Fussball-Bundesliga vor dem Anpfiff
Leverkusen auf Leipzigs Spuren
Rund um das Bayer-Kreuz ist in diesen Sommermonaten so viel in Bewegung geraten, dass sich Peter Bosz dort inzwischen fast wie ein alter Hase vorkommt. Von den üblichen sechs Wochen Vorbereitung etwa konnte Leverkusens Cheftrainer in diesem Jahr nur träumen. Vielmehr verkürzten Bayers Teilnahmen am Pokalendspiel gegen Bayern München (2:4) und an der Finalrunde der Europa League (Viertelfinal-Aus gegen Inter Mailand, 1:2) die Präparation für die neue Saison auf 14 Tage. Sodass Bosz nun leicht fatalistisch anmerkt: „Der Vorteil ist, dass ich schon eineinhalb Jahre hier bin.“
Die kürzeste Vorbereitung
Dadurch sei es einfacher, zu einer bestimmten Spielweise zu finden, betont der Niederländer – dessen Team von allen Bundesligisten, die am Wochenende in der ersten Pokalrunde antreten, die kürzeste Vorbereitung absolviert hat. Weiter verkompliziert wird die Arbeit an der Dhünn beim Start in die neue Runde durch die Abgänge der prominenten Offensivkräfte Kai Havertz (Chelsea) und Kevin Volland (Monaco), die in der Vorsaison zusammen für ein knappes Drittel der Leverkusener Scorerpunkte sorgten. Der schmerzhafte Abmarsch des 21-jährigen Havertz, von dessen jetzigem Londoner Arbeitgeber mit einer historisch dicken Ablösesumme von summa summarum 100 Millionen Euro versüßt, wiegt dabei besonders schwer. „Wir werden Kai nicht eins zu eins ersetzen können“, gab sich Bosz nach dem 1:1 gegen Anderlecht, Bayers einzigem Testspiel vor der Pokalpartie gegen Viertligist Norderstedt am Sonntag, dabei keinen Illusionen hin. Sondern erklärte: „Jetzt müssen wir die Mannschaft besser machen – indem wir auf mehreren Positionen mit mehreren Spielern den Verlust auffangen.“
Ansprüche gestiegen
Schließlich sind die Ansprüche nach der über weite Strecken guten, wegen der verfehlten Champions-League-Teilnahme und den verpassten Titeln in den Pokalwettbewerben am Ende aber doch enttäuschenden Vorsaison noch gestiegen. Dauerhaft einen Platz unter den Top Vier der Bundesliga zu erreichen, lautet das Ziel des Klubs für die kommenden Jahre. Hinter Abonnementmeister München und Borussia Dortmund sei man mit allen Vereinen auf Augenhöhe, betont Bayer-Boss Fernando Carro – und schließt in diese Einschätzung ausdrücklich Champions-League-Halbfinalist RB Leipzig mit ein.
„Derzeit sehe ich uns wirtschaftlich auf demselben Niveau. Wir können also prinzipiell auch erreichen, was Leipzig jetzt erreicht hat“, sagte Carro. Worte, die der 26,5 Millionen Euro teure Neuzugang Patrik Schick, gelernter Mittelstürmer und potenzieller Volland-Nachfolger mit RB-Erfahrung, direkt bei seiner Ankunft an der A1 inhaliert hat.
Der tschechische Nationalspieler, im Sommer 2019 auf Leihbasis von AS Rom zu den Sachsen gekommen, wäre gerne in Leipzig geblieben. Aber Rom wollte Schick verkaufen, RB war an einer weiteren Ausleihe interessiert, die Klubs konnten sich nicht einigen. So landete der gebürtige Prager nun bei Bayer – und erklärte bei seiner Vorstellung am Mittwoch trotzig: „Leverkusen ist von der Qualität her dasselbe Level wie Leipzig.“