FCK
Fragezeichen bei Neuzugängen
Im Unterschied zur Regelinsolvenz führt der FCK bei der Eigenverwaltungs-Insolvenz seine Geschäfte weiter selbst, unterstützt durch Insolvenzanwälte. Bei der Regelinsolvenz allerdings wird der Geschäftsführer durch einen Insolvenzverwalter ersetzt.
Was sagt die Arbeitsagentur, die Kurzarbeitergeld bezahlt hat, die jetzt Insolvenzgeld zahlt und auch über einen Sitz im Gläubigerausschuss involviert ist, zu dem Fall?„Grundsätzlich gilt zunächst: Sinn und Zweck eines Insolvenzverfahrens ist es, den Betrieb zu erhalten, zu sanieren und fortzuführen, und das mit möglichst vielen Arbeitsplätzen“, sagt Peter Weißler, der Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, im RHEINPFALZ-Gespräch. Kurzarbeit haben laut Weißler aktuell allein in der Westpfalz 6000 Betriebe angezeigt mit 66.000 Arbeitnehmern. Die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens hat 2019 in ihrem Zuständigkeitsbereich der Westpfalz rund 2,3 Millionen Euro Insolvenzgeld ausgezahlt, im ersten Quartal 2020 rund 165.000 Euro.
Ist der FCK ein Sonderfall?
„Natürlich gehen wir völlig wertungsfrei an die Sache. Der FCK ist für uns ein normaler Wirtschaftsbetrieb mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Er und seine Angestellten haben Beiträge bezahlt“, sagt Weißler. „Aber natürlich ist es eine sehr spezifische Branche“, sagt die operative Arbeitsagentur-Geschäftsführerin Martina Sarter. „Da können wir uns in der Beratung nicht so einbringen wie bei anderen Unternehmen im Handwerk, in der Produktion oder in der Gastronomie.“
Wie hoch ist das Insolvenzgeld für die Angestellten der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA?
Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt für drei Monate pro sozialversicherungspflichtigem Arbeitnehmer bis zu 6900 Euro des Bruttogehalts. Bei diesem Insolvenzgeld greift die Beitragsbemessungsgrenze für Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Sozialversicherungsbeiträge verrechnet die Einzugsstelle direkt. Jeden Euro über den 6900 Euro müsste der FCK dem jeweiligen Angestellten zahlen.
Wie wird der exakte Insolvenzgeld-Zeitraum berechnet?
Der FCK hat zum Ziel erklärt, bis 31. August/1. September die Antragsphase abzuschließen. „Die Arbeitsagentur rechnet von diesem Datum dann die Ansprüche taggenau auf die zurückliegenden drei Monate aus“, sagt Thorsten Primus, Insolvenzfachmann der Arbeitsagentur. Die Agentur zahlt nur Gehaltskosten, die der Arbeitgeber nicht beglichen hat. Das Insolvenzgeld wird rückwirkend berechnet, kann aber von einer Bank vorfinanziert werden. Nach den drei Monaten muss die FCK KGaA die Gehälter wieder selbst zahlen.
Kann der 1. FC Kaiserslautern in dieser Situation jetzt im Sommer überhaupt neue Spieler verpflichten?
Ja, sagt FCK-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. „Es gibt bestehende Verträge. Wenn wir diese einhalten wollen und wenn wir in der kommenden Saison in der Dritten Liga spielen wollen, brauchen wir einen Kader. Wir werden versuchen, was möglich ist.“ Das soll in Absprache mit dem Generalbevollmächtigten, das ist der Jurist Dirk Eichelbaum, und dem Gläubigerausschuss geschehen.
Wenn nun ein neuer Spieler verpflichtet wird, bekommt er erst einmal Insolvenzgeld statt Gehalt?
Das muss nach Aussage der Arbeitsagentur im Einzelfall mit dem FCK besprochen werden.
Muss das Insolvenzgeld zurückgezahlt werden?
„Wenn es eine Einigung über die Quote gibt, die die Gläubiger bekommen und der Schuldner FCK die dann bedient, dann sind die Schulden getilgt. Wir als Arbeitsagentur werden auch nach dieser Quote bedient“, erläutert Agenturleiter Weißler. Es zahlt der FCK.
Was ist für den Erfolg eines Insolvenzverfahrens entscheidend?
„Ganz entscheidend, ob das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich ist, ist eine positive Fortführungsprognose für das Unternehmen“, betont Geschäftsführerin Sarter.
Was ist, wenn das Insolvenzverfahren nicht erfolgreich ist?
Grundsätzlich gibt sich Insolvenzfachmann Primus zuversichtlich. So sieht es auch Peter Weißler: „Sinn und Zweck einer Insolvenz in Eigenverwaltung ist es, das Unternehmen zu erhalten, es weiterzuführen.“ Sarter schiebt – beim FCK entscheidend – nach: „Und neue Investoren zu finden.“ Ein Scheitern des Verfahrens würde „im allerschlimmsten Fall dazu führen, dass der Betrieb geschlossen wird. Dann gehen die Lichter aus“, sagt Primus.
