Sport RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Choreo und der FKP im DFB-Pokal: Die Momente des Jahres der Redaktion

Auf den Rängen zeigen die FCK-Fans eine beeindruckende Choreo. Auf dem Rasen unterliegen die Roten Teufel Hertha BSC im November
Auf den Rängen zeigen die FCK-Fans eine beeindruckende Choreo. Auf dem Rasen unterliegen die Roten Teufel Hertha BSC im November mit 0:1.

2025 geht zu Ende. Aus sportlicher Sicht war viel geboten, auch in der Pfalz. Auf dem Betzenberg wurde die FCK-Geschichte zelebriert. RHEINPFALZ-Redatekture erinnern sich.

Zwischen Ronnie Hellström und den Roten Teufeln

Die Fans des 1. FC Kaiserslautern sind für Choreographien weltweit bekannt. Beim DFB-Pokal-Finale 2024 in Berlin sorgten sie mit einem überdimensionalen Teufel für Furore. Anfang November gegen Hertha BSC feierten die FCK-Anhänger auf ihre eigene Art und Weise das 125-Jahr-Jubiläum des Vereins. Es gab einen Fanmarsch und eine atemberaubende Choreo. An jenem Tag hatte ich die Seiten gewechselt – ich musste nicht arbeiten. Also nutzte ich die Gelegenheit und schlüpfte in die Rolle des Zuschauers.

Am Martinsplatz traf ich Thorsten Laubscher, eine der tragenden Säulen des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen vor vielen Jahren. Wir marschierten gemeinsam mit der Menge in Richtung Stadion. Am Elf-Freunde-Kreisel war der Marsch zu Ende. In der Nähe gab es einen Bierstand. Dort trafen wir den FCK-Verwaltungsratsvorsitzenden Rainer Keßler sowie dessen Freund Roman Schweitzer, ein hervorragender Tennisspieler von RW Pirmasens. Wir spielten mal mit unseren Teams gegeneinander. Nach einem ausgedehnten Plausch kraxelten wir hinauf auf den Betzenberg. Dort erlebten wir die Choreo mit. Wir standen zwischen FCK-Ikone Ronnie Hellström und dem Roten Teufel in der Westkurve. Gesehen haben wir in dem Moment nichts, erst Minuten danach, als die Bilder über die Sozialen Netzwerke verbreitet wurden. Marek Nepomucký

Timo Boll
Timo Boll

Feuchte Augen beim Abschied von Timo Boll

Einen würdigeren Rahmen konnte es nicht geben: Champions-League-Finale in Saarbrücken, über 4500 Tischtennis-Fans in der ausverkauften Saarlandhalle. Am Ende legt an diesem 1.-Juni-Nachmittag in diesem Wettbewerb eine Legende dieses Sports den Schläger aus der Hand: Timo Boll.

Es ist genau 16.05 Uhr, als der Saarbrücker Spieler Darko Jorgic seinen Matchball verwandelt und der 44-jährige Boll sofort auf die andere Seite des Tisches geht und dem Sieger gratuliert. Fünf Sätze lang hatte sich der siebenmalige Champions-League-Sieger von Borussia Düsseldorf gegen die Niederlage gestemmt, noch mal sein ganzes Können aufgeboten und gezeigt.

Die meisten Zuschauer drückten sicher den am Ende siegreichen Saarbrückern die Daumen, Timo Boll hätten sie aber sicher einen letzten Einzelerfolg in der Champions League gegönnt. Gar nicht wenige waren nur gekommen, um den siebenmaligen Olympia-Teilnehmer, achtmaligen Europameister und achtmaligen WM-Medaillengewinner ein letztes Mal live an der Platte zu sehen.

In der Bundesliga in Saarbrücken gab’s am 11. Oktober 2024 vom FCS schon eine Torte für den Mann, der 28 Jahre lang Profi und immer bescheiden geblieben war. Diesmal standen die Menschen in der Saarlandhalle mit feuchten Augen auf, spendeten lange Applaus und verabschiedeten den Weltstar von der Bühne. Die „Hall of Fame“ des deutschen Sports wartet auf ihn – und so was von verdient. Matthias Müller

Auf dem besten Weg zur Pokalsensation: FKP-Stürmer Dennis Krob (links) fliegt an der Flanke vorbei, aber sein Kapitän Yannick Gr
Auf dem besten Weg zur Pokalsensation: FKP-Stürmer Dennis Krob (links) fliegt an der Flanke vorbei, aber sein Kapitän Yannick Grieß drückt den Ball zum 1:0 gegen den Hamburger SV über die Linie.

Wenn Krob das 2:0 macht...

Seit 1903 gibt es den FK Pirmasens, einen Fußballklub, der so ungemein oft kurz vor dem ganz großen Erfolg stand, ihn aber dann doch knapp und unglücklich verpasste.

So war es 1960, als die Westpfälzer eigentlich durch ein 4:3 gegen den Karlsruher SC schon das DFB-Pokal-Finale erreicht hatten, der Sieg aber annulliert wurde, weil ein FKP-Stürmer nicht einsatzberechtigt gewesen sein soll. So war es 1963 bei der Gründung der Bundesliga, in der Pirmasens, das 1958, 1959, 1960 und 1962 jeweils die Endrunde der besten acht Teams in der alten Bundesrepublik erreicht hatte, nicht starten durfte. So war es 1966, als „die Klub“ wegen des schlechteren Torverhältnisses hinter der punktgleichen Fortuna Düsseldorf nur den zweiten Platz in der Bundesliga-Aufstiegsrunde belegte. Insgesamt 26 Bundesliga-Aufstiegsspiele bestritt der FKP von 1964 bis 1975 – und stieg nie in die Eliteklasse auf.

Am 16. August 2025 kehrten die Pirmasenser nach zehn Jahren Abstinenz auf die nationale Fußball-Bühne zurück. Als Pokalsieger des Südwestdeutschen Fußballverbands hatten sie sich für die erste DFB-Pokal-Runde qualifiziert und mit dem Hamburger SV ein tolles Los gezogen. Die 10.000 Eintrittskarten waren schnell verkauft. Der Fünftligist galt als krasser Außenseiter gegen die Erstliga-Profis von der Elbe, doch er überraschte alle, wohl auch sich selbst. Kapitän Yannick Grieß, ein HSV-Fan, brachte den Oberligisten kurz nach der Pause verdientermaßen in Führung.

In der 58. Spielminute dann die Riesenchance zum 2:0: FKP-Stürmer Dennis Krob ist durch, legt den Ball im Vollsprint mit dem rechten Fuß an HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes vorbei und schießt aus vier Metern mit links auf das kurze Eck. Doch der Torschrei bleibt den Pirmasenser Anhängern im Halse stecken. Der Hamburger Miro Muheim wehrt den Schuss auf der Torlinie ab. Es wäre wohl der K.o. für den HSV gewesen. Das Chancenverhältnis bis zu dieser Szene: 7:2 für den vier Klassen tiefer spielenden Gastgeber, der in der Folge aber mehr und mehr unter Druck gerät, in der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert und letztlich nach Verlängerung mit 1:2 verliert.

Wieder mal schrammte der FKP haarscharf am Riesending vorbei. Doch die Husterhöhe erlebte bei herrlichem Sommerwetter ein wahres Fußballfest, an das sich jeder, der dabei war, lange erinnern wird. Noch zwei Siege brauchen die Pirmasenser, um 2026 wieder im DFB-Pokal dabei zu sein. Vielleicht klappt es ja dann mit dem Coup im Cup. Peter Brandstetter

Alexander Falk im entscheidenden Spiel der Eulen gegen Hüttenberg.
Alexander Falk im entscheidenden Spiel der Eulen gegen Hüttenberg.

Der Schuss ins Glück

Spannender geht es kaum. Mit dem allerletzten Angriff machten die Eulen Ludwigshafen den Klassenerhalt perfekt. Samstag, 7. Juni 2025. Kurz nach 19.30 Uhr in der Friedrich-Ebert-Halle. 34. Spieltag in der Zweiten Handball-Bundesliga. Der TV Hüttenberg hat gerade das Tor zum 27:28 durch Niklas Theis erzielt. Es sind noch 24 Sekunden zu spielen. Die ganze Partie ist schon klar: Die Eulen sind auf sich alleine gestellt, die Mitkonkurrenten punkten, es gibt keine Schützenhilfe – und ein Unentschieden würde den Abstieg bedeuten. Die Hüttenberger ihrerseits kämpfen um den Bundesliga-Aufstieg, brauchen den Sieg.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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28:27 also aus Sicht der Eulen. Nach dem Gegentor formieren sich die Spieler an der Mittellinie. Ziemlich unbeachtet schleicht sich Rechtsaußen Alexander Falk in die Mitte. Die Spieler der Hessen gehen weit nach vorne, sie empfangen die Eulen bereits kurz hinter Mittellinie. Sie wollen rasch den Ball erkämpfen.

Und dann erfolgt der Pfiff. Der Ball kommt zu Sebastian Trost. Der Rückraumspieler tippt, läuft ein paar Schritte Richtung Hüttenberger Tor. Er schaut, wartet und spielt den Ball zu Alexander Falk. Der Rechtsaußen dreht sich um seinen Gegenspieler und wirft den Ball an Simone Böhme vorbei ins Tor. 29:27, das war’s! Falk läuft jubelnd zurück, Hüttenberg versucht noch einen Kempa-Trick, Mihailo Ilic fängt den Ball ab. Vorbei.

Ohrenbetäubender Jubel, die Friedrich-Ebert-Halle wird in ihren Grundfesten erschüttert. Der Rest ist ausgelassener Partyjubel. Das war ganz schön knapp. „Das Tor hat mich gefreut. Es war sehr wichtig für die Mannschaft und den Verein“, sagt Alexander Falk im Rückblick.

Die Eulen Ludwigshafen bleiben in der Zweiten Liga, der TV Hüttenberg spielt ebenfalls im Unterhaus weiter. Platz drei – die Hessen müssen GWD Minden vorbeiziehen lassen. Udo Schöpfer

Gregor Meyle singt für Laura Dahlmeier.
Gregor Meyle singt für Laura Dahlmeier.

Tragisch magisch

Laura Dahlmeier verunglückt beim Bergsteigen tödlich. Im Gedenken schafft ein Sänger einen berührenden Moment. Plötzlich ist es ganz still im mondänen Bénazetsaal des Baden-Badener Kurhauses. Wo kurz zuvor die Gäste der Sportler-des-Jahres-Gala applaudiert haben und ein Anheizer, der sogenannte „Warm-Upper“, sie für die Fernsehaufzeichnung zum Johlen und Jubeln animierte, könnte man nun die berühmte Stecknadel fallen hören. „Wir ha'm so viel von dir gelernt. Auch das Leben zu nehmen, so wie es kommt. Bis nur das Gute übrig bleibt“, singt Gregor Meyle mit leiser Stimme. Auf der Leinwand hinter ihm ist Laura Dahlmeier zu sehen.

Ende Juli wollte die frühere Weltklasse-Biathletin im Karakorum-Gebirge in Pakistan den Gipfel des 6096 Meter hohen Laila Peak besteigen. Wegen eines Wetterumschwungs kehrten Doppel-Olympiasiegerin und ihre Seilpartnerin um. Dahlmeier, die 2019 ihre Karriere beendet hatte, wurde dabei von einem Steinschlag getroffen. Am 30. Juli gibt ihr Management Dahlmeiers Tod bekannt. Bergungsversuche scheitern – und so erfüllt sich der letzte Wunsch der versierten Alpinistin: dass sie im Falle des Falles im Berg verbleibt.

Schluchzen auf der Gala, manche wischen sich eine Träne aus dem Auge. Die Sportfamilie steht in der Trauer ganz eng beieinander. Man muss Dahlmeier nicht persönlich gekannt haben, um emotional ergriffen zu sein. Vielleicht war es im persönlichen Umfeld auch einfach ein Trauerfall zu viel in diesem Jahr. „Doch du gingst zu früh. Egal wie man sich darauf vorbereitet. Viel zu früh. Die Geigen haben dich bis zum Schluss begleitet. Wir vergessen dich nie“, singt Gregor Meyle. Die Menschen erheben sich. Es ist ein stiller Applaus. Ein Moment, der erfüllt ist von Traurigkeit und Schmerz, kann auf seine ganz eigene Weise „magisch“ sein. Sven Wenzel

Europameister: Die deutschen Basketballer jubeln in Riga.
Europameister: Die deutschen Basketballer jubeln in Riga.

Unglaublich

Deutschland ist Basketball-Welt- und Europameister. Beim jüngsten Titel wird es plötzlich emotional. Unfassbar, unglaublich. Erst verwirft Alperen Sengün einen Dreier, und dann macht Dennis Schröder von der Freiwurflinie alles klar. Am 15. September 2025 wird Deutschland zum zweiten Mal nach 1993 Basketball-Europameister. Als amtierender Weltmeister von 2023 ist dem Team im Finale gegen die Türkei historisches gelungen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte sind die deutschen Basketball-Männer gleichzeitig amtierende Welt- und Europameister. Logisch, denn schon der sensationelle WM-Titel 2023 war ein Novum.

Und während die Nationalmannschaft nach dem gewonnenen Finale in Riga jubelnd auf dem Parkett umherrennt, fließen ein paar Tausend Kilometer westlich plötzlich ein paar Tränen. Schon der WM-Titel 2023 war überwältigend, damals gefeiert mit den Teamkollegen von den Gorillas Haßloch, aber an diesem September-Abend kommt alles irgendwie nochmal hoch. Wahnsinn.

Deutschland hat zwei der drei wichtigsten Titel im Basketball inne – und das auch noch gleichzeitig. Selbst der dritte – Olympia-Gold – war als Vierter 2024 nicht ganz so weit weg. Ohne Zweifel ist das die erfolgreichste Phase der deutschen Basketball-Historie. 2022 gab es ja schon – damals überraschend – EM-Bronze.

Die Basketball-Gemeinde in Deutschland ist eine kleine. Der Deutsche Basketball-Bund hat 275.025 Mitglieder. Zum Vergleich: Beim DFB sind es über acht Millionen. Auch wenn es nicht so ist, keiner der Nationalspieler hat in der Pfalz seine basketballerische Ausbildung genossen, so fühlt sich die Arbeit an der Basis in so einem Umfeld dann doch etwas bedeutsamer an. Vielleicht eine Erklärung der feuchten Wangen, als die Deutschen den Pokal bekommen. Julian Laber

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