch das DFB-Pokal-Endspiel in Berlin gegen den FC Bayern München mit seinem Klubteam. Die Entwarnung kam postwendend. Wo zwickt es denn? „Es sind die unteren Arschbacken“, beschied Dr. Undav.

Lob vom Bundestrainer

Bundestrainer Julian Nagelsmann bewertete das Spiel seines Mittelstürmers nun so: „Deniz hat immer gefährliche Situationen in der Box gehabt. Er war an drei Toren beteiligt, von dem her war es ein sehr gutes Spiel.“ Er ergänzte: „Wenn du zwei Tore machst und dann noch einen vorlegst, spielst du dich nie aus der Mannschaft.“

Ganz generell war das Spiel gegen Finnland ein guter Test. Am Dienstag fliegt die deutsche Mannschaft in die USA, dort wartet am Samstag der Co-Gastgeber in Chicago auf die deutsche Elf. Es ist die Generalprobe. Das erste WM-Spiel ist am übernächsten Sonntag gegen den Außenseiter Curaçao. Die weiteren WM-Gruppengegner heißen Elfenbeinküste und Ecuador.

„Das Ergebnis ist gut, wir haben kein Gegentor gekriegt, so können wir weitermachen. Über weite Strecken bin ich sehr zufrieden“, betonte der Bundestrainer. Und Kapitän Joshua Kimmich resümierte: „Wichtig ist, dass wir Vertrauen in unsere Stärken haben, dass wir wissen, was unsere Stärken und unsere Schwächen sind und unsere Schwächen minimieren, unsere Stärken auf den Platz bringen. Das war gegen Finnland schon mal ein guter Anfang.“

Karl drängt ins Team

Joshua Kimmich ist ein Routinier in der Mannschaft. Aber die Jungen drängen nach und werden mehr und mehr zu Leistungsträgern. Lennart Karl ist 18 Jahre alt. Nathaniel Brown ist 22 Jahre alt, genau so wie Aleksandar Pavlovic. Florian Wirtz ist ja auch erst 23 Jahre alt. „Nach meiner ersten Profisaison direkt bei der WM dabei zu sein ist etwas sehr Besonderes. Ich bin stolz, meine ganz Familie ist sehr stolz. Ab und zu kann ich es auch nicht realisieren“, betonte Karl. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht: „Es war ein sehr gutes Spiel von mir und der Mannschaft.“

Der Mann des Abends in Mainz: Deniz Undav.
Der Mann des Abends in Mainz: Deniz Undav.
x