Leichtathletik
Marathon in Landau: „Adrenalin-Gipfel“ kurz vor Schluss
Autofreier Feiertag in Landau? Es sieht so aus am Tag des Bréal-Marathons in der Stadt. Auf dem Rathausplatz kommen alle zusammen. Marathon- und Halbmarathonläufer schwärmen von der guten Stimmung in den Stadtdörfern. Im „Zielkorridor“ sind es wieder Hunderte, die ihnen applaudieren.
Dritte vor gut sieben Jahren in Tel Aviv, Zweite 2023 in Karlsruhe, jetzt Erste. „Ich wollte gewinnen“, sagt Tanja Hellmann im Ziel nach 3:03:42 Stunden. Die Zeit: Nebensache. Zumal die Läufer 200 Meter mehr auf der Uhr hatten als 42,195 Kilometer. Lange ist die Halbmarathonsiegerin Elisa Herold (1:28:16) an ihrer Seite gewesen. Die Frauen ärgern sich, dass hinter ihnen eine Gruppe Männer war, die sie vorne im Wind laufen ließen.
In den Dörfern „getragen“
Die Kölnerin Herold (31) hat in Landau bei einer Freundin übernachtet.
Für ihren ersten längeren Lauf seit vier Jahren. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Sporthochschule ist Triathletin. Mit dem Sport muss sie wegen eines Fahrradunfalls, bei dem sie sich das Schlüsselbein brach, pausieren. Ihre Eindrücke vom Lauf? „In den Dörfern war es richtig schön, man wird getragen.“ Auch das Panorama gefällt ihr, die Hügel vom – „Pfälzerwald?“ In zwei Wochen will sie einen Trail im Sauerland laufen.
Als Herold abbog, wurde es für die Rülzheimerin Tanja Hellmann relativ einsam an der Spitze: „Dann war es schon hart mit dem Wind.“ Vergangene Woche in Urlaub, ist die 32-Jährige absolut zufrieden mit sich. Auf langen Geraden sei es schwierig gewesen, das Tempo zu halten. Sie kann sich vorstellen, mehr Marathons zu laufen, wenn ihre Kinder groß sind.
Der Marathonsieger ist gut 20 Minuten eher im Ziel. Ehe Hellmann kommt, hat Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler einen Small Talk mit Eric Nies vom TV Maikammer gehalten. Auch die Großeltern gratulieren. Der 25-jährige Nies hat sich ausgepowert für den Erfolg in 2:41:38 Stunden. Er setzte sich unter Druck: „Ich habe mir die Teilnehmerliste angeschaut und kannte niemand anders“, der für den Sieg infrage kam.
Der Referendar am Landgericht hat sich vorher angeschaut, was auf ihn zukommen sollte, die Anstiege Nußdorf und Wollmesheim: „Man weiß es vorher, teilt es sich ein. Da ist Abwechslung drin.“ Ihn freut, dass ein anderer Maikammerer, mit dem er 30 Kilometer zusammen gelaufen ist, den zweiten Platz erreicht: der 46-jährige Gunnar Baar. „Die Strecke war nicht ganz so schwierig, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt der Jurist im öffentlichen Dienst, der die gute Stimmung ebenfalls genossen hat. Nies sei „langsam immer weiter weg gewesen“ von ihm, der 2:45:31 Stunden auf der Strecke war.
Dreikampf im Halbmarathon
Im Halbmarathon der Männer liefern sich drei einen Dreikampf: Max Kries von der LLG Landstuhl (1:14:28 Stunden), Tobias Dreyer vom TV Hinterweidenthal (1:14:29) und der frühere Seriensieger im Radsport, Simon Nuber (SG Niederwangen/1:14:33). „Super Stimmung in den Dörfern. Ein Festival für den Lauf, panoramamäßig fantastisch“, sagt der 30 Jahre alte Sieger, der sein Zahnmedizinstudium bald abschließen wird – und etwa zwei Kilometer vor dem Ziel einen „Adrenalin-Gipfel“ erlebte: Die Polizei sei falsch abgebogen. Kries wähnte sich auf falschem Weg, konnte sich aber an den Hauensteiner Dreyer halten, der einen Großteil der Strecke vorher abgelaufen war. Der 25-Jährige Wirtschaftsfachwirt zur Entscheidung: „Max hat viel Druck gemacht. Ich dachte, dass ich ihn hab’, aber dann ist er gekommen von rechts.“ Wie Fahrradfahren sei es gewesen, sagt Nuber (33), mit Stehversuchen zum Schluss. Er ließ die anderen das Tempo machen.