Wochenendkolume RHEINPFALZ Plus Artikel Man sollte den Eulen die Daumen drücken

Michael Wilkening
Michael Wilkening

Es war wieder ein großartiger Kampf, und es war wieder eine erwartbare Niederlage. Die Eulen Ludwigshafen haben am Donnerstag beim Tabellenführer aus Flensburg erlebt, was sie sehr oft erleben. Auch in den Partien, in denen sie ihr Limit erreichen, genügt das meist nicht, um gewinnen zu können.

Die Beharrlichkeit, mit der sich die Spieler und ihr Trainer Ben Matschke immer aufs Neue gegen die Übermacht auf der anderen Seite des Spielfeldes auflehnen, ist trotz der vielen negativen Resultate beeindruckend. Der Klub verfügt nicht über die finanziellen Mittel wie der große Rest der Bundesliga, und das zeigt sich im Kader. Die Ludwigshafener verfügen nicht über herausragende Individualisten, weil sie für den Klub nicht bezahlbar sind. Das macht aus den Eulen einen Außenseiter in der in der Breite stärksten Liga der Welt.

Aber, und das begeistert mich: Die Spieler und ihr Trainer zeigen Woche für Woche, dass sie als Gemeinschaft stärker sind als die Summe der Einzelteile. Mannschaftssport ist faszinierend, weil es in ihm Faktoren gibt, die nicht messbar, aber spürbar sind. Teamgeist, Aufopferungsbereitschaft bis hin zur Selbstaufgabe, Strategie: In diesen Bereichen sind die Eulen vielen Teams aus der Liga überlegen. Auf diesem Grund sind die Möglichkeiten weiter intakt, noch einmal den Klassenerhalt zu schaffen.

Aktuell fehlen vier Punkte zum 16. Platz, der den Ligaverbleib bedeutet. Das klingt viel, aber es sind noch zwölf Spiele zu absolvieren. Zwölf Mal 60 Minuten, in denen die Eulen, das ist sicher, alles investieren werden, was sie zu geben in der Lage sind. In einigen Partien werden sie trotzdem chancenlos sein, aber in vielen Matches die Möglichkeit haben, Punkte zu sammeln. Es wird schwer werden, aber schwer war es seit dem Aufstieg der Eulen immer. Davor schreckt im Umfeld der Ebert-Halle niemand zurück.

Menschen, die den Handball lieben, müssten den Eulen eigentlich die Daumen drücken. Jeder einzelne Spieler, der das Trikot der Ludwigshafener trägt, siedelt seine eigenen Wünsche hinter denen der Mannschaft an. Das „Wir“ zählt, das „Ich“ ist zweitrangig. Bei den Eulen sieht man seit Jahren, wofür Teamsport stehen sollte. Ich drücke deshalb die Daumen.

„Hansi“ ist zu seinem Glück nicht „Pep“

Ein kurzes Gedankenexperiment: Wie hätten Sie reagiert, wenn Josep „Pep“ Guardiola vor ein paar Jahren im Fernsehen erklärt hätte, dass er den FC Bayern vor seinem Vertragsende verlassen wolle?

Zur Aktualität: Die ganz großen Triumphe hat es zum Abschied nicht gegeben, aber für eine Meisterschaftsfeier wird es noch einmal reichen. Anschließend wird die Episode von Hans-Dieter „Hansi“ Flick beim FC Bayern enden. Die Sachlage ist öffentlich geklärt. Der Trainer will nicht mehr weitermachen, daran ändert auch ein bestehender Vertrag nichts. Vor einer Woche hat er das live im TV erklärt, damit jeder weiß, was Sache ist. Ein bisschen auch deshalb, weil es an der Säbener Straße wie anderswo auch „Flurfunk“ gibt.

Der „Hansi“ kommt mit dem „Brazzo“ halt nicht klar, was deshalb doof ist, weil Hasan „Brazzo“ Salihamidzic als Sportdirektor sein Chef ist. So weit, so ärgerlich.

Flick kommt in der öffentlichen Debatte um seinen Drang zum Aufbruch gut davon. Er ist nicht nur wegen der vielen Titel in der vergangenen Saison, sondern auch wegen seines unaufgeregten und uneitlen Auftretens beliebt bei Fans und Medien. Ihm wird verziehen, dass er über die Öffentlichkeit Druck aufbaut und Fakten schafft.

„Pep“ wäre beschimpft worden.

Jeder Spieler übrigens auch.

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