Pferdesport
Maimarkt Mannheim: Das „Prinzesschen“ für die Zukunft
Aber wie das bei Prinzessinnen halt so ist. „Sie kann auch hexig sein, im Sinne von eigen“, weiß Angelika Trabert. „Stute halt“, entfährt es Bernhard Fliegl, dem Bundestrainer der Dressurreiterinnen und -reiter mit körperlichem Handicap. Er muss es wissen, denn wenn Trabert das Pferd nicht im Parasport vorstellt, reitet er D’Agustina auf Regelturnieren auf sehr gutem M-Niveau, Talent für die schwere Klasse und gar für Piaffe/Passage sei auch vorhanden. Man merkt schon, da hat Angelika Trabert ein richtig tolles, mit acht Jahren auch noch junges Pferd unterm Sattel. Gut genug für die Weltmeisterschaft im August im dänischen Herning?
Der erweiterte WM-Kader als Nahziel
Bis dahin ist es noch ein weiter (Sichtungs-)Weg. Mannheim, dann die deutschen Meisterschaften in München. Auf die Longlist, also in den erweiterten WM-Kader, zu kommen, das wär’ schon was, denn: „Gekauft ist sie für 2024.“ Damit meint Angelika Trabert die nächsten Paralympics. Und sie reitet die Stute ja erst seit gut einem Jahr auf Turnieren.
Auch ohne Beine mitten im Leben
Angelika Trabert fehlen von Geburt an beide Beine. Aber kann man das wirklich so sagen? „Mir fehlt nichts“, antwortet die 54-Jährige mit ihrem schnippischen Lächeln, sie kennt es ja nicht anders. Und Angelika Trabert ist eine Frau, die mitten im Leben steht– auf ihren Prothesen, wenn sie nicht reitet, auch buchstäblich. Familie, Pferde, Afrika-Hilfe, Beruf – die Fachärztin für Anästhesiologie ist voll ausgelastet. „Aber um es den Leuten zu erklären, ist das schon okay“, sagt sie, „Dysmelie, wer kann mit dem Fachbegriff schon etwas anfangen?“
Also, das wäre geklärt, gehandicapt in ihrem reichen Leben fühlt sich Angelika Trabert nicht. Ihre sportlichen Erfolge mit den Pferden sind ohnehin beeindruckend: über 20 Medaillen bei Paralympics, Welt- und Europameisterschaften. Mit D’Agustina muss sie noch zusammenwachsen. Als das Richterergebnis am Mittwoch nach ihrem Ritt zunächst 67 Prozent aller Punkte auswies, war Angelika Trabert doch etwas enttäuscht, Bernhard Fliegl gar „eingeschnappt“. Später wurde das Resultat auf 68 Prozent korrigiert.
An der Zufriedenheit der jungen Stute in der Anlehnung, also der Verbindung der Reiterhand zum Maul, will Trabert noch arbeiten. Der Bundestrainer war damit gestern schon sehr zufrieden und freut sich, dass D’Agustina „die Gerte so gut annimmt“. Genau genommen beide Gerten, denn weil sie ja keine Schenkelhilfen geben kann, darf Trabert doppelt nachhelfen. Und sie darf ein „friendly horse“ ans Prüfungsviereck stellen lassen, also ein anderes Pferd, das der Stute Sicherheit gibt.