Handball
Licht und Schatten bei der deutschen Mannschaft
Kapitän Johannes Golla setzte sich sofort nach der Partie neben Handball-Bundestrainer Alfred Gislason auf die Bank. Die Zwei plauderten angeregt. Da war doch einiges zu besprechen. Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum ersten EM-Spiel am nächsten Freitag in Bratislava gegen Belarus, aber der Coach hat schon noch Arbeit mit seiner Mannschaft.
Abwehr hat Probleme
Das international unerfahrene Team tat sich gegen die Schweiz, die für das coronageplagte Serbien einsprang, phasenweise recht schwer. In der ersten Halbzeit war vor allem die Chancenverwertung ungenügend. Der Schweizer Torhüter Nikola Portner hielt prima. Auch sein Gegenüber Andreas Wolff machte ein gutes Spiel, kam auf 36 Prozent gehaltener Bälle. Der Abwehr-Innenblock mit Johannes Golla und Sebastian Heymann muss noch zulegen. Die deutsche Defensive hatte Probleme mit dem Sieben-gegen-Sechs-Spiel der Schweizer. „In der ersten Halbzeit haben wir eine ordentliche Leistung gezeigt. In der zweiten Halbzeit haben wir noch ein bisschen besser gespielt“, befand Gislason, der mehr Bewegung im Angriff anmahnte, kritisierte, dass der Rückraum zeitweise zu drucklos agierte.
Rechtsaußen Timo Kastening sah es so: „Wir haben nicht geglänzt, aber eine vernünftige Leistung gezeigt, was sich bei einem Sieg immer leicht sagen lässt. Wir hatten keinen, der herausgestochen hat, deshalb war es eine super Teamleistung.“ Und Torhüter Till Klimpke von der HSG Wetzlar bilanzierte: „Wir machen eigentlich ein ganz gutes Spiel für das erste Mal, dass wir in der Konstellation zusammen sind.“
Der Bundestrainer nutzte den Test gestern für die eine oder andere Variante. Mit der Spielmacherrolle betraute er zunächst nicht den Leipziger Philipp Weber, sondern dessen Klubkameraden Luca Witzke. Und im rechten Rückraum begann nicht der erfahrene Kai Häfner, seit der EM 2016 eine feste Größe, sondern Djibril M’Bengue vom FC Porto. Weniger überraschend: Halblinks startete das große Talent Sebastian Heymann – und nicht Julius Kühn.
Routiniers geben Gas
Die Routiniers kamen mit Beginn der zweiten Halbzeit. Und in den ersten zehn Minuten nach Wiederbeginn gaben die Erfahrenen richtig Gas, da setzte sich die deutsche Mannschaft erstmals deutlich ab. Der Melsunger Julius Kühn kam gut ins Spiel. Aber die Mannschaft hielt das Niveau nicht. So holte die Schweiz, mit einem gewissen André Schmid als Denker und Lenker, wieder auf. Der Regisseur der Rhein-Neckar Löwen prägte das Spiel der Eidgenossen. Erst in den letzten Minuten baute die deutsche Auswahl den Vorsprung erneut aus. Sportvorstand Axel Kromer freute sich über einen „souveränen Sieg, der Selbstvertrauen geben kann.“ Für den erfahrenen Patrick Wiencek ist die nicht durchweg konstante Leistung erklärbar. „Wir hatten schwere Beine, waren oft einen Schritt zu spät. Wenn wir frisch sind, mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, sagte der Kreisläufer des THW Kiel. Seit einer Woche trainiert Alfred Gislason mit seinen Jungs zweimal am Tag, nur am Donnerstag trat das Team kürzer.
Zitterpartie um Kohlbacher
Unklar ist, ob Jannik Kohlbacher rechtzeitig für das Turnier fit wird. Der an den Adduktoren verletzte Kreisläufer bestritt einen Härtetest, dieser misslang. Gislason setzt aber im Moment weiter auf den 18 Mann starken Kader. Rückraumspieler Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen hat den Auftrag, sich regelmäßig testen zu lassen, damit er im Falle eines Falles zur Mannschaft kommen darf. Wagner steht im erweiterten Aufgebot und kann nachnominiert werden.
Am Mittwoch fliegt das deutsche Team nach Bratislava. Die Abschlussprüfung ist am Sonntag um 19.05 Uhr. Dann gibt sich Olympiasieger Frankreich in Wetzlar die Ehre.
So spielten sie
Deutschland: Wolff, Klimpke (ab 31.) - M’Bengue (2), Witzke, Heymann (3) - Kastening (3), Schiller (7/4) - Golla (2) - Weber (2), Wiencek (2), Steinert (3), Ernst , Kühn (1), Häfner, Zerbe (1), Mertens (3), Köster (1)
Schweiz: Portner, Grazioli - Küttel (1), Schmid (5/1), Rubin (6) - Attenhofer, Zehnder - Meister (3) - Röthlisberger (3), Raemy (2), Markovic, Tynowski (3), Ben Romdhane (1), Lier (1), Sidorowicz (1)
Spielfilm: 3:1 (6.), 7:5 (12.), 10:7 (16.), 13:10 (21.), 13:13 (25.), 15:14 (Halbzeit), 19:17 (35.), 22:17 (40.), 24:20 (43.), 25:24 (50.), 29:25 (57.) - Siebenmeter: 4/4 - 3/1 - Zeitstrafen: 2/3 - Beste Spieler: Schiller, Wolff, Mertens - Portner Rubin, Schmid - Schiedsrichter: Bethmann/Tzaferopoulos (Griechenland).