FCK
Jonas Scholz genießt Lohn für lange Leidenszeit
Diesmal konnte keiner über das Unentschieden meckern. Für den Halleschen FC taugte das 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern dazu, sich den Verbleib in der Dritten Liga zu sichern. Und der FCK, auf Mittelfeldrang zehn bereits gesichert, bewies die Moral, auch ein kniffliges Auswärtsspiel am zweitletzten Spieltag der längsten Saison überhaupt nach 0:1-Rückstand durch Jonas Nietfelds Freistoßtor (45.+1) nicht abgeschenkt zu haben. In Timmy Thiele, der mit dem 1:1 (67.) sein zehntes Saisontor erzielte, traf für die Lauterer erneut ein Einwechselspieler.
Die Hallenser hatten später zumindest kurzzeitig ganz andere Probleme: Hilfesuchend trug Torjäger Terrence Boyd einen Jever-Pils-Kasten mit lauter leeren Flaschen durch die Katakomben des Erdgas-Sportparks zu Halle. Diese Kiste hatte die Mannschaft von Trainer Florian Schnorrenberg schnell geleert. „Da kriegen wir zum Klassenerhalt gerade mal einen Kasten Bier“, rief Boyd teils lachend, teils klagend und die Kiste in die Höhe hebend, „das kann doch nicht wahr sein!“ Nun, die Hallenser fanden eine Lösung für ihr Flüssigkeitsproblem – zumal Schnorrenberg gleich nach der Partie betonte: „Heute ist auf jeden Fall mehr als nur ein Bier erlaubt.“ Der Coach brachte die havarierten Hallenser wieder auf Kurs. Zwölf Punkte holte der HFC in den bisher sieben Spielen unter dem ehemaligen Großaspacher: Das Abstiegsgespenst hat sich aus Sachsen-Anhalt verabschiedet, auch Magdeburg hat es geschafft.
Schommers nicht mit allem zufrieden
Am Ende war auch FCK-Trainer Boris Schommers mit dem 13. Lauterer Remis zufrieden. Kopfsache für ein Team, für das es längst weder um den Auf- noch gegen den Abstieg geht. „Auch wenn es in so einer Situation menschlich verständlich ist, bin ich mit der ersten Halbzeit überhaupt nicht zufrieden“, sagte Schommers. Da fabrizierten seine Profis zu viele Fehler, kamen nur zu einer Großchance Hendrick Zucks, die HFC-Torwart Kai Eisele glanzvoll vereitelte (17.). Halle hätte bis zur 60. Minute höher führen können. „Um so schöner für uns war es“, ergänzte FCK-Trainer Schommers, „dass wir dann Charakter gezeigt haben.“ Und das nach einer zähen 500-Kilometer-Auswärtsfahrt kurz vor Rundenschluss.
Die Hallenser kannten die Zwischenergebnisse aus den Parallelspielen der Konkurrenten im Abstiegskampf. So war klar, dass Halle ein Punkt reichen würde, die Rot-Weißen waren auf Sicherung bedacht. „Die waren platt“, meinte der eingewechselte FCK-Kapitän Carlo Sickinger später, „wir waren am Ende noch fitter.“ Deshalb wurmte es Sickinger etwas, dass es nicht noch der 14. Lauterer Saisonsieg wurde. „Das wäre aber aufgrund unserer schlechten ersten Halbzeit nicht verdient gewesen“, sagte Schommers.
Scholz erinnert an düstere Monate
Seinem jungen Abwehrspieler Jonas Scholz wird der zweitletzte Spieltag einer am Ende von den Einschränkungen der Corona-Pandemie geprägten Saison in Erinnerung bleiben. Zum ersten Mal nach elfeinhalb Monaten durfte der 21-Jährige in einem Drittligaspiel wieder von Beginn an ran. „Es war sehr schön, wieder mal von Anfang an auf dem Platz zu sein“, sagte Scholz, der eine schwierige Zeit hinter sich hat. Nach einer starken Vorbereitung im vorigen Sommer stand er im ersten Saisonspiel beim 1:1 gegen Unterhaching verdient in Sascha Hildmanns Startelf. Vor Hachings Treffer aber patzte Scholz und war fortan außen vor. Es begannen düstere Monate für den 1,89-Meter-Mann. „Ich habe in diesem knappen Jahr hart an mir gearbeitet“, sagte Scholz nun, „auch die coronabedingte Pause habe ich noch einmal gut für intensives Training genutzt.“
So machte er in Halle seine Sache als Linksverteidiger gut, obwohl er eigentlich eher innen spielt. Mit dem erfahrenen, robusten Boyd lieferte er sich heiße Duelle. Scholz trug eine Platzwunde über dem rechten Auge davon, wurde sofort genäht. Die Freude über sein Startelf-Comeback aber trübte die Blessur nicht. Und HFC-Trainer Schnorrenberg? Der nahm eine Stunde nach Schlusspfiff immer noch Glückwünsche entgegen: Der Lauterer Philipp Hercher war Schnorrenbergs Spieler in Großaspach. An diesem Abend passte das 1:1 fast allen.
