Fußball
King Kane macht es vor – Mittelstürmer haben wieder Hochkonjunktur
Beginnen wir mit einem Blick in die untere Tabellenregion. Ein Klub funkte SOS. Der 1. FSV Mainz 05 bemühte sich in der Winterpause um einen weiteren Mittelstürmer, da Hoffnungsträger Nelson Weiper Jonathan Burkardt nicht ersetzen konnte. Phillip Tietz vom FC Augsburg wurde es. Der Angriff der Mainzer brauchte mehr Durchschlagskraft. Apropos Jonathan Burkardt. Besteht da womöglich ein Zusammenhang zwischen der Verletzung des Torjägers und dem Tief des Teams? Bestimmt.
Es ist sicher kein Zufall, dass Borussia Mönchengladbach derzeit darüber nachdenkt, fünf Millionen für den von der TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehenen 30-jährigen (!) Haris Tabakovic auszugeben. Der Mittelstürmer, in der Not für den verletzten Tim Kleindienst geholt, kommt in 19 Spielen auf zehn Tore.
Harry Kane thront über allen
Schaut man auf die Torjägerliste, dann wird ersichtlich: Von den ersten Zehn sind sieben Mittelstürmer. Über allen thront – natürlich – Harry Kane. Was ist das denn für eine Bilanz: In 83 Spielen für den FC Bayern erzielte er 84 Tore. Der Engländer sorgt für Furore in der Bundesliga. Wohl dem, der solche Flügelflitzer wie Michael Olise und Luis Diaz hat. Kane gilt im Moment als der beste Mittelstürmer in Europa (?), in der Welt (?), einfach deshalb, weil er kaum Chancen vergibt, vor dem Tor des Gegners unglaublich kaltschnäuzig ist.
Der nächste Gegner der Bayern läuft schon heiß. Die TSG 1899 Hoffenheim spielt eine großartige Saison und fordert den Spitzenreiter am Sonntag heraus. In den Reihen der Hoffenheimer: Andrej Kramaric, der wieder mal die beste Saison seiner Karriere spielt. Er hat nun 133 Tore seit 2016 markiert – und er holte Giovane Elber ein. Vor ihnen liegen als ausländische Angreifer nur noch Robert Lewandowski (312 Tore) und Claudio Pizarro (197 Tore). „Ich habe nie gedacht, dass ich hier zehn Jahre spielen werde und so eine Geschichte schreibe“, sagte der Kroate.
Manche Klubs leisten sich sogar den Luxus, zwei Mittelstürmer zu beschäftigen. Und damit wären wir beim VB Stuttgart. Deniz Undav hatte jüngst eine unglaubliche Quote, er war auch beim 3:0 der entscheidende Mann im DFB-Pokal-Viertelfinale am Mittwoch in Kiel. Aber da ist ja auch noch Ermedin Demirovic. Mit einem klasse Tor entschied er die Bundesliga-Partie am Sonntag gegen den SC Freiburg. „Das ist das Einzige, was von mir erwartet wird – dass ich den Ball über die Linie drücke“, sagte Demirovic. Typisch Mittelstürmer. Sein Trainer Sebastian Hoeneß schwärmte: „Das Tor war weltklasse, super.“ Mit Mittelstürmern kennt sich Hoeneß aus. Er förderte Aufsteiger Nick Woltemade, der im Sommer für rund 80 Millionen Euro an Newcastle United verkauft wurde.
Pep Guardiola hatte eine Idee
Die Renaissance der Mittelstürmer. Wer hätte das gedacht? Ab 2009 gab es eine neue Modeerscheinung. Das war die „falsche Neun“. Prototyp dieses Spielers war Lionel Messi. Vereinstrainer Pep Guardiola beim FC Barcelona und die spanische Nationalmannschaft fuhren mit diesem Konzept Erfolg um Erfolg ein. Via Tiki-Taka zu vielen Titeln. In Deutschland war es Zeit lang Mario Götze, der diese Rolle wohl am besten verkörperte.
Die Vorteile des Spiels mit der „falschen Neun“ lagen auf der Hand: Das Spiel schien flexibler, schwerer ausrechenbar. Es schien mehr Finessen und Überraschungen bereit zu halten. Die „falsche Neun“ schafft Räume für die Mitspieler. Verwirrung als Stilelement. Aber irgendwann reichte das einfach nicht mehr. Die Abwehrreihen stellten sich darauf ein. Dann hieß es wieder: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Die sogenannten einfachen Tore waren nun wieder gefragt. Mehr Gefahr im Strafraum bitteschön.
Aber bis die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erneut einen Miroslav Klose hatte, das dauerte schon ein Weilchen. Eine Zeit lang musste es Timo Werner richten. Er war weder eine richtige noch eine „falsche Neun“. Er war ein Angreifer. Und dann kam Niclas Fülkrug, und dann Deniz Undav und dann Tim Kleindienst und schließlich Nick Woltemade, der mit Blick auf die WM in Nordamerika die Nase vorn zu haben scheint.
Auch in der Zweiten Liga gesucht
Noch einmal nach Hoffenheim. Mergim Berisha verkrachte sich im Oktober 2024 mit seinem ehemaligen Trainer Pellegrino Matarazzo. Seitdem war er dort außen vor. Der 1. FC Kaiserslautern schlug nun zu. Der Klub brauchte einen: Mittelstürmer.
Tipps der Redaktion
1. FC Union Berlin - Eintracht Frankfurt 2:2
SC Freiburg - Werder Bremen 2:0
1. FSV Mainz 05 - FC Augsburg 1:1
VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 1:3
FC St. Pauli - VfB Stuttgart 1:2
1. FC Heidenheim - Hamburger SV 2:1
Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 2:3
1. FC Köln - RB Leipzig 2:2
Bayern München - TSG Hoffenheim 3:2