Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Kunstradsport: Öhringer Schefold/Hanselmann sind wieder Weltmeister

Die oft in der Pfalz trainierenden Weltmeister Serafin Schefold (links) und Max Hanselmann begeistern das Publikum in Basel.
Die oft in der Pfalz trainierenden Weltmeister Serafin Schefold (links) und Max Hanselmann begeistern das Publikum in Basel. Foto: Stoll

Serafin Schefold und Max Hanselmann haben in Basel ihren dritten Kunstrad-Weltmeistertitel gewonnen. Ihre Vorgänger André und Benedikt Bugner beenden mit Silber ihre Karriere.

2000 Zuschauer mucksmäuschenstill und irre gespannt, was Serafin Schefold und Max Hanselmann, die Titelverteidiger, aufs Parkett zaubern. Dann, nach fünf knisternden Minuten, ohrenbetäubender Lärm, die Fans springen auf: Mit 168,25 Punkten bleiben die beiden Öhringer, die so viele Trainingsminuten in Speyer und Böhl-Iggelheim absolvierten, knapp unter dem Bugner-Weltrekord. Wahnsinn! Die beiden fallen sich um den Hals, wissen um ihre tolle Leistung. Drei Titel haben sie nun stehen.

Stolze Bugner-Brüder

Zu den vieren, die die Bugner-Brüder André und Benedikt aus Klein-Winternheim stehen haben, kommt keiner mehr hinzu. Die beiden Rheinhessen hören auf, aber sie kamen aus einem harten Verletzungsjahr mit 164,05 Punkten noch einmal großartig zurück und holten sich Silber. „Nachdem, was wir durchlitten haben, so eine Kür zu zeigen, ist die Krönung schlechthin, wir sind sehr stolz darauf“, sagte Benedikt Bugner.

Respekt, Milena Slupina! Wer sich so aus dem Vormittagstal der Tränen kämpft und nachmittags so souverän auf dem Gipfel ankommt, der hat sich wahrlich das Regenbogentrikot verdient. Die Weltmeisterin von 2017 und Weltrekordhalterin machte ihre Schwächephase vom Vorkampf im Finale mit allerletzter Energie weg – und siegte souverän.

Vollzeitjob plus Leistungssport

„Die Vorrunde war das, was ich momentan körperlich drauf habe. Ich hatte das Training am Tag davor sein lassen, um zu regenerieren“, gestand die 24 Jahre alte Maschinenbau-Ingenieurin aus Roth-Bernlohe. Der Grund der Misere: „Überlastung, aber so genau kann ich es nicht sagen.“ Fakt ist: Beruf und Leistungssport unter einen Hut zu bringen, ist eine Sisyphusarbeit. „Durch die neuen Weltcups gibt es kaum noch Wettkampfpausen, und ich arbeitete Vollzeit“, sagte Slupina.

Erst einmal war eine Athletin bei einer WM über 190 Punkte gekommen, das war Slupina selbst, vor zwei Jahren in der WM-Vorrunde, am Samstag fuhr sie 189,73 Punkte aus. Sie konterte die starke Vorstellung der jetzt dreimaligen Vizeweltmeisterin Viola Brand aus Schorndorf, die 185,14 Punkte vorgelegt hatte.

Instagram-Star

Eleganz, Kraft, Ausstrahlung – keine andere Kunstradfahrerin bringt derzeit diese Kombination so wunderbar auf den Punkt und auf die Fahrfläche. Das Publikum in der Basler St. Jakobshalle hat das schnell erkannt und bediente die sehr athletisch fahrende Slupina mit Szenenapplaus. „Sie ist die beste Fahrerin, die jemals auf der Welt aufgetreten ist, ihre Leistung bringt sie konstant und ist eben wahnsinnig gut mit den Handständen“, lobte Viola Brand. Die 23 Jahre alte Masterstudentin in Ernährungsmedizin stand bei ihrer fünften WM zum dritten Mal auf dem zweiten Platz. „Ich habe nicht mein Maximum gezeigt, bin aber zufrieden, ich habe gut gekämpft“, sagte Brand, die die vielleicht weltweit bekannteste Kunstradfahrerin ist – mit 230.000 Followern auf Instagram.

Bringsken-Schwestern auf Kurs

Daumen hoch – so bewerteten Lena (24) und Lisa (22) Bringsken ihre Vorrundenleistung. Die Weltmeisterinnen vom RCV Böhl-Iggelheim boten eine anschauliche, stabile Kür, mit der sie am Sonntag sehr selbstsicher in die Titelverteidigung gehen können. Mit 135,62 Punkten lagen sie nur drei Zehntel hinter Caroline Wurth und Sophie Nattmann vom RSV Gutach. „Es war eine gute Grundlage fürs Finale. Der Test vor dem Publikum und auf dem Boden ist wichtig“, sagte Lena Bringsken, die bei der Lenkerdrehung einen Absteiger hatte. Schwester Lisa merkte an: „Das macht nichts. Wir wollten heute kein perfektes Programm haben, das reicht, wenn wir es am Sonntag haben.“

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