Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Löwen-Trainer Kristjan Andresson: Können um alle Titel mitspielen

Ruhig und abgeklärt: Kristján Andrésson (38). Foto: KUNZ
Ruhig und abgeklärt: Kristján Andrésson (38).

Kristjan, mein Wunschtermin mit Ihnen kam nicht zustande, bei Ihnen stand an dem Tag auch Deutschunterricht auf dem Programm. Wie läuft es mit der deutschen Sprache?

Der, die das (lacht). Mein Deutsch? Dativ, Präpositionen, das ist schwer. Es wird besser und besser, jeden Tag. Auch im Alltag. Hier habe ich Kontinuität, im Gegensatz zu Schweden, als ich angefangen habe. Ich denke noch viel, bevor ich einen Satz bilde. Das kommt noch nicht spontan. Ich bleibe dran, ich habe meine Termine mit der Sprachlehrerin zwei, dreimal die Woche. Mit Hausaufgaben.

Die Amtssprache bei den Löwen ist ...?

Wir sprechen Deutsch. Aber wir haben Spieler, Roman zum Beispiel, die noch kein Deutsch sprechen. Ich spreche Englisch dann mit deutschen Wörtern und wenn sie es nicht verstehen sollten, dann hoffe ich, dass sie fragen.

Wie haben Sie sich eingelebt, wie ist Ihr erster Eindruck? Haben Sie schon etwas unternommen?

Ich finde es hier sehr gut, es ist ein gutes Milieu hier. Es ist familiär. In Kronau habe ich außer der Halle und meinem Büro nur noch Edeka gesehen. Ich habe die Heidelberger Altstadt besucht und war ein Tag in Mannheim. Wir haben die letzten drei Wochen zweimal am Tag trainiert und waren ja auch zweimal in der Schweiz. Ich finde Heidelberg super, ich hoffe, ich kann die Stadt im Herbst ausgiebig besuchen.

Sie haben isländische Wurzeln, sie leben schon immer in Schweden. Verraten Sie uns: Fühlen Sie sich mehr als Schwede oder als Isländer?

Meine Eltern kommen aus Island. Ich bin geboren in Schweden. Ich habe nur zwei Jahre in Island gelebt. Ich bin mehr Schwede, aber ich habe einen isländischen Pass. Ich habe Freunde und Cousinen in Island, wenn ich nach Hause fahre, das ist dann schwer für mich.

Weil? Warum?

Ich lebe seit 36 Jahren in Schweden, meine Frau ist Schwedin, ich habe viele Freunde in Schweden ...

Wie oft fahren Sie noch nach Island?

Vielleicht alle zwei Jahre einmal. Hauptsächlich für Urlaub. Vielleicht leben wir da mal eines Tages, wer weiß. Nicht heute?

Wie sieht Ihre Idee vom Handball aus

Ich finde, eine gute Abwehr ist sehr wichtig. Wir haben an der 6:0-Variante gearbeitet. Es läuft gut. 5:1 haben wir ein bisschen getestet. Ich denke, dass wir zwei sehr gute Torhüter haben. Ich habe auch mit Gedeon Guardiola und Ilija Abutovic zwei super Abwehrspieler. Eine gute Abwehr ist wichtig, damit wir in den Gegenstoß kommen. Wir haben schnelle Außen. Ich will viele Tore von diesen Spielern haben. Im Angriff haben wir viele starke Individualisten, mit verschiedenen Fertigkeiten. Für mich geht es darum, Situationen zu erarbeiten, in denen sich die verschiedenen Spieler wohl fühlen. Wir haben ein Drehbuch, das auf jeden zugeschnitten ist. Steffen Fäth ist ein Shooter, wenn er die Chance hat, zehn Mal zu werfen, dann soll er das tun!

Sie haben gesagt, dass Sie viele Spiele gesehen haben von den Löwen. Mein Eindruck war im letzten Drittel: Die Mannschaft war müde, auch mental. Sehen Sie das genau so?

Ich verfolge die Löwen seit fünf Jahren, natürlich, wenn man sie mit den Spielzeiten davor vergleicht, ja, der Eindruck war dann schon, dass sie ein bisschen müder sind. Es war nicht derselbe Flow. Aber es ist nicht einfach an der Spitze. Zweimal wurden die Löwen Meister, nachdem sie in Gummersbach wegen zweier Tore den Titel verpassten. Und dann gab es die Möglichkeit, den Titel zu dritten Mal zu holen. Die Erwartungen von draußen und auch von den Spielern an sich selbst waren sehr hoch. Die Mannschaft startete sehr gut, gewann den Supercup - dann folgte das frühe Unentschieden gegen Leipzig. Es war schwierig dann mit den vielen Spielen durch die Champions League.

Ist es womöglich sogar ein Vorteil, dass die Löwen diese Saison keine Champions League spielen? Auch für Sie?

Meine Erwartungen und die Erwartungen meines Arbeitgebers sind sehr hoch. Wir haben viele gute Gegner. Wir haben ambitionierte Ziele, wir können in allen Wettbewerben mitmischen. Wir haben viel Erfahrung. Wir haben gute Chancen.

Anstatt nach Weißrussland zu reisen oder nach Kielce können Sie nun im Herbst mit Ihrer Mannschaft trainieren. Ein Vorteil, oder?

Ja, das ist ein Vorteil für mich. Natürlich würde ich gerne Champions League spielen, aber im EHF-Cup haben wir viel weniger Spiele. Wir haben zwei Spiele im November anstatt zehn. Vergangene Saison hat die Mannschaft oft donnerstags gespielt, ist freitags nach Brest geflogen und hat dort samstags gespielt. Das war hart. Mit Blick auf die EM und Tokio nächsten Sommer ist es für die Spieler wichtig, im Herbst gut zu trainieren.

Diese Saison haben Sie noch die Doppelbelastung: Vereinstrainer und Trainer der schwedischen Mannschaft ...

Für mich ist es gut, dass ich diese Belastung nur ein halbes Jahr habe. Ich möchte mich auf einen Job konzentrieren. Für ein halbes Jahr geht das, aber nicht länger. Das halbe Jahr ist kein Problem.

Zum Auftakt hieß es, die Zielsetzung gibt es erst, wenn sich Trainer und Team darauf verständigt haben. Nun: Was sind die Ziele der Löwen für diese Saison?

Jeder im Verein hat hohe Ziele. Einige sagen, ein Titel soll es sein, einige sagen, wir können um alle Titel mitspielen. Einige Spieler sagen, wir wollen jedes Spiel gewinnen. Was für mich angenehm ist: Alle Spieler haben hohe Erwartungen. Wir müssen uns die Grundlage erarbeiten, dass wir das beste Team in der Bundesliga werden können. Und wenn dann eine Mannschaft besser ist, dann wird diese Mannschaft wirklich besser sein, denn wir werden eine sehr gute Saison spielen. Jeder in der Mannschaft will alle Titel gewinnen, aber wir wissen, wie schwierig das wird. Aber wir sind sicher, dass wir eine Mannschaft sind, die um drei Titel mitspielen kann.

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