Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Klaus Fichtel wird 80: Die „Tanne“, die nie nadelt

Immer mit vollem Einsatz bei der Sache: Klaus Fichtel (Mitte, hier im Duell gegen den FC Bayern.
Immer mit vollem Einsatz bei der Sache: Klaus Fichtel (Mitte, hier im Duell gegen den FC Bayern.

Klaus Fichtel spielte im Alter von 43 Jahren noch in der Bundesliga. Ein Skandal kostete den langjährigen Schalker eine große Karriere beim DFB.

Klaus Fichtel debütierte mit 20, bei seinem letzten Bundesliga-Einsatz am 21. Mai 1988 war die „Tanne“ 43 Jahre alt. Der Altersrekord hat Bestand. Am Dienstag wird die Schalker Ikone 80.

Hätte es den Bundesliga-Skandal nicht gegeben, zu dem die Schalker Mannschaft am 17. April 1971 mit dem verkauften Spiel, dem 0:1 gegen Arminia Bielefeld, maßgeblich beitrug, Königsblau wäre mit seiner hoch begabten Mannschaft in dieser Zeit mutmaßlich deutscher Meister geworden. Stattdessen saßen Stars wie „Stan“ Libuda, Rolf Rüssmann, Klaus Fischer und eben auch Klaus Fichtel auf der Anklagebank des Deutschen Fußball-Bundes. Fichtel hatte – wie seine Komplizen – Glück. Er zahlte 2300 D-Mark Strafe, wurde für zwei Jahre gesperrt und nach zehn Monaten begnadigt. Nachdem er im Dezember 1975 vom Landgericht Essen neben anderen Sündern wegen Meineids zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, wurde Fichtel nochmals kurz gesperrt. Seine 10.000-DM-Strafe kam der Krebshilfe zugute. Das verschobene Spiel aber kostete Fichtel, 1970 als Stammspieler mit der Nationalelf WM-Dritter im Mexiko, die EM 1972 und der WM 1974. Nach 23 Länderspielen war die Nationalelf für den Skandalsünder Geschichte.

AM heutigen Dienstag wird Klaus Fichtel 80 Jahre alt.
AM heutigen Dienstag wird Klaus Fichtel 80 Jahre alt.

Klaus Fichtel, in Castrop-Rauxel geboren, wurde in seinem Heimatort in der Zeche Victor zum Bergmann ausgebildet. Das prägte den Malocher, der mit 20 von Arminia Ickern zum FC Schalke 04 kam. Sein Bundesliga-Debüt in der jungen, neuformierten Schalker Mannschaft am 14. August 1965 im Spiel beim VfB Stuttgart stand unter keinem guten Stern: Der VfB gewann durch ein Eigentor Fichtels. Mit seiner Verpflichtung aber hatte Trainer Fritz Langner einen Glücksgriff getan, der Neuzugang bestritt in seinem Premierenjahr alle 34 Spiele. Der junge Abwehrchef erstaunte die Fachwelt.

Bestnoten beim Sieg gegen England

Schalke, nach dem Umbruch von vielen abgeschrieben, schaffte 1965/66 den Klassenverbleib, der in der legendär gewordenen Glückauf-Kampfbahn wie eine Meisterschaft gefeiert wurde. Fichtel, der eine überragende Saison als Mittelläufer gespielt hatte, wurde als einer der Helden gefeiert. In der Erinnerung war es für Fichtel „das größte Erlebnis meiner Karriere“.

Die hatte rasch Fahrt aufgenommen: Am 22. Februar 1967 gab Fichtel beim 5:1 gegen Marokko in Karlsruhe sein Debüt in der Nationalmannschaft. Er erntete Bestnoten beim ersten Länderspielsieg gegen England überhaupt, einem 1:0 am 1. Juni 1968 in Hannover. Ein ausgeprägt gutes Kopfballspiel zeichnete den zweikampfstarken, technisch versierten Fichtel aus. Die Tür zur WM 1970 half Klaus Fichtel mit aufzustoßen. Beim 3:2-Sieg im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Schottland gelang ihm der Treffer zum 1:1.

Die „Tanne“ hat vielen Stürmen getrotzt

1980 schickte Schalke Fichtel, der auf die 36 zusteuerte, in Rente. Von wegen zu alt! Er wechselte zum Absteiger nach Bremen und bestritt 1980/81 alle 42 Zweitligaspiele für Werder, trug zum direkten Wiederaufstieg bei. „Es gibt keine jungen und alten Spieler. Es gibt nur gute und schlechte Spieler“, begründete Trainer Otto Rehhagel die Vertragsverlängerung mit dem unverwüstlichen, konstanten und unaufgeregten Musterprofi. Die „Tanne“ nadelte nicht! Bis 1984 blieb der Oldtimer bei den Grün-Weißen für die er 75 Bundesligaspiele bestritt. Dazu kamen 42 Zweitligaeinsätze, 14 Pokalspiele und sechs Europacup-Einsätze.

Als Co-Trainer von Diethelm Ferner war Fichtel 1984 zurück „auf Schalke“. Als sich Bernard Dietz verletzte, spielte Fichtel Feuerwehr, bestritt 26 Bundesligaspiele. Am 26. August 1986 ging Fichtels Abschiedsspiel gegen ein internationales Star-Ensemble über die Bühne. Die Ehrenspielführer Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer gaben Fichtel die Ehre.

Ihr Kommen war wie eine zweite Begnadigung. Die „Tanne“ hatte vielen Stürmen getrotzt, am 21. Mai 1988 im Spiel gegen Werder Bremen lief er mit 43 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen letztmals in der Bundesliga auf. Rekord! Für S04 hatte er 477 Bundesligaspiele, 53 Pokalspiele und 20 Europapokalspiele bestritten.

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