Sport In Argentinien ist jetzt Winter
«Mannheim.» Grün-Weiss Mannheim hat gestern bei 35 Grad auch die Hürde TV Reutlingen genommen. Der Bundesliga-Spitzenreiter gewann das Heimspiel vor 1400 Zuschauern 6:0 und fährt heute mit Rückenwind zur morgigen Partie (11 Uhr) bei Kurhaus Lambertz Aachen.
Und wieder hieß es 4:0 nach den Einzeln, und wieder stand der Sieg also bereits vor den Doppeln fest. Von den 20 Einzeln in dieser so erfolgreichen Saison hat Grün-Weiss 19 gewonnen, nur Andreas Beck unterlag im Champions-Tiebreak 8:10 gegen Thiemo de Bakker (Blau-Weiß Halle). „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, sangen die Grün-Weiss-Spieler. Später feierten sie ausgelassen im Pool. Das war kein schlechter Spieltag für den Verein. Der Rochusclub verlor klar in Köln, der TC Weinheim nahm Mitfavorit Blau-Weiß Krefeld einen Zähler ab. „Wenn wir mit einem Punkt aus Aachen zurückkommen, bleiben wir im Titelrennen ganz lange dabei“, sagte Grün-Weiss-Teamchef Gerald Marzenell. „Schade, die Hitze hat uns 500 bis 600 Zuschauer gekostet. Aber die, die da waren, waren echte Tennis-Fans.“ Fast zeitgleich gewannen Peter Gojowczyk und Tobias Kamke ihre Spiele und machten den Heimsieg perfekt. Tobias Kamke schlug Michael Berrer in zwei Sätzen. Er lag gegen den 38-Jährigen, der die Karriere 2016 offiziell beendete, nach einem glatt gewonnenen ersten Satz in Durchgang zwei 1:4 zurück, fing sich wieder und gewann fünf Spiele in Folge. Zu Beginn des zweiten Satzes wollte Kamke die Punkte einfach zu schnell machen. Nach dem Spiel umarmten sich die beiden Spieler ganz herzlich. „Michael war für mich ein Freund auf der Tour. Er war immer ein Vorbild für mich, was die Einstellung betrifft und was den Respekt mit dem Gegner angeht. Er ist ein Weltklasse-Typ. Wir haben früher sechs, sieben Mal gegeneinander gespielt. Das war großartige Spiele, bei ASPTT Metz waren wir dann auch noch vier, fünf Jahre in der französischen Liga zusammen“, erklärte der 32 Jahre alte Lübecker, der längst schon zum Stamm bei Grün-Weiss gehört – und auch im letzten Saisondrittel noch an Bord ist. Mit dem Jahr 2018 ist er bisher nicht so zufrieden. „Das habe ich mir ganz anders vorgestellt“, meinte er. „Ab Paris habe ich dann wieder angefangen, besser zu spielen. Es ist eine Floskel, aber ja, in der Phase muss man einfach Ruhe bewahren. Und gut arbeiten, dann kommen auch die Ergebnisse wieder, das habe ich in zwölf Jahren auf der Tour gelernt.“ Kein Spiel wie jedes andere hatte auch Andreas Beck. Er spielte gegen Florian Fallert – und genau jener Florian Fallert trainiert bei ihm in Stuttgart. „Das war schon eine ungewohnte Situation“, sagte Beck nach seinem Sieg. Lehrer schlägt Schüler, trotz eines „Wacklers“ im zweiten Satz. „Bei 4:4 habe ich mich wieder berappelt“, meinte Beck und betonte: „Es ist kein Geheimnis, dass wir den Titel dieses Jahr wollen.“ Den schweren Weg ging gestern Federico Delbonis. Der Argentinier hatte schon nach 6:2 im ersten Durchgang Satzball zum 5:0, setzte sich aber nicht durch und musste sich noch eine halbe Stunde quälen, bis es wieder 6:2 hieß. „Es war zu heiß“, meinte Delbonis, „28, 29 Grad, das geht noch, aber heute?“ Waren das argentinische Verhältnisse? „In Argentinien ist jetzt Winter“, erwiderte er. Er traute sich dann aber doch noch ins Doppel. So spielten sie Einzel: Peter Gojowczyk - Lorenzo Giustino 2:6, 6:2, 10:6, Federico Delbonis - Jordi Samper-Montana 6:2, 6:2, Tobias Kamke - Michael Berrer 6:1, 6:4, Andreas Beck - Florian Fallert 6:2, 6:4 Doppel: Delbonis/Beck – Samper-Montana/Peter Mayer-Tischer 6:2, 6:3, Daniel Brands/Robin Kern – Berrer/Fallert 6:3, 7:5