Fussball
Hochrisikospiel und Fasnachtsumzug: Mannheim hält am Sonntag den Atem an
Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Termin für das Duell der beiden Traditionsklubs festlegte, wusste er laut eigener Aussage nicht, dass gleichzeitig der Fasnachtsumzug durch Mannheim zieht. Die Narren starten um 13.31 Uhr in N1, eine Minute früher wird im Carl-Benz-Stadion das Spiel des Tabellen-18. gegen die Rheinländer angepfiffen. Im Januar bat Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht beim DFB um eine Spielverlegung, doch das war vonseiten des Verbands nicht möglich. Denn offenkundig hat es ein Versäumnis gegeben.
„Der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) und dem DFB lagen zum Zeitpunkt der Ansetzungen keine entsprechenden Hinweise vor“, teilt Jochen Breideband, Direktor Kommunikation, Nachhaltigkeit und Fans beim DFB, auf Nachfrage mit. Ob das Wissen über den zeitgleich stattfindenden Umzug aber etwas an der Ansetzung der Partie geändert hätte, ist zumindest fraglich: „Insbesondere am Karnevalswochenende ergeben sich laut ZIS aufgrund einer Vielzahl an Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet besondere Herausforderungen. Die zum Zeitpunkt der Ansetzungen vorliegenden Vorgaben und Hinweise der ZIS für diese Begegnung wurden vom DFB vollumfänglich umgesetzt.“
Probleme im Hinspiel
Nach OB Spechts Schreiben habe der DFB die Sachlage noch einmal geprüft: „Nach entsprechender Rücksprache zwischen ZIS und DFB blieb die vorgenommene Ansetzung bestehen. Dies haben wir der Stadt Mannheim Ende Januar auch mitgeteilt.“ Grundsätzlich seien keine Änderungen mehr vorgesehen, nachdem die zeitgenauen Ansetzungen festgelegt und veröffentlicht wurden. „Die Festlegung der Ansetzungen ist ein extrem komplexer Vorgang, eine Veränderung hätte auch immer Auswirkungen auf andere Begegnungen und Veranstaltungen“, betont Breideband. Vor allem gehe es dabei um Planungssicherheit für die Fernsehsender, aber auch für die Fans.
Dass an diesem Wochenende nun Alemannia Aachen kommt, bringt eine gewisse Brisanz mit sich. Im Hinspiel versuchten rund 60 Aachener Chaoten, den Mannheimer Fanblock zu stürmen. Die Folge: Die Partie (0:0) musste in der Nachspielzeit unterbrochen werden.
Bis zu 300.000 Besucher in der Stadt
Kein Wunder also, dass die Polizei dem Spiel den Stempel eines Hochrisikospiels aufgedrückt hat. Das hat auch eine historische Komponente: „Die beiden Traditionsvereine sind in dieser Saison erstmals seit 2003 wieder aufeinandergetroffen. Dabei kam es in der Vergangenheit immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen“, betont das Polizeipräsidium (PP) Mannheim. Das PP fordert für Sonntag Kräfte aus Pforzheim zur Unterstützung an.
Die Stadt Mannheim rechnet laut Pressereferentin Désirée Leisner mit 200.000 bis 300.000 Zuschauern beim Fasnachtsumzug. Dazu werden mehr als 10.000 Fans kommen, die sich das Spiel anschauen werden. Die Stadt geht von „vermutlich rund 3000 Fans aus Aachen“ aus. „Die Polizei trifft lage- und bedarfsorientiert die erforderlichen Maßnahmen, um einen möglichst reibungslosen Verlauf beider Veranstaltungen zu gewährleisten“, heißt es aus dem PP. Zumal der DFB einen für die Polizei wichtigen Punkt im Blick behielt. „Wesentlich für die Polizei ist dabei, eine Spielansetzung in den späten Nachmittags- oder Abendstunden zu vermeiden. Dem wurde mir der Spielansetzung auch Rechnung getragen“, betont das PP.
Um die Sicherheit zu gewähren, werden die mit dem Zug anreisenden Alemannia-Fans mit Shuttlebussen vom Bahnhof direkt zum Carl-Benz-Stadion geleitet und nach der Partie wieder zurückgebracht. Die Busse werden von der Polizei begleitet – was bei Hochrisikospielen normal ist.