Sport
Handball: Nationalspieler Pekeler im Interview
Hendrik Pekeler (28) lobt den Führungsstil von Handball-Bundestrainer Christian Prokop. Mit der EM-Hauptrunde ist der Kreisläufer zufrieden.
Herr Pekeler, Höhen und Tiefen, gute Leistungen, schwache Leistungen, Trondheim und Wien – wie ordnen Sie das Turnier ein?
Ich finde, wir hatten in Wien eine klare Leistungssteigerung im Vergleich zur Vorrunde. Wir haben in der Hauptrunde die Leistungen gezeigt, die wir eigentlich das ganze Turnier zeigen wollten. Es ist ein bisschen schade, dass wir das Spiel gegen Kroatien, in dem wir meiner Meinung nach die bessere Mannschaft sind, verlieren und so die Halbfinal-Chance auch dahin war. Ich finde, in Wien haben wir schon nahe am Optimum gespielt.
Spanien dagegen war eine große Enttäuschung, wie war so eine Leistung im Rückblick möglich?
Wenn man nicht klar im Kopf ist gegen Spanien, dann kommt so etwas zustande. Was im Nachhinein bitter war, waren die sieben Tore Unterschied, selbst wenn wir die Kroaten geschlagen hätten, wären wir nicht sicher im Halbfinale gewesen. Da müssen wir mit mehr Weitblick agieren, so ein Spiel dürfen wir nicht mit sieben Toren Unterschied verlieren.
Torhüter Johannes Bitter hat angemerkt, Spanien hätte nach der Partie ruhig kommen können …
Im Nachhinein kann man das immer sagen. Ich hätte mir auch ein Finale gegen Kroatien hier in Wien gewünscht, also das wir hier das letzte Spiel gegen Kroatien haben, so ein Alles-oder-Nichts-Spiel.
Wie haben Sie die ganze Diskussion um Bundestrainer Christian Prokop nach der Niederlage gegen Kroatien verfolgt und wahrgenommen?
Es ist ja immer wieder der Gleiche, der im Januar negative Sachen heraushaut (Daniel Stephan, die Red.). Ich habe schon einmal angedeutet, dass das jemand ist, den man nicht sonderlich für voll nehmen sollte, der sich immer wieder versucht, in Stellung zu bringen. Weil er nach meiner Meinung nach seinem Karriereende nichts für den deutschen Handball in irgendeine Richtung getan hat.
Sie haben in Ihrer Karriere mit vielen bedeutenden Trainern zusammengearbeitet, nennen wir Dagur Sigurdsson, Nikolaj Jacobsen oder Alfred Gislason. Wo sehen Sie da Christian Prokop, und warum ist er im Moment der richtige für das deutsche Team?
Oh, das ist schwierig zu beurteilen, weil jeder eine andere Stärke hat. So wie Christian uns momentan führt, ist das eine ganz neue Konstellation, weil er uns extrem viel Mitspracherecht gibt. Das finden wir gut, weil er einfach auch auf unsere Erfahrung baut. Ich bin der Meinung, dass wir ihm das auch zurückzahlen, mit guten Leistungen.
Direkt nach dem verpassten Halbfinale haben Sie sich im ersten Moment irritiert gezeigt, dass die Mannschaft für ein Spiel um Platz fünf nach Stockholm weiterreisen muss. Wie sehen Sie das mit ein bisschen Abstand?
Wir wollten ja gerne nach Stockholm, um aber das Halbfinale zu bestreiten. Es halt ärgerlich, dass wir wieder reisen müssen. 1200 Kilometer im Flieger sitzen. Das sind vier Tage, die wir für ein Spiel opfern müssen. Das ist alles suboptimal.
Spiel um Platz fünf: Wie schätzen Sie Portugal ein? Wie sieht es aus mit der Kraft?
Wir haben einiges gesehen von Portugal, wir haben einige Spiele verfolgt, das Spiel gegen Norwegen zum Beispiel. Das ist eine gute Mannschaft, die gerne „7:6“ spielt und eine robuste 6:0-Abwehr spielt. Das Team hat schlaue Mittelmänner. Die Kraft ist noch da.
Mit Blick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele: Wie ist da aktuell Ihre Meinung?
Unsere Gegner hängen ja noch davon ab, wer Europameister wird. Eines aber wird sicher sein - dass wir drei ziemlich schwere Gegner bekommen. Aber wir haben den Heimvorteil. Wir müssen Zweiter werden. Das ist das, was wir anstreben. Wir werden alles reinlegen, dass wir bei den Spielen dabei sind.
Interview: Udo Schöpfer