Die 60. Bundesliga-Saison
Gunter Metz: Ein Roter Teufel wird in Karlsruhe magisch
Im rheinhessischen Hangen-Weisheim ist der in Alzey geborene Gunther Metz daheim. Weggezogen ist er nie, auch nicht nach Karlsruhe, wo der Verteidiger von 1987 bis 1999 als Profi unter Vertrag stand. Mit 13 kam Metz in die FCK-Jugend, in Ernst Diehl fand er einen großen Förderer, schaffte als Vertragsamateur mit 19 den Sprung in den Profi-Kader, spielte achtmal für den FCK in der Bundesliga. „Ich wollte nicht zwischen Profis und Amateuren hin- und hergeschoben werden“, erklärt der heute 55-Jährige sein damaliges Pochen auf einen Profi-Kontrakt.
Zum Karlsruher Glück gezwungen
Mit seinem Verlangen blitzte der Jungspund bei FCK-Chef Friedrich ab. „Für mich gab es nur den FCK. Ich wollte nie woanders hin. Aber ich wollte unbedingt Bundesliga spielen“, erklärt Metz den Zwiespalt. Eine finanziell bessere Offerte der zweitklassigen Düsseldorfer Fortuna schlug Metz aus, er ging zum Bundesliga-Aufsteiger Karlsruher SC. „Ich bin dann eben nicht mehr rechts nach Lautern abgebogen, sondern links nach Karlsruhe. Vorher wusste ich gar nicht wo Karlsruhe ist …“, sagt Metz und lacht.
Im KSC-Kader standen unter anderem Oliver Kahn, Srecko Bogdan, Oliver Kreuzer, Michael Harforth und Arno Glesius. Der Flügelflitzer ersparte dem KSC am letzten Spieltag der Aufstiegssaison mit seinem Treffer zum 1:1 in der 88. Minute gegen Eintracht Frankfurt die Relegation, die dann der SV Waldhof erfolgreich meisterte. Gunther Metz fand beim KSC sein Glück – die Fans feierten Magic-Metz, den Terrier. „Es war manchmal nicht genug, aber es war fast immer alles, was ich geben konnte“, schildert Metz sein Selbstverständnis. Auch als Profi hat Metz immer im elterlichen Bauernhof mitgearbeitet, nach Niederlagen fand er auch auf dem Schlepper Ablenkung. „Ich kann schaffe“, sagt Metz.
Der Abstieg schmerzt
Diese Tugend schätzten die Fans an dem geerdeten Offensiv-Verteidiger. Trainer „Winnie“ Schäfer und Manager Calli Rühl, die mit Präsident Roland Schmider eine lange erfolgreiche Troika bildeten, kauften immer mal wieder einen Verteidiger – gespielt hat aber fast immer Magic-Metz. Nach Platz 15 im ersten Jahr landete der KSC, das Bundesliga-Gründungsmitglied, auf den Plätzen elf, zehn, 13, acht, zweimal sechs, acht, sieben und sechs, ehe die Blau-Weißen 1997/98 nach elf Jahren im Oberhaus abgestiegen sind. „Es war eine knappe Sache. Wir haben 2:4 in Rostock verloren, ein Punkt hätte gereicht. So haben sich die Gladbacher gerettet“, schildert Metz den Abstiegskrimi. Winfried Schäfer war entlassen worden, die Mission des so oft als Retter gefeierten Jörg Berger scheiterte. „Der Umbruch war zu groß“, sagt Metz beim Blick zurück auf den Absturz nach der goldenen Ära.
Das „Wunder vom Wildpark“
Unvergessen das „Wunder vom Wildpark“, das legendäre 7:0 gegen den FC Valencia am 2. November 1993. Viermal traf Edgar Schmitt – Euro-Eddy war geboren. „Winnie Schäfer hat immer gesagt, Bundesliga ist schön, aber der richtige Fußball beginnt erst, wenn man montags im Klub-Anzug zu einem Europapokalspiel fliegt“, erzählt Metz. Die Helden von damals aber gingen von Bord: Thorsten Fink und Michael Tarnat heuerten bei den Bayern an, „Manni“ Bender ging zu 1860 München, Dirk Schuster nach Köln. Ein Jahr nach dem Abstieg war die Karriere von Metz zu Ende. „Das Knie – alles war kaputt“, schildert Metz das Aus mit 32.
Zwei Jahre später kehrte er zu seiner Jugendliebe zurück, prägte als FCK-Jugendtrainer Jungs wie Willi Orban und Philipp Klement, Marius Müller und Julian Derstroff, Dominique Heintz und Jean Zimmer. In Karlsruhe ist Metz unvergessen. Als er nach dem Wiederaufstieg des KSC mit seiner FCK-Jugendmannschaft im roten Trainingsanzug auf die Haupttribüne kam, gab es Beifall, die Menschen erhoben sich. Magic-Metz wurde gefeiert.
Bis vor einem Jahr hat Metz seine Trauben an die Genossenschaft verkauft. Jetzt gehen Gunther und sein Sohn Julian, ein ausgebildeter Winzermeister, neue Wege, füllen selbst ab. Es sind Cuvée-Weine – Metz’ Dreierkette. Die blaue Flasche mit der 87 auf dem Etikett symbolisiert den Beginn beim KSC, die rote Flasche mit dem Aufdruck 01 die Rückkehr zum FCK, die 17 auf der grünen Flasche den Einstieg 2017 als Honorartrainer beim DFB. Dort wirkt Metz als Co-Trainer der deutschen U 19.