SPORT-KOLUMNE
In ungeahnten Höhen – der FCK überrascht viele seiner Fans
Spielt der 1. FC Kaiserslautern künftig im Stadion Husterhöhe in Pirmasens? Oder welches Stadion in der Region kommt sonst in Betracht als Regionalliga-Spielstätte des FCK? Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da wurden solche Fragen beim Lauterer Fußball-Drittligisten sehr ernsthaft diskutiert. Das Abstiegsgespenst schwebte über dem Betzenberg, die ohnehin schon stark verminderte Pacht im Fritz-Walter-Stadion wäre im schlimmsten Fall nicht mehr zu stemmen gewesen.
Hengen bleibt alleiniger Geschäftsführer
Rund zwölf Monate später muss sich der FCK erneut mit zwei Szenarien befassen. Thomas Hengen, der nach dem Willen des Beirates vorerst alleiniger Geschäftsführer bleibt und von einem starken Geschäftsstellenteam fleißig zugearbeitet bekommt, zeichnet für den eingereichten Drittliga-Lizenzantrag verantwortlich. Und für die ebenfalls vorbereitete organisatorische Bewerbung als Zweitligist. Der Blick geht nach oben statt nach unten.
Läuft alles weiter so gut wie in den vergangenen Monaten, spielt der FCK bald in Nürnberg und „auf Schalke“. Um sicher zu sein, müsste das indes auch vergleichsweise teure Lauterer Team Rang zwei behaupten, das sich abzeichnende Fernduell gewinnen: Braunschweig erweist sich aktuell als hartnäckigster Widersacher. Eben jene Konstellation besäße Stand jetzt auch Gültigkeit, würden alle Spiele gegen Türkgücü München annulliert. Es kann sein, dass sich die klammen Münchner, die die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt haben, schon im April vorzeitig zurückziehen. Stand jetzt werden ihnen elf Punkte abgezogen.
Im Sommer 2020 hatte der FCK großes Glück
Der FCK aber hatte großes Glück, dass 2020, als er das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt hat, in der ersten Saison mit Geisterspielen unter dem frischen Eindruck der Coronavirus-Pandemie der Punktabzug für insolvente Klubs ausgesetzt war. So konnten sich die Roten Teufel ohne einen solchen massiven sportlichen Einschnitt von etwa 20 Millionen Euro Schulden befreien. Großkreditgeber wie der Finanzdienstleister Quattrex und viele Fans als Kleingläubiger mussten damals auf ihr Geld verzichten.
So wurde die Basis für den Einstieg der regionalen Investorengruppe in größerem Stil geschaffen. Sie kaufte sich für zunächst rund elf Millionen Euro beim Klub ein. Die fünf Unternehmer, zugleich reiche Fans, die den FCK zum Großteil schon viele Jahre lang als Sponsoren unterstützt haben, und das ebenfalls mit einem Millionenvolumen, sorgen auch weiter für Sicherheit und Kaufkraft beim FCK. Mit ihren Investitionen und der nach außen defensiven Kommunikation haben sie viel dazu beigetragen, dass nach vielen hyperhektischen Jahren wieder mehr Ruhe herrscht am „Betze“. Das wiederum gelingt nur mit sportlichem Erfolg, der seit der Serie von vier Punktspielsiegen in Folge im vorigen Herbst da ist.
Trainer Antwerpen übertrumpft seine Vorgänger
Vor Beginn des Reüssierens und nach dem Fehlstart in die Saison saß Trainer Marco Antwerpen nicht mehr so sicher im Sattel, erst das 2:0 beim SC Verl brachte die Wende. Nun ist Antwerpen seit mehr als 13 Monaten im Amt und damit länger als seine acht (!) unmittelbaren Vorgänger seit der Entlassung von Kosta Runjaic 2015.
Der Lauterer Stadtrat hat am Montag der Verlängerung des Stadionpachtvertrages zu gleichen Konditionen zugestimmt, auch das geschah vergleichsweise geräuschlos.
Die regionalen Investoren, die ihre Sperrminorität auch bei einem möglichen zusätzlichen Einstieg der amerikanisch-chinesischen Finanzgruppe PMG behalten wollen und sollen, haben zur Ruhe beigetragen. Ein Aufstieg ließe den Wert ihrer FCK-Aktien deutlich steigen.
Die Abhängigkeit des Profifußballs insgesamt von fremdem Geld hat sich durch das Wegbrechen etwa von Zuschauererlösen in der Corona-Krise noch einmal massiv erhöht. Es sitzen jetzt fast überall mehr Spieler am Tisch – es kommt auch auf deren Seriosität an. Hierzu können eben Türkgücü München und der KFC Uerdingen, die von ihren Geldgebern im Stich gelassen wurden, Klagelieder anstimmen.
