1. FC Kaiserslautern
Hendrick Zuck und die Frage der feinen Balance
Außenverteidiger haben im Fußball mit den schwierigsten Job. Sie müssen stets die feine Balance zwischen ihrer ureigensten Aufgabe, der Absicherung des eigenen Tores, und der Offensivarbeit wahren. Und sie werden für ihre Leistungen oftmals schlechter bewertet, als sie dies verdient hätten, weil die Abwehrarbeit allein in den Augen der meisten Betrachter für eine gute Note oftmals nicht mehr ausreicht. Steuern sie allerdings Vorlagen bei oder schießen gar Tore und unterläuft ihnen während der 90 Minuten nicht gerade ein kapitaler Schnitzer, sind die Zensuren exzellent.
Hendrick Zuck hat diese Erfahrung in den ersten beiden Spielen des Jahres 2023 gemacht. Die RHEINPFALZ bewertete seine Vorträge beim 3:1 in Hannover und beim 2:1 gegen Holstein Kiel jeweils mit einer 1,5. Bei 96 legte er mit einer Ecke den Grundstein für den Ausgleichstreffer zum 1:1 und bereitete mit einer Flanke einen zweiten Treffer vor, gegen Holstein legte er zwei Tore direkt auf, beide Male aus dem Spiel heraus.
Zuckinho? Zuckedine Zuckdane?
Für den 32-Jährigen ist das ein Traumstart ins neue Jahr, der einhergeht mit einigen neuen Spitznamen, die seinem feinen Füßchen Rechnung tragen sollen. Zuckinho oder Zuckedine Zuckdane, was ist ihm lieber? „Jaja, da ist gerade einiges im Umlauf“, sagt Zuck und lacht, „aber nein: Zucki reicht völlig.“ Der Linksverteidiger findet nicht, dass seine Leistungen sich von denen der Hinserie sehr unterscheiden. „Ich hatte schon vorher eine gute Passquote, habe wenig Fehler gemacht, ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal ein Gegentor über meine Seite gefallen ist“, sagt Zuck: „Geflankt habe ich auch schon immer, jetzt sind danach die Dinger halt mal reingegangen.“ Vier Assists hat er in dieser Spielzeit verbucht. „Aber als Abwehrspieler ist es nun mal das Wichtigste, dass die Null steht.“
Teamkollege Terrence Boyd bedankte sich nach dem 2:1 gegen Kiel explizit bei Zuck, weil dieser ihm die Chance zum Siegtor maßgerecht aufgelegt und ihn damit nach einer verballerten Megachance „von den Toten zurückgeholt“ hatte. Zuck reife wie guter Wein, lobte Boyd. Kapitän und Rechtsverteidiger Jean Zimmer freut sich ungemein für sein linkes Pendant. „Es ist schön, dass er jetzt so im Fokus steht“, sagt Zimmer, „er wurde oft ungerecht beurteilt. Er wurde zu oft allein an den Assists gemessen, dabei hat er schon immer wenig Fehler gemacht und auch ohne die Vorlagen unfassbar gute Spiele gemacht.“
Improvisation und Konkurrenzkampf
Wenn der 1. FC Kaiserslautern an diesem Sonntag (ab 13.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de, Sky) beim FC St. Pauli gastiert, wird ein Zuck in Bestform vonnöten sein, wollen die Roten Teufel den sechsten Sieg in Folge feiern. In der Winterpause führte Trainer Dirk Schuster mit ihm wie mit jedem Spieler ein Gespräch. „Wir haben ihnen gesagt, was wir erwarten, was sie besser machen können und mit was wir zufrieden sind“, sagt Schuster, der binnen der Transferperiode immer wieder betonte, noch einen Spieler links defensiv zu suchen.
„Zucki hat dann wahrscheinlich auch selbst gemerkt: Die von der Tankstelle machen sich Gedanken, dabei bin ich doch da und habe meist gut gespielt. Ja, aber es kann auch sein, dass er mal krank wird oder pausieren muss.“ Es ging Schuster um Improvisation und Konkurrenzkampf. Verpflichten konnte der FCK keinen neuen Linksverteidiger. Doch auch Dominik Schad und Erik Durm können in die Bresche springen, sollte Zuck unpässlich sein.
Im öffentlichen Training am Mittwochnachmittag wurde Zuck aufgrund eines verhärteten Muskels geschont. Zur Sorge bestehe allerdings kein Grund, sagte Zuck selbst.
