Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Löwen-Trainer Klaus Gärtner: „Wir haben es uns bewiesen“

Klaus Gärtner vor der Auswechselbank der Löwen.
Klaus Gärtner vor der Auswechselbank der Löwen.

Was für ein Aufreger. Klaus Gärtner, der Trainer des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen dachte nach der 30:35-Niederlage in Stuttgart laut über Rücktritt nach. Vorbei. In Leipzig machte das Team ein tolles Spiel. Wie kam es dazu?

Herr Gärtner, Sind Sie froh, dass Sie am Dienstag beim Spiel gegen den SC DHfK Leipzig noch auf der Bank saßen?

Mit den Ergebnissen unserer letzten Spiele vor der Partie in Leipzig kann niemand bei uns zufrieden sein. Ich am allerwenigsten, denn ich trage als Trainer die Hauptverantwortung für die sportliche Performance. Deshalb habe ich nach der Niederlage in Stuttgart auch sehr emotional reagiert.

Verspüre große Unterstützung

Wie kann man das einordnen? Haben Sie ein wenig überreagiert?

Ich bin verantwortlich für die Ergebnisse, die in letzter Zeit nicht so waren, wie wir uns das vorgestellt haben. Natürlich mache ich mir dann meine Gedanken und muss alles hinterfragen, auch meine Arbeitsweise. Auf der anderen Seite verspüre ich aber eine große Unterstützung, vom Klub und auch aus der Mannschaft für meine Arbeit. Wir müssen uns gemeinsam aus dieser schwierigen Situation kämpfen. Das geht nur mit Erfolgserlebnissen, und das sind positive Spiele. Vielleicht war es gut, dass wir nach dem Spiel am Sonntag in Stuttgart schon wieder am Dienstag in Leipzig spielen mussten. Es blieb überhaupt nicht viel Zeit nachzudenken, der Blick ging direkt nach vorne auf das Spiel in Leipzig.

Wenn man sich das Pokalspiel dann in Leipzig angeschaut hat: Es war ja anscheinend auch eine Art Weckruf, oder?

Das kann die Mannschaft am besten beurteilen. Ich habe mit der Mannschaft am Tag nach dem Spiel in Stuttgart geredet. Wir haben intensiv miteinander gesprochen und auch noch einmal die Sachen angeschaut, die wir nicht so gut gemacht haben. Unterm Strich haben sie es in Leipzig überragend als Mannschaft gemacht. Es war eine sehr schwierige Phase, die Mannschaft selbst ist ja nicht zufrieden mit der Situation und war ein bisschen ratlos gewesen. Sie haben sich zusammengerauft. Ich glaube, wir haben ein gutes Bild abgegeben in Leipzig. Das muss man jetzt konservieren. Das ist die große Aufgabe.

Neue Abwehrformation

Die Abwehr hatte endlich mal wieder den Namen Abwehr verdient. Da war eine ganz andere Bereitschaft, oder?

Ja. Wir haben uns bewusst entschieden, eine andere Abwehrformation zu spielen, damit wir mehr Bewegung und Aggressivität reinkriegen. Wir wussten, dass Leipzig viel über das Zentrum macht. Das wollten wir damit verhindern. Zusätzlich hatten wir eine sehr gute Torhüterleistung durch Nikolas Katsigiannis. Da sieht man gleich, dass das hilft. Vieles hat dann zusammengepasst. Der Angriff hatte in der Folge eine gewisse Entspanntheit, weil die Spieler wussten, es liegt nicht gleich jeder Ball im eigenen Tor. Alle sind erleichtert, wir haben es uns selbst noch bewiesen.

Die Leistung konservieren ist das Gebot der Stunde. Wie kann das gelingen?

Wir haben noch ein paar Sachen besprochen, wie wir weiter vorgehen wollen. Jetzt geht es darum, dass wir das umsetzen. Hört sich einfach an, aber wir müssen es zusammen hinkriegen. Wir haben drei Trainingseinheiten, um uns auf das Spiel beim Bergischen HC vorzubereiten. Wir hätten uns in der Phase lieber ein Heimspiel gewünscht. Aber letztes Jahr haben wir beim BHC auch gewonnen, da kamen wir auch aus einer schwierigen Situation.

Kein Austausch mit Hinze

Sie treffen am Sonntag quasi auf Ihren Nachfolger. Tauschen Sie sich mit Blick auf die neue Saison schon aus mit Sebastian Hinze?

Nein, im Moment gibt es keinen Austausch. Im Moment sind wir Gegner, das muss man ganz klar so sehen. Beide Klubs haben gewisse Saisonziele. Wir gucken auf uns. Das ist auch bei den Spielern kein Thema.

Kurzum: Sie ziehen es jetzt diese Saison durch, ohne Wenn und Aber?

Ja. Mein Co-Trainer Sascha Zollinger und ich, wir sind im Reinen mit uns. Ich glaube, dass wir mit der Mannschaft gut zusammenarbeiten. Wir haben uns sehr konstruktiv mit Geschäftsführerin Jennifer Kettemann und den anderen Verantwortlichen ausgetauscht. Sie haben sich sehr loyal verhalten, das muss man auch mal herausheben. Wir machen unseren Job und gucken, was am Ende herauskommt. Wir müssen Ruhe reinbekommen, das geht über Siege. Das weiß die Mannschaft.

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