Sport
Handball: Weltmeister-Trainer Jacobsen im Interview
Nikolaj Jacobsen, der Nationaltrainer Dänemarks, erklärt, warum es gar nicht so einfach ist, gleich wieder Europameister zu werden. Er sagt: „Es darf nicht viel schiefgehen, sonst bist du raus.“
Genau, es sind noch viele Spieler dabei, die die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Es fehlen die verletzten Casper Mortensen und Simon Hald. Es ist eine sehr erfahrene Mannschaft. Es werden ein paar junge Leute dazukommen, sonst ist es immer noch die alte Garde um Rasmus Lauge, Mads Mensah Larsen, Mikkel Hansen oder Lasse Svan.
Wie schwer ist es, eine Mannschaft auf ein EM-Turnier vorzubereiten, wenn sie Weltmeister geworden ist?
Das werden wir sehen (lacht). Aber es ist klar: Wenn man auf die letzten Jahre schaut, dann war es ganz selten, dass eine Mannschaft zwei Turniere hintereinander gewinnt. Wir wissen: Alle wollen uns schlagen. Das wird die größte Herausforderung, wir werden gejagt. Wir werden versuchen, gleich wieder einen Titel zu schaffen, auch wenn es noch nicht so oft vorgekommen ist.
Aber Sie trauen das Ihrer Mannschaft wieder zu?
Auf jeden Fall. Wenn man die Weltmeisterschaft gewonnen hat, und dann noch in der Art und Weise, dann muss man uns alles zutrauen.
Wie die anderen Nationaltrainer hatten Sie das Team im Oktober bei einem Lehrgang zusammen. War diese Zeit fruchtbar? Gab es Erkenntnisse?
Das waren zwei Spiele, Mikkel Hansen war nicht dabei, Hendrik Toft fehlte auch. Also von daher musste ich eine andere Mannschaft aufs Feld schicken. Aber es waren zwei gute Tests, wir haben gegen Frankreich nicht ganz so gut gespielt und unglücklich verloren. Gegen Norwegen haben wir im Siebenmeterwerfen glücklich gewonnen. Bei Norwegen hat da Sander Sagosen gefehlt, das war dann auch eine veränderte Mannschaft.
Journalisten fragen nach Titelgewinnen gerne, ob die Mannschaft womöglich satt ist. Sehen Sie die Gefahr?
Nein! Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber man muss erst mal gucken, wenn das Turnier läuft. Klar, wir haben diesmal eine sehr harte Hälfte, wir haben die Nummer eins, zwei, drei und fünf von der letzten Weltmeisterschaft auf der gleichen Seite, dazu kommt vermutlich noch Slowenien, Dritter der vorletzten Weltmeisterschaft. Das ist ein schwerer Weg, wir haben eine schwere Gruppe erwischt. Es darf auch nicht viel schiefgehen, sonst bist du raus. Es kommen ja nur der Erste und Zweite in der Vorrunde weiter, da muss man aufpassen. Da hat man nicht viel Platz für Fehler. Letztes Mal kamen die ersten drei weiter. Die deutsche Mannschaft ist für mich übrigens der Favorit in deren Hälfte auf dem Weg ins Halbfinale.
Norwegen und Schweden, zwei Dauerkonkurrenten, haben diesmal Heimvorteil ...
Wir spielen unsere Gruppe in Malmö. Wir wissen, dass dahin viele Dänen kommen. Von daher ist es auch für uns ein kleiner Vorteil.
Anderes Thema: Wie ist Ihr neues Leben? Wie kommen Sie klar ohne die Rhein-Neckar Löwen?
Mir gefällt es. Es ist schön, wieder zu Hause zu sein, mehr Zeit für die Familie zu haben. Ich genieße es, nicht jeden dritten Tag ein Spiel zu haben. Ich habe nicht so viel Stress, ich muss nicht so viele Videos schauen, habe nicht so viele Reisen, von daher bin ich zufrieden mit meiner Entscheidung.
Der Druck, der auf Ihnen lastete, war sicherlich sehr anstrengend?
Das war sehr hart. Es waren zwei harte Jahre am Ende. Die Champions League hat sich geändert, es gab Höhen und Tiefen mit dem Pokal-Gewinn, mit der verlorenen Meisterschaft und dem Supercup. Im letzten Jahr haben wir nicht auf dem Niveau gespielt, auf dem wir die ersten vier Jahre waren. Das ist immer ärgerlich.
Schauen Sie sich noch jedes Spiel an von den Löwen?
Nein, ich sehe nicht jedes Spiel. Aber ich sehe so viele ich kann.
Wie finden Sie die neuen Löwen?
Man hat ein paar dumme Punkte liegen lassen am Anfang, Hannover, Erlangen zum Beispiel, in Melsungen kann man verlieren, in Flensburg und in Berlin auch. Von den Punkten her ist das vielleicht nicht so schlecht. Aber es überrascht mich, dass viele Spiele so eng verlaufen sind.
Die Löwen haben sich entschieden, Gedeón Guardiola und Mads Mensah Larsen abzugeben. Ihre Meinung?
Das war meiner Meinung nach ein Fehler. Die Löwen haben eine gute Mannschaft, die sich so weiter hätte einspielen können.

