1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Marlon Ritter: Der Unberechenbare beim FCK

Eine Mischung aus Fußballarbeiter und Fußballkünstler: Marlon Ritter vom 1. FC Kaiserslautern (Mitte).
Eine Mischung aus Fußballarbeiter und Fußballkünstler: Marlon Ritter vom 1. FC Kaiserslautern (Mitte).

Marlon Ritter kam 2020 aus Paderborn zum 1. FC Kaiserslautern. Der bundesligaerfahrene Profi brachte zunächst nicht die Wende. Dann aber machte es plötzlich Klick.

Die Lästereien auf dem Platz verlaufen nicht immer jugendfrei. „Die Worte, die da manchmal fallen, will man lieber nicht hören“, sagt Marlon Ritter. Der Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern ist geübt im Trashtalk. Bei diesem soll der Gegner aus der Fassung gebracht und provoziert werden.

Marlon Ritter pflegt seit vielen Jahren diese Form der psychologischen Zermürbung. Beim FCK ist er da nicht der Einzige. Auch Kollege Wunderlich beherrscht den Trashtalk. „Mike ist auch so einer, gegen den möchte man nicht so gerne spielen“, sagt Ritter.

Es ist aber nicht nur die verbale Wucht auf dem Platz, die Marlon Ritter so wertvoll für den Fußball-Zweitligisten macht. Es ist auch seine neue Rolle. Ritter ist eigentlich ein offensiver Mittelfeldspieler. Er ist ein Freigeist. Jemand, der am liebsten so Fußballspielen würde wie auf dem Bolzplatz. Das geht aber nicht im Profifußball. Deshalb musste Ritter lernen, wie man Fußball arbeitet. Kaiserslauterns Videoanalyst Niklas Martin hatte die Idee, Ritter ins zentrale defensive Mittelfeld zu stellen. Das sollte sich als Volltreffer erweisen. „Ich habe gemerkt, was es heißt, nach hinten zu arbeiten oder auch mal hinten zu bleiben“, sagt Ritter. Aus dem Fußballkünstler wurde ein Fußballarbeiter. Allerdings einer mit einer ganz feinen Technik.

„Wollte mich nicht bei anderem Verein umschauen“

Die neue Position bedeutete aber auch, dass der 27 Jahre alte Ritter nun mehr laufen, mehr die Zweikämpfe annehmen und auch mal abräumen musste. Deshalb blieb er im Sommer 2021 zu Hause und arbeitete an seiner Fitness. So eine turbulente Saison mit dem Beinahe-Abstieg wollte Ritter nicht noch einmal erleben. „Ich wollte mich nicht bei einem anderen Verein umschauen, sondern hier bleiben“, erzählt er.

Ritters Athletiktraining zahlte sich aus. Es war sozusagen ein Wendepunkt. Ritter ist viel lauffreudiger, schlanker, fitter seitdem. Die Gier, die Galligkeit spürt man ihm nun an. „Das Giftige gehört zu einem Spiel dazu“, sagt er. Marlon Ritter ist der Unberechenbare beim FCK. Geniale Aktionen und Schludrigkeiten passieren dem Techniker in einem Spiel schon mal gleichermaßen. „Ja, das ist ein schmaler Grat“, räumt Ritter ein: „Manchmal läuft es positiv, dann ist alles gut. Manchmal läuft es negativ, dann prasselt alles auf einen ein.“

„Er tut unserer Art Fußball zu spielen, sehr gut“, sagt Trainer Dirk Schuster: „Er hat viele kreative Momente. Woran er noch ein bisschen arbeiten könnte, ist in seiner Rückwärtsbewegung.“ Schuster blickt aber auch etwas in die Zukunft. Aufgrund des Standings im Team könne Ritter ein wichtiger Faktor für den FCK werden in den kommenden Jahren. Der Vertrag Ritters endet im Sommer. „Wenn beide weiter zusammenarbeiten wollen, dann wird man auch einen Weg finden“, sagt Schuster.

Ritter: In Rostock unter Zugzwang

Soweit denkt Ritter nicht, Am Sonntag grübelte Ritter noch lange über die 0:3-Heimniederlage gegen Regensburg. Er schaut sich die Spiele danach nämlich immer noch einmal an. „Ich kann nach Spielen schlecht schlafen“, begründet er seine persönlichen Analysen. Vieles schwirre ihm dann durch den Kopf. Nach dem Regensburg-Spiel kam Ritter zu dem Schluss, dass der FCK nicht das Team war, gegen den die Gegner so ungern spielen: „Wir haben Spiele, in denen wir gezeigt haben, dass wir eine eklige Mannschaft sind.“

Diese unangenehme Attitüde heißt es nun in Rostock zu zeigen, betont der Führungsspieler (Freitag, 18.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). „Wir stehen unter Zugzwang“, betont Ritter, dessen 55-Meter-Tor im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg bis in die Endausscheidung zum Tor des Monats kam. „Ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt jeder aus der Mannschaft mitbekommen hat“, sagt Ritter.

Vorliebe für Handball

Wenig mitbekommen hat die Öffentlichkeit über eine andere Vorliebe Ritters. Er mag nämlich Handball. Als Kind ging er mit seinem Opa zu jedem Heimspiel des Tusem Essen. In Essen ist Ritter geboren und aufgewachsen. Die Sympathie zum Handball geht so weit, dass er sogar ein Trikot eines Nationalspielers der Rhein-Neckar Löwen zu Hause hat – das von Jannik Kohlbacher.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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