Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslauterer Profi Michael Seitz will „so wie Tyson boxen“

Da war’s noch ein Heimspiel: Michael Seitz lässt sich nach seinem Sieg im EM-Kampf gegen Steve Eloundou Ntere im Oktober 2023 in
Da war’s noch ein Heimspiel: Michael Seitz lässt sich nach seinem Sieg im EM-Kampf gegen Steve Eloundou Ntere im Oktober 2023 in der Kaiserslauterer Fruchthalle feiern.

Dieses Kampfangebot kam auch für ihn völlig überraschend. Der Kaiserslauterer Profi Michael Seitz wird in Saudi-Arabien im Vorprogramm eines großen WM-Fights auftreten.

Es klingt wie ein Märchen aus dem Morgenland. Europameister Michael Seitz (31) steigt bei einer der größten Profiboxveranstaltungen der jüngsten Zeit in den Ring. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad kämpft der Kaiserslauterer Cruisergewichtler am 18. Mai gegen den Neuseeländer David Nyika. Die beiden Preisboxer bestreiten einen der Vorkämpfe zu dem mit großer Spannung erwarteten WM-Fight der Schwergewichtler Tyson Fury und Oleksandr Usyk. Wie er sich auf den Kampf vorbereitet und was dieser Auftritt auf der großen Boxbühne für ihn bedeutet – ein Interview.

War es nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als Sie die Offerte zu diesem Kampf in Riad erhielten?
Ja, das kam schon unerwartet. Aber nachdem ich mir im vergangenen Jahr mit dem Sieg über Steve Eloundou Ntere den Europameistertitel der IBO geholt hatte, war ich sicher, dass ich 2024 einen großen Kampf bekommen würde.

Was für ein Gefühl ist es, bei diesem Boxspektakel in der Wüste mit von der Partie zu sein und in einem Atemzug mit solchen Boxgrößen wie Fury und Usyk genannt zu werden?
Das ist schon krass. Aber ich sehe darin auch eine Anerkennung für mich als Boxer. Meine Leistungen im Ring haben in der Boxwelt Beachtung gefunden. Mein Coach Frank Kiy findet, dass ich durch diesen Kampf in Riad in die Champions League aufgestiegen sei.

Bisher haben Sie ihre Titelkämpfe in der Fruchthalle in Kaiserslautern bestritten. Jetzt also zum ersten Mal auf internationaler Bühne. Spornt Sie das an?
Natürlich. Für mich ist es eine Riesenchance, mich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Ich werde alles geben, um diesen Kampf zu gewinnen.

Dasselbe gilt auch für ihren Gegner David Nyika. Wie Sie hat der Neuseeländer alle seine Profikämpfe gewonnen und will natürlich mit einem Sieg seine Karriere vorantreiben. Wie schätzen Sie ihn ein?
Ich habe mir schon einige Kämpfe von ihm auf Video angeschaut. Ein guter Boxer, der ja auch schon als Amateur erfolgreich war und 2021 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio gewann. Ich werde gegen ihn meinen Boxstil umstellen müssen.

Weil Nyika fast zwei Meter groß und im Ring der Boxer mit der größeren Reichweite ist?
Ja. Deshalb werde ich den Infight suchen. Werde immer nach vorn gehen, keinen Schritt zurückmachen. Ich will ihm keine Luft zum Atmen lassen. Der frühere Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson hat in seinen Kämpfen gezeigt, wie man größere Gegner k. o. schlagen kann. So wie Tyson will auch ich boxen.

Sehen Sie sich in Ihrem 13. Profikampf als Favorit oder als Außenseiter?
Ganz klar, ich bin der Underdog. Aber das juckt mich nicht. Ich habe keine Furcht. Mein Gegner hat auch nur zwei Hände. Ich werde gut vorbereitet und mit viel Selbstvertrauen in Riad in den Ring steigen.

Der Kampf ist auf acht Runden angesetzt. Wagen Sie einen Tipp?
Ja. In einer der späteren Runden werde ich Nyika auf die Bretter schicken. Ich will in diesem Kampf glänzen. Jai Opetaia, der Weltmeister im Cruisergewicht, kämpft auch in Riad. Mit einem Sieg könnte ich mich als Herausforderer des Weltmeisters ins Spiel bringen.

Wie laufen die Vorbereitungen auf den Kampf?
Ich war acht Tage auf Teneriffa. Ein intensive Zeit. Bin dort viel gelaufen und habe in einem Gym hart trainiert. Vor allem Pratzenarbeit. In Frank Kiy habe ich den besten Trainer. Ich habe volles Vertrauen in ihn. Er wird mich optimal auf diesen Kampf vorbereiten. Bis ich nach Riad fliege, trainiere ich Frankfurt. Dort bestreite ich auch meine Sparringskämpfe.

Kaiserslautern ist Ihre Heimatstadt, der Sie sich tief verbunden fühlen und deren Boxtradition Sie fortsetzen. Wie haben die Lauterer auf Ihre Erfolge reagiert und auf die Nachricht, dass Sie in Riad kämpfen werden.
Die Unterstützung ist überwältigend. Ich habe viele Glückwünsche bekommen. Nicht nur aus Kaiserslautern. Sondern aus ganz Deutschland. Das ist mir sehr wichtig und gibt mir Kraft für den Fight in Riad.

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