FCK RHEINPFALZ Plus Artikel FCK: Insolvenz-Sachwalter Kleinschmidt mahnt zu Ruhe und Objektivität

Alles ruhig? Das ist beim FCK meistens nur eine Wunschvorstellung.
Alles ruhig? Das ist beim FCK meistens nur eine Wunschvorstellung.

Trotz der permanenten Unruhe beim 1. FC Kaiserslautern arbeitet man konzentriert mit den Gläubigern und mit möglichen Investoren. Das betont Insolvenz-Sachwalter Andreas Kleinschmidt im RHEINPFALZ-Gespräch. Es sei ein strukturierter und neutraler Prozess. Ein Blick hinter die Kulissen.

Es geht mal wieder rund am Betzenberg. Vor allem Rainer Keßler, der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern e. V., und Jörg E. Wilhelm, Vorsitzender des Aufsichtsrates der FCK Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), haben in den vergangenen Tagen auch via Internet öffentlich heftig diskutiert. Von der noch am Samstag im Fritz-Walter-Stadion am Rande der Saisonabschluss-Feier hinter verschlossenen Türen vereinbarten Ruhe war schon wenige Tage später nichts mehr zu spüren.

Für den laufenden und sehr sensiblen Prozess des vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der KGaA ist das alles andere als dienlich. Das betont Andreas Kleinschmidt, der vom Gläubigerausschuss vorgeschlagene und vom Amtsgericht Kaiserslautern bestellte Sachwalter, im RHEINPFALZ-Gespräch.

„Wir sind auf einem sehr guten Weg, sind in vielversprechenden Gesprächen mit Gläubigern und Investoren“, sagt der Frankfurter Fachanwalt für Insolvenzrecht. Und in dieser Phase sei ein öffentlich ausgetragener Zwist zwischen Aufsichtsräten alles andere als förderlich. Im Gläubigerausschuss, der zuletzt am Donnerstag tagte, gehe es um sachliche Aspekte, um einen „offenen, nüchternen, professionellen Prozess“, darum, zu schauen, was „das Beste für den Klub und die Gläubiger ist“. Keinesfalls, betont Kleinschmidt, habe sich das Gremium bereits auf eine Seite geschlagen.

Zwei Angebote liegen vor

Neutralität, sagt der Jurist, habe oberstes Gebot. Laufe weiter alles nach Plan, könne der Gläubigerausschuss in Sachen Investor noch im Juli eine Entscheidung treffen. Das geschehe in dem fünfköpfigen Gremium am Ende mit einer Abstimmung. Im Ausschuss sitzen Finanzdienstleister Quattrex und Vermarkter Lagardère als Hauptgläubiger, ein Kleingläubiger (ein Gastronom aus der Region), eine Arbeitnehmervertreterin des FCK und ein Vertreter der Agentur für Arbeit.

Zwei Angebote liegen derzeit vor – das eines potenziellen Großinvestors, Horst Peter Petersen. Der 71-jährige Deutsche, der in Dubai lebt, will sein Investment beim FCK mit weiteren Geschäftspartnern tätigen. 20 Millionen Euro für 75 Prozent der Aktien bietet Petersen. Zudem hat die Gruppe regionaler Unternehmer um Dr. Theiss Naturwaren, Homburg, ein Angebot abgegeben, will nach RHEINPFALZ-Informationen zunächst mindestens acht Millionen Euro investieren und dem FCK als Eigenkapital zur Verfügung stellen. Die Gruppe will dafür rund 25 Prozent der KGaA-Anteile. „Außerdem gibt es die eine oder andere Anfrage. Natürlich sind wir auch noch offen für weitere Angebote“, betont Kleinschmidt.

„Das Beste für den FCK ist das Beste für die Gläubiger“

„Wir gehen alle Angebote neutral an. Es geht um die Zukunftsfähigkeit des Klubs. Das Beste für den Klub wird auch das Beste für die Gläubiger sein“, sagt der Sachwalter. Zum Verfahren gehöre, sich intensiv mit den Angeboten zu befassen. „Alles andere wäre unseriös.“ Für Kleinschmidt ist das ein üblicher Prozess. Er hat bereits unter anderem Kickers Offenbach in einem Insolvenzverfahren begleitet.

So soll sich nun eine auf solche Anteils- respektive Unternehmensverkäufe spezialisierte Gesellschaft die Angebote noch einmal ganz genau ansehen. Es geht um die größtmögliche Objektivität. „Es bekommt nicht automatisch der den Zuschlag, der am lautesten schreit.“ Jeder Investitionsinteressent bekomme dieselben Fragen gestellt, die es möglichst sorgfältig zu beantworten gelte. „Es ist wichtig, dass man vorher weiß, worauf man sich einlässt“, betont der Anwalt. Dass sich die Interessenten dem Gläubigerausschuss im persönlichen Gespräch vorstellten, gehöre dann auch dazu, betont Kleinschmidt. Auch das sei wichtig für die Beurteilung der Angebote.

Der Ruf aller kann leiden

Sollte der potenzielle Investor aus Dubai wegen der Coronavirus-Pandemie nicht ausreisen können, dürfe dies kein Nachteil für ihn sein. Denkbar sei in diesem Fall eine Videokonferenz oder dass ein Vertreter das Angebot noch einmal persönlich vorstellt.

Es handele sich bei dem vorläufigen Insolvenzverfahren um einen „sehr strukturierten, offenen, neutralen Prozess, in dem jeder seine Chance hat“, betont der 47-Jährige. „Egal wie am Ende die Entscheidung ausfällt, es wird jemand unzufrieden sein. Gerade deshalb ist es wichtig, dass der Gläubigerausschuss seine Entscheidung auf einer fundierten Grundlage treffen kann.“ Dafür setzt sich Kleinschmidt ein, das muss er als vom Gericht bestellter Sachwalter. Massive öffentliche Wortmeldungen aus den Aufsichtsräten erachtet er als kontraproduktiv, auch für den Ruf aller.

„Fußball ist immer besonders. Aber so viele Emotionen wie hier, in welcher Qualität hier einige ihr Gewicht in die Waagschale werfen wollen, um einem Angebot zum Durchbruch zu verhelfen, das ist schon außergewöhnlich“, sagt Kleinschmidt.

Dass die KGaA noch um ein Insolvenzverfahren umhinkommt, glaubt der Anwalt nicht. Vielmehr erachtet er ein geregeltes Verfahren nun als vorteilhaft für den FCK. Denn zieht der Klub den Antrag zurück, werden wohl rund sieben Millionen der rund 20 Millionen Euro Schulden sofort fällig. Für die potenziellen Investoren ist eine Entschuldung des Klubs Voraussetzung für ihr Engagement. Am 1. September soll das Verfahren vom Amtsgericht eröffnet werden. Bis dahin muss der Insolvenzplan stehen.

Bleibt der Verein im Verfahren außen vor?

Vom eingetragenen Verein (e. V.) würde Kleinschmidt aber ein solches Verfahren gern fernhalten, sofern es vermeidbar ist. „Soweit ich das heute beurteilen kann, gibt es auch gute Aussichten, auch diesbezüglich eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen.“

Bislang liege man sehr gut in der Zeit. Neben dem 1. September gibt es für den FCK ein weiteres wichtiges Datum: Am 31. Oktober endet die Einreichungsfrist für die Unterlagen zur Drittliga-Lizenzierung. Bis dahin müssen die Finanzen geordnet sein.

Dass sich indes beide Investoren-Angebote vereinen lassen, erscheint fraglich. Auch wenn sich im Aufsichtsrat und im Beirat des FCK so mancher eine gemeinsame Lösung wünscht.

Insolvenz-Sachwalter beim FCK: der Frankfurter Dr. Andreas Kleinschmidt.
Insolvenz-Sachwalter beim FCK: der Frankfurter Dr. Andreas Kleinschmidt.

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