1. FC Kaiserslautern
Menschen, Biere, Emotionen: Der FCK ist wieder da
Zweieinhalb Wochen ist es her, da standen Mike Wunderlich und sein Vater Franz schon einmal nach einem Fußballspiel beisammen. Damals hatte der 1. FC Kaiserslautern bei Viktoria Köln 0:2 verloren und die letzte Chance auf einen direkten Aufstieg in die Zweite Liga beklagenswert verspielt. Franz Wunderlich, der gerade als Vizepräsident der Viktoria den Klassenverbleib hatte begehen dürfen, musste seinen Filius trösten und ihm Mut zusprechen für die vor ihm stehende Aufgabe: Relegation.
Am Dienstagabend kamen Vater und Sohn sich abermals nach einem Fußballspiel nahe. Es flossen Tränen. Diesmal allerdings aus Freude und Stolz. Mike Wunderlich hatte mit den Roten Teufeln soeben 2:0 bei Dynamo Dresden gewonnen. Nach dem 0:0 im Relegationshinspiel bedeutete dies die Versetzung in die nächsthöhere Spielklasse. Nach einer Saison voller Höhen, aber auch Tiefen in entscheidenden Momenten – und einem Trainerwechsel vor den wichtigsten Partien seit vielen Jahren.
„Dieser Verein gehört nicht in die Dritte Liga, er gehört auch nicht in die Zweite, jetzt haben wir einen ersten Schritt getan“, sagte Mike Wunderlich. „Das ist der absolute Höhepunkt meine Laufbahn.“ Selbst im Moment des größten Triumphes fand der 36-Jährige noch Raum, sich zu korrigieren. Zunächst nämlich hatte er von Karriere statt Laufbahn gesprochen, dies aber als Überhöhung empfunden.
Glückwünsche an Antwerpen und Döpper
In solch emotionalen Augenblicken Bescheidenheit zu zeigen und sich verbunden zu erweisen, damit war Wunderlich nicht der Einzige. „Aus ganzem Herzen“ richtete Wunderlich einen „Riesendank“ an Marco Antwerpen und dessen Co-Trainer Frank Döpper. Beide hatten den FCK zunächst vor dem Abstieg gerettet und ihn in der nun zu Ende gegangenen Saison in die Relegation geführt. „Die Mannschaft weiß, bei wem wir uns auch bedanken müssen, bei Ante und Döppi“, sagte Wunderlich. Antwerpens Nachfolger Dirk Schuster stimmte in diese Eloge mit ein: „Ein Glückwunsch an das alte Trainerteam. Sie haben den Grundstein gelegt. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und unheimlich glücklich. Es ist nicht unverdient, dass wir in die Zweite Liga aufgestiegen sind.“
Jean Zimmer, dessen Einsatz aufgrund von Wadenproblemen auf der Kippe gestanden hatte, war nach dem Schlusspfiff emotional „so kaputt und platt“, dass er gar nicht in vollem Umfang realisieren konnte, was soeben geschehen war. Der Kapitän attestierte Ex-Trainer Antwerpen einen „Riesenanteil“ an der Rückkehr in die Zweite Liga nach vier Jahren Abstinenz, „ich glaube, dass er zu Hause sitzt und sich freut“. Auch einen kleinen Blick voraus wagte Zimmer: „Die Mannschaft ist so gefestigt, dass sie die Klasse halten kann. Ich habe selten einen so verschworenen Haufen gesehen.“
Hengen lässt sich treiben
Auf Geschäftsführer Thomas Hengen kommt nun erst richtig viel Arbeit zu. Welche Spieler sollen und müssen den Kader verstärken, welchen auslaufenden Vertrag möchte man verlängern, wem legt man die Trennung nahe? Mit all diesen wichtigen Fragen wollte Hengen sich am Dienstagabend allerdings nicht befassen. „Es ist brutal, wie hart dieses Jahr war. Ich lasse mich jetzt einfach treiben“, sagte er; unwissend, wie die nachfolgende Party aussehen werde. „Ich lasse mich überraschen. Wir werden überall und nirgends sein.“
Abwehrchef Kevin Kraus überrollten „unglaubliche Glücksgefühle, es ist unbeschreiblich, wir haben es einfach verdient. Es war eine unglaublich harte Saison, ich bin so stolz auf das Team“. Auch beim Thema Feiern müsse sich der FCK „nicht verstecken“, kündigte der „total euphorische“ Kraus an. Vermutlich werde die Party „bis zum Verlust der Muttersprache“ andauern. „Ich bin mit dem Ziel aufzusteigen hierhergekommen, das hat sich leider vier Jahre hingezogen. Es macht mich unglaublich stolz, das Trikot eines solchen Klubs tragen zu können, es ist eine absolute Herzensangelegenheit.“
Der heisere Ritter
Die ersten Vorboten des Sprachverlustes waren bereits eine halbe Stunde nach dem Abpfiff zu spüren. Wer mit entrückten Fans feiert, der schreit schon mal – entsprechend kratzig wird die Stimme. „Wir haben zweimal 90 Minuten alles rausgehauen, wenig zugelassen, zwei Tore mehr gemacht als Dresden“, analysierte Marlon Ritter und pfälzelte heiser: „Mir steije uff.“ Das bedeute alles. „Wir wussten, dass wir in zwei Spielen die ganze Stadt, die ganze Region und alle FCK-Fans glücklich machen können. Das haben wir uns alle vor Augen geführt und freuen uns auf den Empfang.“
Ab 15 Uhr steigen auf dem Stiftsplatz in Kaiserslautern die Feierlichkeiten. Ab 18.30 Uhr wird die Aufstiegsbelegschaft in einem rund einstündigen, von RPR1 moderierten Programm präsentiert. Bereits um 17.30 Uhr wird der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel im angrenzenden SAKS-Hotel der Mannschaft anlässlich eines nicht-öffentlichen Empfangs gratulieren. Offiziell soll die Veranstaltung um 23 Uhr enden. Ob dem tatsächlich so sein wird, bleibt allerdings abzuwarten.
Sieben Stunden Busfahrt zurück nach Kaiserslautern lagen in der Nacht auf Mittwoch vor der Mannschaft. Feierbiest René Klingenburg war in den Minuten nach dem Schlusspfiff wie immer zu flotten Sprüchen aufgelegt. „Wenn’s so weitergeht, schaffe ich nur zwei, dann muss ich aussteigen“, flachste Klingenburg und ergänzte etwas ernster: „Ich bin überglücklich, mit solch einem Kultklub aufgestiegen zu sein.“
Eine Einschätzung zum Aufstieg lesen Sie hier
